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Zuletzt aktualisiert: 23.05.2010 um 15:36 UhrKommentare

"Wollen den Politikern auf die Finger klopfen"

Eine Gruppe auf dem Onlineportal "Facebook" zeigt Probleme in Wolfsberg auf und konfrontiert die Verantwortlichen damit. Innerhalb weniger Tage sind bereits 1000 Mitglieder beigetreten.

Gruppen-Gründer Michael Melcher will jungen Menschen eine Diskussions-Plattform im Internet bieten

Foto © FindenigGruppen-Gründer Michael Melcher will jungen Menschen eine Diskussions-Plattform im Internet bieten

In der Stadt Wolfsberg läuft einiges schief. Das meinen zumindest die Mitglieder einer Gruppe im Onlineportal "Facebook". Bisher haben sich fast 1000 Personen der Gruppe "das gehört den Verantwortlichen in Wolfsberg amol gsogt!!!" angeschlossen und diskutieren über Themen, die sie stören.

"Die Gruppe gibt es seit zehn Tagen. Sie ist eine Plattform, um zu diskutieren und Probleme aufzuzeigen. Wir wollen den Verantwortlichen und Politikern auf die Finger klopfen", sagt Gruppen-Gründer Michael Melcher (35). Vor allem jungen Menschen will der Wolfsberger eine Chance bieten, Wünsche und Sorgen anzusprechen. Melcher: "Viele wissen nicht, an wen sie sich wenden müssen, um Ideen zu äußern."

Wie das System funktioniert? "Sobald sich zehn Mitglieder zu einem Thema äußern, stellen wir eine Anfrage an den Verantwortlichen und bitten um eine Stellungnahme", so Melcher. So gingen bisher sechs Briefe per Post an verschiedene Stellen - drei an Bürgermeister Gerhard Seifried (SPÖ) und je einer an Vizebürgermeister Heinz Hochegger (Freiheitliche), an die HAK Wolfsberg und die Bezirkshauptmannschaft (siehe Infokasten).

Stellungnahmen gefordert

"Unser Ziel ist, auf alle Anfragen Stellungnahmen zu bekommen. Schließlich sollen die Verantwortlichen sagen, warum sie da sind und zeigen, wie sie mit den Anliegen der Bürger umgehen", so Melcher. Die Anfragen werden mit den Namen der Gruppen-Mitglieder, die sich zum Thema äußern, versehen und Antworten per Mail oder am Postweg gefordert. Politische Werbung habe auf der Seite nichts verloren.

Doch was sind die Themen, die die Mitglieder beschäftigen? An Seifried wurden etwa die Anfragen gestellt, was gegen das Überhandnehmen von Bettlern in Wolfsberg getan werden könnte, wie ein Hallenbad umgesetzt werden könnte und warum ein Lokal im Süden der Stadt um 4 Uhr und nicht wie gewünscht um 6 Uhr früh zusperren muss.

"Offen für Dialog"

"Ich befürworte, dass diese Themen diskutiert werden und es diese Gruppe gibt", sagt Seifried. Zu den Anfragen fasste er sich kurz: Da er selbst nicht bei "Facebook" registriert sei, schlägt er zum Diskutieren einen "Live-Chat" über das Internet vor. Seifried: "Ich bin immer offen für einen Dialog und auch für ein persönliches Treffen." Dies schließt die Gruppe vorerst aus: "Es muss möglich sein, schriftlich klar Stellung zu nehmen. Gerade Politiker wissen bei Diskussionen, wie sie einem Thema ausweichen können", begründet Melcher.

Der Gruppen-Gründer hofft auf Eigendynamik der Plattform: "Je mehr angesprochen wird, umso weniger kommen die Verantwortlichen um Antworten herum." Bis auf Seifrieds Antwort blieben diese bisher aus. "Ich finde die Plattform super. Es zeigt, dass die Jugend keineswegs politikverdrossen ist", so Hochegger. Bei ihm wurde angefragt, wie man Verkehrsbehinderungen im Stadtgebiet Herr werden könnte. Hochegger: "Toll an der Gruppe ist, dass man einerseits direkt Stellung nehmen kann, was ich tun werde. Andererseits lassen sich leicht Gerüchte ausräumen."

Dass sich die Gruppe nicht allein auf Wolfsberg beschränken soll, ist Melchers Ziel. "Derzeit weiten sich die Themen bereits auf St. Andrä und St. Paul aus. Ich habe kein Problem, dass Landes- und Bundesthemen angesprochen und auch diesbezüglich Anfragen gestellt werden."

RENE FINDENIG

WEITERE ANFRAGEN DER

Bezirkshauptmannschaft. An das Jugendamt der Bezirkshauptmannschaft Wolfsberg wurde von der "Facebook"-Gruppe folgende Anfrage bezüglich Mitarbeitern gestellt: "Scheinbar haben einige ein Problem mit der Männerquote in Ihrem Amt. Sollte aus objektiver Sicht nicht auch die Männerquote in Ihrem Amt zwecks Gleichberechtigung erfüllt werden?"

HAK Wolfsberg. "Scheinbar gibt es in Ihrer Schule ein Hygieneproblem, welches nicht ausschließlich den Schülern in die Schuhe geschoben werden kann. Finden Sie nicht auch, dass sanitäre Einrichtungen die saubersten im gesamten Schulzentrum sein sollten?", heißt es in einer Anfrage an die HAK Wolfsberg, die sich gleichzeitig an HTL, BORG und HLW richtet.

Diskussionsthemen. Stündlich kommen in der Gruppe Themen hinzu. Derzeit wird über die Veranstaltung eines Musik-Festivals in St. Andrä oder die Einführung von Einkaufswägen für Beeinträchtigte bei den Supermärkten diskutiert. Weiters: Spritpreise, der Zustand der Straßen im Tal oder die fehlende Geldwechselmöglichkeit bei Parkautomaten.

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