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Zuletzt aktualisiert: 17.12.2011 um 20:18 UhrKommentare

ÖBB will Bahnlinie nach Prevalje ganz einstellen

Sanierung der Anlagen zwischen Bleiburg und Prevalje wäre zu teuer, heißt es. Land verhandelt mit Slowenien und Betreibern über Erhaltung der alten Fernverkehrsstrecke von Budapest nach Innichen.

Ende vergangener Woche wurde auf der Bahnlinie Bleiburg-Prevalje bereits der Güterverkehr eingestellt. Geht es nach der Zielnetzstrategie der ÖBB, soll auch der Personenverkehr in absehbarer Zeit eingestellt werden. Denn die Strecke müsste total erneuert werden - vom Unterbau bis zu Gleisanlagen und Signaltechnik, was für die rund fünf Kilometer auf österreichischer Seite einen zweistelligen Millionenbetrag ausmachen würde.

ÖBB-Pressesprecher Christoph Posch: "Wir sehen uns außerstande zu investieren, weil das in keiner Relation zum Verkehrsaufkommen steht." Er bestätigt Gespräche zwischen den Ländern und Bahnbetreibern darüber, ob es Zukunftsperspektiven gebe - "und wenn ja, wie diese aussehen könnten".

Derzeit verkehren zwischen Montag und Freitag täglich zwei Personenzüge in beide Richtungen. Im Winter sind es etwa 40 Fahrgäste pro Woche, in der warmen Jahreszeit - bedingt durch Fahrradtouristen auf dem Drauradweg nach Marburg - etwa doppelt so viele.

Fernverkehrsnetz

Das Land Kärnten will in dieser Frage allerdings nicht klein begeben: Die Abteilung 7, Wirtschaftsrecht und Infrastruktur, hat eine österreichisch-slowenische Kommission auf Beamtenebene mit Vertretern der Landesregierung, Infrastrukturministerium sowie den Eisenbahnbetreibern beider Staaten eingerichtet. Abteilungsleiter Albert Kreiner: "Wir bemühen uns darum, die Strecke Bleiburg-Prevalje, die seit 1863 Teil des Fernverkehrsnetzes zwischen Bu-dapest und Paris ist, zu erhalten." Bis Ende Jänner, Anfang Februar 2012 will man einen Verkehrsplaner damit beauftragen, die räumliche und touristische Entwicklung sowie die gemeinschaftlichen wirtschaftlichen Grundlagen zu untersuchen. "Dabei wird auch der Fahrradtourismus ein Thema sein", kündigt Kreiner an.

Dass diese Verbindung eine Fernverkehrsstrecke ist, steht außer Streit. Der Bau der Drautalbahn ab Marburg als Ost-West-Verbindung zwischen der alten Südbahn und der Pustertalbahn wurde 1857 genehmigt, 1859 in Bleiburg mit dem Bau begonnen. Sie war nach der Eröffnung 1864 die erste durchgehende Eisenbahnverbindung von Wien nach Klagenfurt, von wo in der Folge bis 1871 in weiteren Etappen die Lücke bis Innichen zur Pustertalbahn geschlossen wurde.

Korridorverkehr

Doch nach dem Ersten Weltkrieg verloren die vorübergehend privatisierten Staatsbahnen durch die neuen Grenzziehungen ihre historische Einheit und wurden aufgeteilt. So musste für die Lavanttalbahn, die in Dravograd zur Drautalbahn stieß, ein Korridorverkehr eingerichtet werden. Bis zur Eröffnung der Jauntalbahn von Bleiburg nach St. Paul (1964) fand der Personenverkehr zwischen Bleiburg und Lavamünd über Prevalje und Dravograd durch jugoslawisches Gebiet in verschlossenen Zügen statt. Die Strecke Bleiburg-Prevalje steht auch im Österreichischen Staatsvertrag. Das heißt, die Bahnlinie kann nicht einseitig aufgelassen werden.

Der Bahnhof Bleiburg war auch Übergabebahnhof und Zollamtsplatz. Der jetzige Fahrdienstleiter Valentin Tschernko erinnert sich noch an die Zeiten von Jugoslawien: "Der Zug nach Prevalje war immer gefüllt. Zwei Zöllner mussten täglich um die 50 Leute nach ihren Einkäufen bei Spar und Zadruga abfertigen."

HUBERT BUDAI

FAKTEN

Drautalbahn. Eisenbahnverbindung zwischen Marburg und Innichen (zwischen 1863 und 1871 etappenweise in Betrieb genommen). Sie verband die alte Südbahn (Anschluss Maribor) mit dem östlichen Teil der Pustertalbahn (Lienz bis Franzensfeste).

Fernverkehrsstrecke. Die Bahnstrecke von Marburg nach Klagenfurt (1863 eröffnet) war die erste durchgehende Eisenbahnverbindung von Wien. Der Streckenabschnitt Klagenfurt-Villach wurde 1864 eröffnet, St. Veit-Villach erst 1868.

Verordnung. Die Konzession zum Bau und Betrieb einer "Lokomotiveisenbahn" von "Marburg über Klagenfurt, Villach, Brunecken zur Einmündung in die Tiroler Bahn" wurde am 13.2.1857 erteilt.

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