Brutale Szenen bei Lkw-Streik
Ein Lavanttaler Unternehmer blieb infolge des Frächter-Streiks in Italien bei Neapel hängen und berichtet von Beschimpfungen und aufgeschlitzten Reifen.

Foto © KK/LeopoldJohnann Leopold hatte Glück im Unglück. "Nur" einer seiner Lkw-Reifen wurde aufgeschlitzt. Heute kommt er wieder zurück nach Kärnten
Ich fahre schon seit 30 Jahren nach Italien und war bei vielen Streiks dabei. Aber so etwas Brutales habe ich noch nie erlebt." Frächter Johann Leopold (59) aus dem Lavanttal blieb, infolge des Streiks seiner italienischen Kollegen, mit seinem Lkw tagelang in der Nähe von Neapel hängen. Die italienischen Frächter protestieren seit Wochenbeginn gegen hohe Benzinpreise, Mautgebühren und Versicherungsprämien - wichtige Autobahnknoten werden blockiert, der Verkehr lahmgelegt.
Am Sonntag gegen 22 Uhr nahm die Odyssee ihren Ausgang. Leopold war mit einer Lieferung von Reisekoffern unterwegs zu einem Händler. "Bei einer Mautstelle zwischen Neapel und Salerno ging nichts mehr, insgesamt waren 700 Lkw auf dem Parkplatz."
Zwei Tage lang kam Leopold keinen Millimeter weiter, auf dem Parkplatz haben sich wilde Szenen abgespielt. "Organisierte Banden haben Reifen aufgeschlitzt und Ventile abgebrochen. Bei mir war zum Glück nur ein Rad betroffen, das ich dann selbst reparieren konnte", sagt Leopold. Mindestens 200 Fahrzeuge wurden beschädigt, die Täter wollten offenbar auch an die Fracht. "Ich habe versucht einige Stunden zu schlafen und sonst darauf geachtet, dass meinem Lkw nichts passiert."
Italienische Medien berichteten von Autotransportern, die in Brand gesetzt wurden. Das rundherum war laut Leopold chaotisch: "Viele Fahrer trauten sich nicht auf die Toilette, weil sie Angst um ihr Fahrzeug hatten. Auch Verpflegung gab es keine." Am Mittwoch schaffte es der Kärntner schließlich seine Ladung abzuliefern, dort wurde es nochmals gefährlich. "Mein Kunde ist bei einer Transportfirma eingemietet. Die Kollegen haben gedroht, die Reifen kaputt zu schießen, wenn ich weiterfahre und nicht mit ihnen streike." Schließlich konnte Leopold doch die Heimfahrt antreten, am Freitag kommt er in Kärnten an.
Bruno Urschitz, Fachgruppenvorsteher des Güterbeförderungsgewerbes berichtet von weiteren Kärntner Fernfahrern, die im Stau standen und "in Bedrängnis" kamen. "Vor allem in Richtung Süden ist es gefährlich." Während österreichische Firmen auf Lieferungen aus Italien warten, stehen dort viele Supermarktregale leer. Am Freitag sollen die Proteste der Frächter beendet werden.













