Der Iran lässt im Tal die Kugel rollen
Die Fußballnationalmannschaft aus dem Iran weilt derzeit auf Trainingslager in Bad St. Leonhard. Gewohnt wird im Hotel Moselebauer. Die Kleine Zeitung stattete dem Team einen Besuch ab.
F ritz Ranninger vom SV Bad St. Leonhard gerät ins Schwärmen: "Es ist schon erstaunlich, welch professionelle Einstellung die Kicker haben. Sogar die Kabinen hinterlassen sie nach den Trainingseinheiten immer total sauber." Der Ordner-Obmann meint damit das iranische Fußballnationalteam, das seit exakt einer Woche sein Trainingslager in Bad St. Leonhard abhält. Noch bis Dienstag schuften die Spieler hier für ihre zukünftigen Vorhaben. "Ich bin dafür verantwortlich, dass den Kickern optimale Trainingsbedingungen geboten werden. Da bedarf es einiger Anstrengung. Aber irgendwie ist das eine Ehre für mich", erzählt Ranninger.
Optimale Bedingungen
Für den perfekten Rasenschnitt sorgt Platzwart Guido Künl. Exakt 15 Millimeter hoch ist das Green unter den iranischen Fußballstoppeln. "Anfangs war ich schon etwas nervös, ob wir den Ansprüchen eines Nationalteams gerecht werden. Aber bislang gab es noch keine Beanstandungen", sagt Obmann Siegfried Wadl. Obwohl die Iraner nach außen hin etwas reserviert, gar schüchtern wirken, spürt man dennoch, dass es ihnen im Lavanttal gefällt. "Ja, wir genießen es. Es sind optimale Bedingungen. Die Landschaft ist ähnlich dem Norden des Irans", sagt Khosro Valizadeh, Pressesprecher der Nationalmannschaft. Die derzeit tropischen Temperaturen machen ihnen nichts aus. "In unserer Hauptstadt Teheran ist es noch heißer", schmunzelt Valizadeh.
Trainiert wird zwei Mal täglich - vormittags 90, nachmittags 120 Minuten. Und das äußerst hart, diszipliniert und mit einer strikten Vorgabe - auch für Zuschauer. So dürfen Fotos nur außerhalb der Spielfeldlinien gemacht werden. Jede Spielsituation wird per Videokamera festgehalten, Spielanalysen am Laptop aufgezeichnet. "Da kann man unglaublich viel lernen", staunt Norbert Müller, Trainer des SV Reichenfels, der fast täglich das Training beobachtet.
Eigener Koch ist mit
Untergebracht ist das 39-köpfige Team - dessen großer Star Ex-Bayern München-Spieler Ali Karimi ist - im Vier-Sterne-Hotel Moselebauer, das sich nur etwa vier Kilometer vom Sportplatz entfernt befindet. "Wir werden hier bestens versorgt. Vor allem das Wellness-Angebot ist überwältigend", erzählt Valizadeh. Für das kulinarische Wohl sorgt Koch Moham Ali Dehghan, der extra von der iranischen Botschaft ausgesucht wurde. Gekocht werden hauptsächlich Nudeln und koschere Speisen. Abseits des harten Trainings bekommen die Kicker aber auch genug Freizeitmöglichkeiten. "Wir haben auch schon Klagenfurt besichtigt", sagt Valizadeh.
Strikte Regeln
"Sie sind total nett und unkompliziert, haben aber ihre strikten Regeln. Um 23.30 Uhr herrscht absolute Nachtruhe, Alkohol ist völlig tabu", sagt Helmut Hafner vom Moselebauer-Serviceteam.
Ob sich die Iraner vorstellen können, auch im nächsten Jahr wieder ins Lavanttal zu kommen? Valizadeh: "Meine Familie und ich auf jeden Fall." Dass die iranische Nationalmannschaft überhaupt im Lavanttal gastiert, machte das Unternehmen "Soccer Camps Kärnten", dem WAC/St. Andrä-Präsident Dietmar Riegler als Eigentümer vorsteht, möglich.
Seit 2006 organisiert man Trainingslager für Fußballklubs und Nationalteams aus aller Welt. Heuer sind es 21. "Wir sind in der glücklichen Lage, jährlich ein fixer Standort zu sein. Im vergangenen Jahr hatten wir das rumänische Team Timisoara zu Gast, 2008 MTK Budapest", sagt Wadl und fügt hinzu: "Das ist nicht nur eine enorme Aufwertung für den Ort, sondern auch für die gesamte Region Lavanttal."
Features
DATEN UND FAKTEN
Camps. Im Rahmen der "Soccer Camps Kärnten" bereiten sich im südlichsten Bundesland Österreichs alljährlich in den Sommermonaten Top-Fußballteams auf ihren Erfolgszug zu neuen Spitzenleistungen vor.
Bad St. Leonhard. Die Stadt im Oberen Lavanttal mit dem Hotel Moselebauer ist einer der 22 Standorte. Bislang schlugen hier drei Teams ihre Zelte auf. 2008: MTK Budapest, 2009: Timisoara, 2010: Iran.















