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Zuletzt aktualisiert: 08.04.2011 um 20:16 Uhr

"Uns allen geht das Lavanttal ab"

Vom Kaufmännischen Direktor des LKH Wolfsberg zum "Chief Operating Officer" des Al Ain Hospital: Viktor Benzia wanderte im Oktober 2010 in das größte der sieben Arabischen Emirate aus - nach Abu Dhabi. Der 50-Jährige über seinen Job, verschleierte Frauen, die Hitze und den "wilden" Fahrstil der Einheimischen.

Der Abschied aus Wolfsberg fiel mir schwer. Meiner Familie fast noch schwerer", sagt Viktor Benzia, der nach fast sechs Jahren als Kaufmännischer Direktor am LKH Wolfsberg nach Abu Dhabi - in das größte und erdölreichste der sieben Arabischen Emirate - ausgewandert ist. Als "Chief Operating Officer" werkt er im Krankenhaus der Stadt Al Ain.

Seit Oktober 2010 ist er dort, Gattin Claudia (43) kam mit den Kindern Katharina (14), Luka (12) und Ana (8) zu Weihnachten nach. "Ich musste mich erst um die Wohnsituation kümmern und mit der Schule alles klären", sagt der 50-Jährige, der ein Haus in Al Ain mietete. Die Städte Abu Dhabi und Dubai liegen eineinhalb Stunden Autofahrt entfernt, zum Meer sind es rund 100 Kilometer.

Das Al Ain Hospital soll bald das modernste in den Emiraten sein. "Es wird neu errichtet, die Baugruben sind schon ausgehoben", sagt Benzia über das ein Milliarden Euro teure Projekt: "Von der Dimension her ist es mit dem Klinikum in Klagenfurt vergleichbar." 2014 soll es fertig sein. Das jetzige Hospital wird dann abgerissen.

Benzias neuer Job ist ähnlich dem alten - im operativen Geschäft. Als "ziemliche Herausforderung" nennt er die Aufgabe, unter 2000 Angestellten aus über 40 Nationen einen gemeinsamen Nenner zu finden: "Aufgrund der unterschiedlichen kulturellen Hintergründe ist das nicht einfach."

"Es war spannend"

Warum er Ende September das LKH Wolfsberg verlassen hat, dazu wollte er sich damals nicht äußern - und auch heute nicht. Nur insofern: "Es war spannend und ich hab' den Job gern gemacht. Ich bin aber nicht ganz unfroh über die Möglichkeit, die mir geboten wurde", sagt der gebürtige Waldviertler. Wie es dazu kam? "Die Firma ,Vamed' fragte mich. Sie betreibt in Kooperation mit der Medizinischen Universität Wien das Al Ain Hospital."

Wie lange er in den Emiraten bleiben wird, könne er nicht sagen. "Mein Vertrag ist nicht befristet", so Benzia, der den Wohnsitz in Wolfsberg behalten hat. "Den Sommer verbringen wir im Lavanttal. Immerhin klettern die Temperaturen in den Emiraten auf über 50 Grad", sagt Benzia: "Das Leben hier spielt sich im Winter ab. Sobald es heißer wird, ist kaum jemand auf der Straße, höchstens in klimatisierten Einkaufszentren." Doch schon jetzt kommt man dort ordentlich ins Schwitzen - bei derzeit 41 Grad.

Vor allem für seinen Nachwuchs war der Umzug schwer, deutschsprachige Kinder gibt es kaum. "Anfangs haben sie überhaupt nichts verstanden, mittlerweile geht's Gott sei Dank. Alle drei besuchen eine internationale Schule mit englischem Lehrplan", sagt Benzia, dessen Gattin Haushalt und Familie managt. "Auch wenn wir uns eingelebt haben, geht uns das Lavanttal ab. Am meisten vermissen wir unsere Freunde", sagt Benzia.

Vor allem an die kulturellen Unterschiede einer islamischen Stadt musste sich die Familie erst gewöhnen. "Hier sind der Freitag und Samstag das Wochenende, der Freitag ist der eigentliche Feiertag. Der Sonntag ist ein normaler Arbeitstag. Anfangs kam es mir vor, als hätte ich kein Wochenende. Mittlerweile geht's. Zu Problemen an Sonntagen kommt es dann, wenn man mit Europa zu tun hat", erzählt Benzia, der mittlerweile die arabischen Zahlen und ein paar Wörter, etwa die Begrüßung "Salem Aleikum", kennt.

Verschleierte Frauen

Vom Essen her deckt der arabische Raum eine breite Palette ab. "Es gibt asiatische, libanesische und arabische Küche, außerdem auch viel Fisch, der hier extrem günstig ist. Nur manche Gewürze sind ein bisschen gewöhnungsbedürftig", sagt der 50-Jährige. An den Anblick der verschleierten Frauen hat er sich längst gewöhnt: "Manche sind teilweise verschleiert, manche komplett oder mit nur einem Sehschlitz. Man selbst sollte aus Respekt vor ihrer Kultur immer Knie und Schultern bedeckt haben."

An den Stil des Autofahrens müssen sich die Benzias allerdings erst gewöhnen: "Der Fahrstil ist wild. Die Straßen sind mindestens dreispurig, Blinken ist nur was für Anfänger. Für die Sicherheit ist es gut, wenn man ein stabiles Auto hat", schmunzelt er. Das Tanken ist übrigens vergleichsweise billig: "Ein Liter kostet nur ein Fünftel vom Sprit in Österreich. Mir wurde gesagt, dass das Tanken hier im Vergleich zu Saudi-Arabien sehr teuer ist."

Mit den Benzias ausgewandert sind auch Hund und Katz': "Meine Frau wird immer angestarrt, wenn sie mit dem Hund spazieren geht. Immerhin gilt ein Hund im Islam als unreines Tier. Hunde gibt's zwar, aber nicht als Teil der Familie. Es gibt sie hier nur als Herden-Aufpasser sowie als Rennhunde."

BETTINA FRIEDL

FAKTEN

Ausgewandert. Der ehemalige Kaufmännische Direktor des LKH Wolfsberg, Viktor Benzia, wanderte mit seiner Familie nach Al Ain (Abu Dhabi) aus.

Emirate. Die Vereinigten Arabischen Emirate, kurz VAE, sind eine Föderation von sieben Emiraten: Abu Dhabi, Adschman, Dubai, Fudschaira, Ra's al-Chaima, Schardscha und Umm al-Qaiwain (Quelle: Wikipedia).

Al Ain. Die 374.000 Einwohner-Stadt Al Ain liegt im Arabischen Emirat Abu Dhabi, dem größten und erdölreichsten Arabischen Emirat.

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