Mörderischer Blick auf zwei Täler
Mörder, Betrüger und Schatzräuber - das Verbrechen geht um im Jauntal und im Vellachtal. Allerdings nur in Romanen, denn der Bezirk Völkermarkt wird bei (Krimi-) Autoren immer beliebter. Ein Grund dafür ist der Ortstafelstreit.

Foto © RainerWie in alten Edgar-Wallace-Filmen, nur in Farbe: Das Jauntal verschwindet im Nebel - und darunter versteckt sich auch der eine oder andere Verbrecher
Worüber die aktuelle Kriminalstatistik der Polizei verschämt schweigt: Mörder treiben im Bezirk ihr Unwesen! Und auch der eine oder andere Kommissar und Hobbydetektiv. Aber keine Angst, die Rede ist nicht von real existierenden Verbrechern, sondern von (Krimi-) Autoren und ihren Erfindungen.
Der Bezirk, genauer: dessen zweisprachiger Teil, wird nämlich von Autoren mit einem Hang zu kriminellen Verwicklungen immer öfter zum Handlungsort gewählt - und es ist nicht abwegig, die ungelöste Ortstafelfrage dafür verantwortlich zu machen. Dabei geht es natürlich nicht darum, dass es für die Autoren nur eine Erklärung für den langwierigen Aufschub der Ortstafelfrage geben kann: Da muss das Verbrechen seine Finger im Spiel haben! Sondern um den aufklärerischen Ansatz der Kriminalliteratur: Gesellschaftliche und politische Mysterien werden analysiert.
Ein schönes Beispiel dafür findet sich in "Chefinspektor Meissner und der Kranmörder" (Hermagoras, 26 Euro) des aus Traundorf stammenden und heute in Wien lebenden Ferdinand Skuk. Sein Wiener Chefinspektor, der davon überzeugt ist, dass seine Frau ermordet wurde und deshalb in den Zwangsurlaub geschickt wird, besucht das Jauntal. Dort, im Bergdörfchen Kolonitz unweit der Petzen, begegnet er den Spannungen zwischen den Volksgruppen, dem Massaker am Permanhof, Ortstafeln, Gebietsansprüchen und Bedrohungen. Und der Wiener darf - scheinbar naiv - feststellen: "Welche Bedrohung bitte? Slowenien ist doch bei der EU."
Weniger genau in die Bezirks-anatomie tauchen zwei andere Romane ein: Aber auch beim Klagenfurter Günter Schmidauer ("Trommelsteine", Wieser, 21 Euro) und bei Roland Zingerle und seinem Klagenfurter Kneipen-Krimi "Der überlistete Tod" (Heyn, 2,90 Euro) wird im Bezirk ermittelt. Bei Schmidauer geht es um eine verschwundene Dame, ein getötetes Familienoberhaupt und dessen Enkel Matteo, der versucht in Bad Eisenkappel Licht ins Dunkel der (Nazi-)Vergangenheit zu bringen. Der Autor nutzt Matteos Besuch zu bösen Schilderungen: "Spötter behaupten, dass Raben, wollen sie einen Abstecher nach Eisenkappel unternehmen, die Reise im Rückwärtsflug antreten, da der Ort zu klein zum Wenden ist."
Auch in Zingerles Kneipen-Krimi geht es nach Bad Eisenkappel und in die Vergangenheit. Zwar erzählt er eine echte Groschenromangeschichte zwischen Schatzsuche und Eifersuchtsdrama, aber er spricht doch indirekt eines der brennenden Probleme an: die Abwanderung aus dem - vor allem als bäuerlich dargestellten - Vellachtal.
Fortsetzung folgt
Und noch ein Autor hat Interesse am zweisprachigen Gebiet bekundet. Erwin Riess, der mit "Herr Groll und der rote Strom" (Otto Müller Verlag, 21 Euro) gerade den dritten Roman um einen Rollstuhl fahrenden Ermittler vorgelegt hat, kann sich, sagte er dem "Kurier", vorstellen, dass dieser sich "nach Unterkärnten begibt, um eine Verschwörung aufzudecken". Dabei könnte er "im Vorüberrollen auch die Ortstafelfrage" lösen. Auch Skuk hat schon konkrete Vorstellungen für die "Kranmörder"-Fortsetzung. Meissner soll diesmal im Burgenland ermitteln und wird "wohl herausfinden wollen, warum dort zweisprachige Ortstafeln kein Problem sind", sagt Skuk im Kleine Zeitung-Interview. Und auch das Jauntal wird er wieder besuchen: Dieses "wird er beim nächsten Mal hoffentlich bereits problemlos mit zweisprachigen Wegweisern bereisen können".








