Zur Heimfahrt fehlte ihr das Geld
Seit 1973 lebt Hildegard Freitag aus St. Andrä in Nordrhein-Westfalen. Damals hatte sie zur Rückreise kein Geld, heute liebt sie ihre neue Heimat.

Foto © KK/PrivatHin und wieder hat Hildegard Freitag Sehnsucht nach dem Lavanttal
Egal ob beim Sommerurlaub oder an einem anderen schönen Aufenthaltsort fern von daheim: Hat sich nicht jeder schon einmal danach gesehnt, einfach dort zu bleiben und nicht mehr nach Hause zurückzukehren? Die gebürtige Lavanttalerin Hildegard Freitag fand auf diese Weise in Keldenich bei Wesseling (17 Kilometer von Köln entfernt) in Deutschland ihre neue Heimat. Seit Ende 1973 lebt sie bereits in Nordrhein-Westfalen.
In Kärnten keine Zukunft. Die 54-Jährige ist in Kollegg aufgewachsen und ging in St. Andrä zur Schule. Danach arbeitete sie als Zimmermädchen und Haushaltshilfe in einem Fürsten-Haushalt, was für die gebürtige St. Andräerin zwar eine wunderschöne Zeit war, sie auf Dauer aber nicht glücklich machte. "Ich wollte mehr als nur ein Zimmermädchen oder eine Haushaltshilfe sein. Ich sah für mich in Kärnten aber keine berufliche Zukunft", erzählt die Auslandslavanttalerin. So kam es, dass sie eines Tages ihre Schwester in Deutschland besucht hat, nicht ahnend, dass dieses Land einmal zu ihrer neuen Heimat werden würde. Als sie die Heimreise ins Lavanttal antreten wollte, fehlte ihr jedoch das Geld. So verweilte sie in Deutschland und das Schicksal nahm seinen Lauf. Die gebürtige St. Andräerin bekam eine Anstellung als Kindermädchen bei einem Pädagogen-Ehepaar in Deutschland.
Dialekt als große Hürde. "Ich wurde sehr freundlich aufgenommen und die Deutschen sahen mich als mutiges Bauernmädchen, das sich etwas zutraut", berichtet die Auslandslavanttalerin. Nach der Überwindung kleinerer Sprachprobleme, die auf den früher noch einschlägigeren Lavanttaler Dialekt zurückzuführen waren, entschied sie sich, endgültig in Deutschland zu bleiben. Später heiratete die gebürtige St. Andräerin, brachte zwei Kinder zur Welt und baute gemeinsam mit ihrem Mann ein Haus in Keldenich. Neben den Kindern meisterte die Auswanderin dann die Abendschule, den Hauptschulabschluss, die mittlere Reife und die Erzieherinnen-Schule. "Alles neben meinem Dasein als Hausfrau und Mutter", so die 54-Jährige. Die Freude an der Aktivität und an Weiterbildung brachten sie auch dazu, Turngruppen-Leiterin zu werden.
Fachkraft mit Zertifikat. Im Oktober dieses Jahres erhielt sie als erste gebürtige Österreicherin das "IHVO-Zertifikat" als Fachkraft für die Hochbegabtenförderung in der Tageseinrichtung für Kinder. "Ich konnte mich in Deutschland verwirklichen. Mir gefällt hier alles, mein Zuhause, die netten Leute und auch meine karnevalistischen Auftritte. Ich bin sehr glücklich und dem lieben Gott auch dankbar für meinen Lebensweg", so Hildegard Freitag. Ob Sie irgendwann einmal ins Lavanttal zurückkehren möchte? "Jein. In den letzten 30 Jahren haben wir Kärnten mindestens ein bis zwei Mal im Jahr besucht. Wenn ich im Internet Nachrichten aus dem Tal lese und die Bilder sehe, möchte ich aber schon gerne ins Lavanttal ,gebeamt' werden."
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Hildegard FreitagFoto © KK/Privat
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Nahe des Kölner Doms wurde Hildegard Freitag, Mutter zweier Kinder, sesshaftFoto © APA
Auslandslavanttaler
Grenzenlos: In unserer Serie stellen wir Menschen aus dem Bezirk vor, die sich in der Ferne ein neues Leben aufgebaut haben.
Porträt Heute besuchen wir Hildegard Freitag, die seit Ende 1973 in Deutschland lebt.
Vorschläge: Kennen Sie einen Auslandslavanttaler? Mail an wolfsberg@kleinezeitung.at.













