Helfende Hände für Wege aus der Sucht
Seit fünf Jahren gibt es die Beratungsstelle des Blauen Kreuzes in Wolfsberg. Gerda Sophie Buchwald und ihr Team kümmern sich nicht nur um alkoholkranke Menschen, sondern auch um deren Angehörige.
Seit fünf Jahren verfügt das Blaue Kreuz in Wolfsberg über eine Beratungsstelle für Alkoholkranke und deren Angehörige. Die Beratung dort ist kostenlos. Der relativ unbekannte gemeinnützige Verein stützt sich auf mehr als ein Jahrhundert Erfahrung.
Bereits im 19. Jahrhundert wurde das Blaue Kreuz, wie auch das Rote Kreuz, in der Schweiz gegründet. Seit rund 40 Jahren fungiert die Organisation auch in der Stadtgemeinde Wolfsberg, zuerst mit Begegnungsgruppen und seit fünf Jahren mit der zusätzlichen Beratungsstelle.
Seit zwölf Jahren süchtig
Maria-Theresia kommt regelmäßig zum Gruppentreffen, zusammen mit ihrer Tochter, die alkohol- und medikamentensüchtig ist: "Zwölf Jahre hat meine Tochter bereits ein Suchtproblem. Sie war damals Mitte 20. Ich habe einfach nicht mehr gewusst, wo ich mich hinwenden sollte. Die restliche Familie hat sich abgewandt. Ich hatte niemanden mehr zum Reden", so die Pensionistin aus St. Andrä. Seit Mai ist sie Mitglied der Gruppe. "Mein Tiefpunkt war erreicht, als ich um halb fünf in der Früh einen Anruf von der Wolfsberger Polizeistation bekommen habe. Der Briefträger hat meine Tochter bei minus fünf Grad nur mit einem Pyjama bekleidet gefunden", so die St. Andräerin.
Die Pensionistin ist eine von drei Angehörigen, die sich mit sechs süchtigen Frauen austauschen. Im Moment trifft sich eine reine Frauengruppe. In den vergangen fünf Jahren hat erst ein Mann in der Beratungsstelle angerufen.
"Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es zwar mehr alkoholkranke Männer gibt, diese aber weniger zu Gesprächen bereit sind", so Gerda Sophie Buchwald, Leiterin des Blauen Kreuzes in Wolfsberg. Die Sozialberaterin engagiert sich zusammen mit der Psychologin Martina Zoder ehrenamtlich für die Organisation. "Wir wollen ein Auffangnetz für alle Angehörigen und Suchtkranken sein. Speziell Angehörige wissen oft nicht, an wen sie sich wenden können", so die Leiterin des Blauen Kreuzes in Wolfsberg.
"Neinsagen" lernen
"Die Sucht meiner Tochter hat mein Leben dirigiert. Ich habe nur darauf gewartet, bis sie anruft und sagt, sie braucht mich. Es war schwierig zu lernen, ,Nein' zu sagen", so Maria-Theresia. Zoder weiß aber auch, dass Angehörige selbst oft in ein Suchtverhalten fallen: "Es entsteht dann gewisse eine Ko-Abhängigkeit. Sie sind süchtig danach, zu helfen und richten sich nur mehr nach dem Wohlbefinden des Süchtigen", so Zoder.
Deshalb gibt es solche Beratungsstellen, wie das Blaue Kreuz, die den Angehörigen die Situation auch erleichtern sollen. Die St. Andräerin weiß die Einrichtung auf alle Fälle sehr zu schätzen: "Seit meiner dritten Sitzung kommt meine Tochter auch immer mit. Seitdem geht es ihr auch besser. Sie hat zwar immer wieder Rückfälle. Wenn man sich aber in einem guten sozialen Auffangnetz befindet, kann man besser gegen die Sucht ankämpfen", sagt die St. Andräer Pensionistin.
Features
FAKTEN
Treffpunkt. Angehörige und Suchtkranke treffen sich montags zwischen 18 und 20 Uhr in der Bezirksstelle des Blauen Kreuzes in Wolfsberg in der Karl-Krobath Straße 3 a.
Kontaktaufnahme. Gerda Buchwald ist telefonisch unter der Telefonnummer (0 65 0) 97 05 333 und Martina Zoder unter (0 68 8) 82 31 379 erreichbar.
Bürozeiten. Montags zwischen 16 und 18 Uhr. Termine gibt es auch nach Vereinbarung.
Blaues Kreuz. Gemeinnützige Organisation, die sich durch Spenden finanziert. Das Blaue Kreuz begleitet Menschen mit Alkoholproblemen sowie deren Angehörige.
Leitsatz. "Einen Tag nach dem anderen!"













