Wolfsberg: Polit-Streit wegen Kredithaftung für Druckerei
Stadtrat beschloss Kredithaftung über 200.000 Euro für Druckerei Ploetz. Diese gilt aber nur dann, wenn auch das Land für weitere 200.000 Euro haftet. Scharfe Kritik von der SPÖ.

Foto © KLZDas Wolfsberger Druck- und Verlagshaus Ploetz bat die Stadtgemeinde um Übernahme einer Kredithaftung
"Die Kunst des Druckens ist bestimmt von Tradition und Innovation." Gemäß ihrem Leitspruch investierte das Wolfsberger Druck- und Verlagshaus Ploetz im Zeitraum Mai 2005 bis Februar 2006 rund zehn Millionen Euro in den neuen Standort in St. Marein. Neben der Errichtung eines neuen Druckereigebäudes wurden auch hochmoderne Maschinen angeschafft.
Die Auswirkungen der Wirtschaftskrise bekommt nun aber auch das Lavanttaler Paradeunternehmen zu spüren. Denn laut Vizebürgermeister Wolfgang Knes (SPÖ) habe sich die Firma bei den Investitionen übernommen und die laufenden Kredite zu kurz angesetzt. "Da die Zinsbelastung immer höher und höher wurde, teilte die Hausbank dem Unternehmen mit, dass sie da nicht mehr mitziehen könne und man ein neues Kreditmodell brauche." Aus diesem Grund bat die Firma nun die Stadtgemeinde um Hilfe. "Die Druckerei Ploetz will die Kredite umschichten und wir als Stadtgemeinde sollen für einen Kredit in Höhe von 200.000 Euro haften", sagt Knes. Vergangene Woche wurde dazu eine Sondersitzung des Stadtrats einberufen, in der auch Ploetz-Geschäftsführer Christian van der Fecht anwesend war. Für eine Stellungnahme war dieser allerdings nicht erreichbar.
Während "Die Freiheitlichen in Wolfsberg" und die ÖVP in der Sitzung der Kredithaftung positiv gegenüberstanden, übte die SPÖ scharfe Kritik und verweigerte ihre Zustimmung. Der Beschluss wurde mehrheitlich von den Freiheitlichen und der ÖVP gefasst. Am 30. Juni soll darüber noch im Gemeinderat abgestimmt werden.
Die Kredithaftung ist allerdings an eine Bedingung geknüpft: "Das Land muss sich ebenfalls bereit erklären, eine Haftung von weiteren 200.000 Euro zu übernehmen. Sonst ist unser Beschluss hinfällig", sagt der freiheitliche Fraktionssprecher Harald Trettenbrein.
"Nicht Gemeinde-Aufgabe"
Knes ist über den mehrheitlichen Stadtratsbeschluss erzürnt: "Es ist nicht Aufgabe der Gemeinde, Haftungen zu übernehmen." Ihm zufolge sollte man erst die Verhandlungen zwischen der Firma Ploetz und deren Hausbank abwarten.
"Die Haftung wird zwar erst schlagend, wenn die Firma beispielsweise in einen möglichen Konkurs schlittert. Für mich ist das aber keine Sicherheit. Was passiert, wenn die Haftung doch einmal schlagend wird? Dann stehen wir als Gemeinde schön da", sorgt sich Knes. Und fügt hinzu: "Wenn wir einer Firma einmal so etwas gewähren, könnte in Zukunft jeder mit diesem Anliegen kommen. Das ist gefährlich." Knes schwebt bei Ploetz eine andere Idee vor: "Wenn die Firma wirklich einmal in den Konkurs schlittern sollte, werde ich mich natürlich für die Arbeitnehmer einsetzen. Das kann in Form einer Stiftung oder eines Sozialplans erfolgen."
ÖVP-Stadtrat Mario Woltsche versteht diese Haltung nicht: "Ich kann mir ja nicht erst Gedanken über eine Firma machen, wenn es zu spät ist, sondern muss schon im Vorfeld Vorkehrungen treffen. Schließlich geht's hier um das Schicksal von 44 Mitarbeitern."
Sicherung der Arbeitsplätze
Rückendeckung erhält er von Trettenbrein: "Wir wollen Firmen und Arbeitsplätze sichern. Knes beweist, dass er keine Wirtschaftskompetenz hat." Und legt noch eines drauf: "Die SPÖ Wolfsberg ist in Wirtschaftsfragen das, was Italien bei der Fußball-WM war - eine echte Nullnummer!"
Knes vermutet unterdessen eine Achse zwischen FPK-Landesrat Christian Ragger, dem Wolfsberger Vize Heinz Hochegger und Trettenbrein: "Im Land weiß außer Ragger niemand etwas von dieser Haftung. Das ist verantwortungslose Politik."
Features
Fakten
Unternehmen. Im Jahr 1877 gründete August Wilhelm Ernst Ploetz die Druckerei in Wolfsberg. Die folgenden Generationen entwickelten das Unternehmen erfolgreich weiter: von der einfachen Handpresse über den legendären Heidelberger "Tiegel" hin zu modernster computergesteuerter Drucktechnologie. Heute ist man eines der modernsten Druckunternehmen Europas. Derzeitiger Geschäftsführer ist Christian van der Fecht.
Investitionen. 2004 war man mit sinkenden Auflagenzahlen und Kostendruck konfrontiert. Man war gezwungen, sich zu spezialisieren. Deswegen investierte man im Zeitraum Mai 2005 bis Februar 2006 rund zehn Millionen Euro in den neuen Standort in St. Marein. Neben der Errichtung eines neuen Druckereigebäudes wurden auch hochmoderne Maschinen angeschafft.
Daten
Finanzkrise. Ihre Auswirkungen spürt nun auch die Druckerei Ploetz. Deshalb bat man die Gemeinde Wolfsberg um Haftung eines Kredits von 200.000 Euro.
Mitarbeiter. Laut Stadtrat Woltsche (ÖVP) sind derzeit 44 Mitarbeiter bei der Druckerei beschäftigt.














