Saualm: "Wir wissen nicht, warum wir hier sind"
28 Asylwerber leben zurzeit auf der Saualm. Laut Flüchtlingsbeauftragten wurden sie "auffällig". Aber einige landeten direkt von Anhaltezentren auf der Saualm. Sie befürchten Nachteile.

Foto © KLZ/Helmuth Weichselbraun
Mit einem Protestmarsch auf die Saualm will die Facebook-Gemeinde, Pfarrgemeinderat Heinrich Tritthart und Pfarrer Johann Nepomuk Wornik aus dem Lavanttal die Aufmerksamkeit auf die "menschenverachtenden Verhältnisse" im Heim für straffällige Asylwerber auf 1200 Meter Seehöhe machen. "Ich habe nichts getan. Ich weiß bis heute nicht, warum ich von Traiskirchen auf die Saualm gebracht wurde", sagt Halim*, der auf der Saualm lebt und Angst hat, deshalb von der Gesellschaft verachtet zu werden. Der 28-jährige Medizin-Student flüchtete vor der Hamas aus Palästina.
"Jeder, der dort oben ist, hat etwas getan", sagt Gernot Steiner, Flüchtlingsbeauftragter des Landes. "Die einen waren gewalttätig - gegenüber ihrer Familie oder anderen Personen. Oder sie haben etwas gestohlen. Manche haben auch eine Wegweisung von anderen Kärntner Asylheimen." Halim aber nicht. Er wurde direkt vom Anhaltezentrum auf die Alm gebracht. "In solchen Fällen wird wohl etwas in Traiskirchen vorgefallen sein", sagt Steiner. Aber was, wisse er nicht.
Auch Issam* erzählt in gebrochenem Deutsch und gutem Englisch, dass er direkt vom Anhaltezentrum auf die Alm kam. "Keine Ahnung, warum", sagt der 26-Jährige, der in seiner Heimat eine Ausbildung zum Radiologen machte. "Die Information ist hier sehr schlecht." Doch am meisten störe ihn, dass der Weg von der Saualm nach Griffen zu Fuß mehrere Stunden dauere und er sich isoliert fühle. "Ich möchte mich integrieren, mein Deutsch verbessern." Auch Halim möchte das. Dass es auf der Saualm hygienische Mängel und verschimmeltes Essen gebe, bestätigen die beiden nicht: "Wir sind seit vier Monaten hier und zufrieden."
Doch Protokolle von Asylwerbern, die vor einem Jahr dort lebten, berichten anderes: "Es wurde oft abgelaufene Ware verkocht", sagte ein Afghane (siehe Bericht rechts). "Auch Schweinefleisch. Wenn das einer nicht wollte, meinte die Heimbetreiberin: ,Wenn du kein Schweinefleisch isst, dann geh raus, geh zurück in dein Land. Sie hat vielen Angst gemacht."
Die 79-Jährige lässt sich offenbar nicht gerne in die Karten blicken. "Ich lasse niemanden mehr hinein. Ich will Ruhe", sagt sie und scheucht jeden - Pfarrer, Menschenrechtler und Journalisten, wie jene von der Kleinen Zeitung - mit Wegweisung und Betretungsverbot vom Grund. "Alles, was in den Medien steht, ist falsch", sagt sie erbost. Doch dem schlechten Bild, das über die Jahre gewachsen ist, möchte sie auch nicht durch eine offensive Informationspolitik entgegenwirken.
Selbst einer der Sicherheitsmänner versteht die Abwehrhaltung nicht: "Ich habe ihr oft gesagt, sie solle nach den negativen Berichten das Heim herzeigen, um die Vorwürfe zu entkräften." * Namen von Redaktion geändert.










