Maria kam mit zwölf Engeln
Bad St. Leonhard war dieses Wochenende im Ausnahmezustand. Die angekündigte Marienerscheinung ließ niemanden kalt. Selbst Ungläubige zog es auf den Schlossberg, denn anschauen wollten sich viele das Spektakel allemal.

Foto © KLZ / WeichselbraunHunderte Menschen haben sich an der Stelle versammelt, wo die Marienerscheinung auftauchen soll
So setzte sich das 500-köpfige Publikum aus betenden Pilgern und grinsenden Beobachtern zusammen. Die meisten wurden nicht enttäuscht. Auch wer keine spirituelle Aura verspürte, zumindest die voyeuristische Neugier wurde befriedigt. Die so genannte "Gegenveranstaltung", eine Maiandacht an der Lourdes-Grotte mit Stadtpfarrer Walter Oberguggenberger, war deutlich schlechter besucht.
Wie angekündigt um 16:30 Uhr fiel Seher Salvatore Caputa mit einem leichten Seufzer auf die Knie und hatte eine Marien-Erscheinung. Zur Enttäuschung vieler allerdings nur er. Danach zog er sich zurück und schrieb die erhaltene Botschaft auf. In der Zwischenzeit versuchte Johann Hochwarter, ein Oberwarter Pfarrer im Ruhestand und einer der Gefolgsleute des Sehers, den Menschen zu erklären warum die Muttergottes gerade auf dem Bad St. Leonharder Schlossberg landen musste. "Sie kommt, um die Jugend hier den Drogen und Lastern zu entreißen", so der pensionierte Geistliche. Ob die Bad St. Leonharder Jugend wirklich derart demoralisiert ist, dass es einer Marien-Erscheinung bedarf, sei dahingestellt.
Störaktion
Eine kleine Störaktion lieferte eine Gruppe junger Leute aber: In weiße Laken gehüllt rannte ein Bursche quer durch die Pilger und schrie "Ich bin die Maria." Hohenwarter wurde währenddessen nicht müde, den berühmten Rosenduft des Sehers anzusprechen, der sich angeblich immer dann einstellt, wenn eine Erscheinung in der Luft liegt. Und tatsächlich: Salvatore Caputa roch nach Rosenöl, als hätte er tagelang darin gebadet.
Sieben Leben
Noch kurioser wurde es, als ein Mann, der bereits vier Jesus-Erscheinungen hinter sich hatte, ein Gedicht vortrug. In diesem Leben begegnete er dem Sohn Gottes aber nicht, das geschah bereits in den sechs davor. Auch Bad St. Leonhards Politiker fehlten nicht am Schlossberg. BZÖ-Stadtrat Dieter Dohr war mit dem Ablauf sehr zufrieden. "Ich bin selbst sehr gläubig, mir gefällt es hier". Bürgermeister Simon Maier gab sich äußerst wortkarg. Ob er wirklich an die Erscheinung glaube? Das Stadtoberhaupt blieb vage. "An die Botschaft kann man schon glauben". Angst, dass die Stadt durch die Berichterstattung um die Marien-Erscheinung ins Lächerliche gezogen wird, hat er nicht. "Nein, davor fürchte ich mich nicht. Die Medien haben das einfach aufgebauscht", so Mayer.
12 Engel und rosa Kleidung
Nach zwei Stunden wurde die Botschaft des Sehers verlesen. Kurz zusammengefasst: Maria war rosa gewandet, kam in Begleitung von zwölf Engeln und forderte Bad St. Leonhards Jugendliche auf, öfters die Heilige Messe zu besuchen.
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