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Zuletzt aktualisiert: 09.10.2012 um 21:56 UhrKommentare

Echte Kärntner aus aller Welt

Sie kommen aus Südafrika, Litauen und dem Iran, um in Kärnten zu leben: Lauter echte Kärntner, die hier ihre Heimat gefunden haben.

Irena, Christopher, Loreta (oben von links), Erika, Manoutcher, Sunday (unten von links)

Foto © Christian Brandstätter (2), Karlheinz Fessl (4)Irena, Christopher, Loreta (oben von links), Erika, Manoutcher, Sunday (unten von links)

Harald Dobernig, Politiker aus Möderndorf in der Gemeinde Maria Saal, ist ein echter Kärntner - auch, weil sein Name im Slowenischen wurzelt. Slawische und bajuwarische Einflüsse prägen dieses Land seit Jahrhunderten.

Zwei Sprachen sind ein Schatz, der längst als Bereicherung erkannt wurde - von vielen, wenngleich nicht allen. Wie es zum gemeinsamen Kärnten kam, erläutert die bekannte Historikerin Claudia Fräss-Ehrfeld in ihrem Beitrag: Zwischen echten und unechten Kärntnern zu unterscheiden, ist jedenfalls hanebüchen.

Im mehrfach preisgekrönten Projekt "Colours of Carinthia" porträtieren die Fotografen Karlheinz Fessl und Christian Brandstätter in Kärnten lebende Menschen ausländischer Herkunft: Sechs Lebensläufe echter Kärntner, stellvertretend für die vielen, die hier daheim sind, stellen wir vor. Ob die Südafrikanerin mit Kärntner Wurzeln oder der autoreparierende Brite: Sie alle haben in Kärnten ihre Existenz aufgebaut und bereichern unser Land.

Die Ausstellung "Colours of Carinthia" ist ab Donnerstag im Ethnografischen Museum in Laibach zu sehen; ab 27. November stellen die beiden "Idealisten" (Selbstbezeichnung) im Europäischen Parlament in Brüssel die Vielgesichtigkeit Kärntens aus.

Leistungssportlerin Irena aus Tschechien

Die ehemalige Leistungsschwimmerin meint: Heimat finden wir überall da, wo Menschen sind, denen wir vertrauen können und die uns vertrauen. 1989 kam sie mit einem Touristenvisum nach Österreich, wenige Monate, bevor der Eiserne Vorhang fiel. Eigentlich wollte sie mit ihrem damaligen Freund und einem befreundeten Pärchen nach Australien auswandern und kam ins Flüchtlingslager Traiskirchen. Es war schrecklich, erinnert sie sich. Sie fand sich plötzlich getrennt von ihrem Freund in einem Zimmer mit 50 Leuten wieder. Dann wurde sie in eine kleine Pension am Waldrand übersiedelt, nahe der tschechischen Grenze. Als der Eiserne Vorhang fiel, wollte man sie wieder nach Tschechien zurückschicken. Die ganzen behördlichen Prozeduren erlebte sie als so unwürdig und kompliziert, dass sie sich entschloss, doch nicht nach Australien auszuwandern, sondern lieber gleich in Österreich zu bleiben. Damals sprach sie noch nicht gut Deutsch. Mittlerweile hat die ehemalige Spitzensportlerin längst ihr Studium der Betriebswirtschaft erfolgreich abgeschlossen und ist seit vielen Jahren in Kärnten erwerbstätig.

Christopher, der Brite

Was genau Heimat ist, weiß der Automechaniker mit dem bewegten Leben nicht. Geboren in Curaçao, der Vater Schotte und die Mutter Holländerin, besitzt der in England geadelte "Sir Christopher" den britischen und den holländischen Pass. Nach Lebensstationen in Holland, Venezuela, Deutschland und Liechtenstein kam der "Land Rover"-Liebhaber, der beim Militär seine Ausbildung zum Kfz-Spezialisten machte, 1984 erstmals nach Österreich. Was ihn nervt: Bürokratie, aber auch Ausländer, die sich nicht integrieren wollen.

An Kärnten liebt er das Wetter und die Nähe zum Meer, wo er sein Boot hat. Seine Sehnsucht: Einmal wieder auf Curaçao sein.

Loreta aus Litauen

Seit 20 Jahren lebt Loreta bereits in Österreich. "Heimat" ist für sie dort, wo sie sich wohlfühlt, wächst und sich weiterentwickelt. Ihr Start hier war nicht leicht - ihr Kind war sechs Monate alt, sie hatte ein BWL-Studium begonnen, die Gesellschaft hier war wenig offen: Eine Frau gehörte in die Küche. Das hat sich inzwischen geändert. Die Politisierung des Landes gefällt ihr nicht, sie wünscht sich auch mehr intellektuelles und kulturelles Leben. Genießen kann sie die Kulinarik und das mediterran beeinflusste Lebensgefühl in Kärnten. Ansonsten setzt sie auf die Jugend und hofft hier auf eine "Openminded Generation".

Erika aus Südafrika

Wenn die Mutter Deutsche ist und der Vater Kärntner, die ganze Familie aber in Johannesburg, Südafrika lebt, dann konnte es in ihrer Kindheit schon vorkommen, dass Erika und ihre beiden Schwestern - gebürtige Südafrikanerinnen - in Dirndlkleid und Lederhosen durch den afrikanischen Busch liefen und dabei dreistimmige Kärntnerlieder sangen.

Mit 21 verließ Erika ihr geliebtes Südafrika, um in Klagenfurt ihr Studium zu beginnen. Sie verliebte sich in ihre neue "alte" Heimat: Berge, Seen, Kultur, die herzlichen Menschen und die Kasnudeln! Es stimmt schon, findet sie: Kärnten is lei ans!

Manoutcher, Iran

Er ist Angehöriger der Bahai-Religion, die Elemente aus Christentum, Judentum und Islam verbindet. Einigkeit ist seiner Ansicht nach auch für Europa wichtig - eigentlich für die ganze Welt: Die Erde wünscht er sich als ein Land und alle Menschen als seine Bürger. Europa habe schon viel erreicht. Früher hieß es, Deutschland und Frankreich würden sich nie einig werden. Vor fünfzehn Jahren hätte jeder gesagt, eine Währung wie der Euro sei unmöglich. All das ist mittlerweile überwunden. Heute heißt es, die Türkei könne nie in Europa aufgenommen werden. Wer weiß?

Sunday aus Nigeria

In Lagos, der Hauptstadt von Nigeria, war der Buchhalter gut verdienender Schalterbeamter in einer Bank. Er begann zu studieren - aber an den Universitäten herrschte Chaos, es gab monatelang keine Vorlesungen. Verbrecherbanden machten ihm wie vielen Nigerianern das Leben schwer. Hier in Kärnten begann er seine neue Existenz als Zeitungszusteller und hielt sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser. Den Wifi-Buchhalterkurs fand er aufgrund des verlangten "Buchhalter-Deutsch" schwierig. Was ihn interessiert: Solarenergie. In diesem Bereich würde er gerne arbeiten. Heimat ist für ihn, wo Herz und Liebe sind.

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