Noch mehr Schätze aus dem Bezirk
Heute stellen wir zwei "kunstvolle" Kirchen im Lavanttal vor: die Jaklinger und die St. Vinzenz Kirche.
Vergangene Woche haben wir mit der neuen Serie "Göttliche Spurensuche" gestartet und dabei zwei interessante Kirchen im Bezirk vorgestellt - nämlich die Johannesbergkirche und die Dreifaltigkeitskirche. Diese beiden Kirchen mögen zwar vielleicht vielen Lavanttalern ein Begriff sein, dennoch liegt in ihnen viel Ungesehenes verborgen. Ähnlich verhält es sich mit den beiden nächsten Kirchen: der Jaklinger Kirche in St. Andrä und der St. Vinzenz Kirche auf der Soboth (Filiale von Ettendorf). Sie beide haben etwas gemeinsam: die Kunst. St. Vinzenz war die Kirche des Glasbläserdorfes und die Jaklinger Kirche besuchten viele Schwarzhafner, die für ihre Tonerzeugnisse berühmt waren.
Kaum jemand vermutet, dass dort, wo heute der Stausee die Idylle der Soboth prägt, einst ein Dorf stand, in dem über 1000 Menschen lebten - das Glasbläserdorf St. Vinzenz.
Weltruhm für Erzeugnisse
Der St. Pauler Abt Albert Reichart gründete gegen Ende des 17. Jahrhunderts eine Glasbläserei und Spiegelfabrik, deren Erzeugnisse zu Weltruhm kamen und bis nach Versailles, in den Louvre oder in die Eremitage zu St. Petersburg gelangten. Viel blieb von dieser Geschichte nicht übrig. Ein paar Häuser und eine kleine Kirche erinnern noch an das pulsierende Leben. Die Kirche selbst wird das erste Mal 1687 erwähnt, in dem Jahr, als die Glashütte errichtet wurde. Nach dem Ende der Glasbläserei im 19. Jahrhundert verfiel sie allmählich, sodass man erst 1954 daran ging, das Gotteshaus weitgehend zu erneuern. So gehört St. Vinzenz nicht zu den kunsthistorisch bedeutenden Kleinodien des Tales, hat aber einen bemerkenswerten sozialhistorischen Hintergrund. Vom Vorgängerbau stammen der Turmbereich und Teile der Einrichtung, wie etwa der Hochaltar aus dem 18. Jahrhundert.
Ölgemälde von 1775
Eine interessante Geschichte versteckt sich auch hinter der Jaklinger Kirche. Erzbischof Eberhard von Salzburg schenkte 1234 dem Domkapitel zu St. Andrä den Dachberg, der berühmt wurde für seine Töpfe und Krüge, die als "Tachen" bezeichnet wurden. In der Filialkirche Jakling (zu St. Andrä gehörend) hat sich ein Ölgemälde aus der Zeit um 1775 erhalten, das den Abbau des Tachens dokumentiert und dabei ein unverzichtbares Dokument der Ansicht des Dorfes Jakling und der Stadt St. Andrä ist.
Die begehrten schwarzen Tonwaren wurden überallhin gebracht und im 17. und 18. Jahrhundert florierte die Töpferkunst, die das "Porzellan der Armen" hervorbrachte. Inmitten der Ansiedlung der "Schwarzhafner" entstand die kleine Kirche, deren Ursprung auf das 17. Jahrhundert zurückgeht. Sie besitzt sehr seltene Patrone: den heiligen Paulus und den heiligen Johannes, zwei römische Soldaten. Erst vor wenigen Jahren wurde die Kirche innen restauriert und erstrahlt seither im neuen Glanz. Der Altar stammt aus der Barockzeit. Recherche: Pater Gerfried Sitar
Features
FAKTEN
Glas. Bemerkenswert sind der Glasluster im Inneren der Kirche, der an die Kunst der Glasbläserei auf der Koralpe erinnert, und der Kreuzweg des bekannten Kärntner Künstlers der Gegenwart, Valentin Oman.
Legende. Der Legende nach starb der heilige Vinzenz auf einem glühenden Glasscherbenhaufen und wohl aus diesem Grund ist er zum Patron der Glashütte geworden.
FAKTEN
Bau. Kleiner barocker Bau mit Ursprung im 17. Jahrhundert, Turm mit gekuppelten Schall- fenstern, die Sakristei im Turmerdgeschoß ist kreuzgratgewölbt.
Altar. Die Einrichtung besteht aus drei barocken Altären, wovon der Hochaltar der heiligen Mutter Anna, der linke Seitenalter dem heiligen Blasius und der rechte dem heiligen Valentin geweiht ist.














