Streit um OrtstafelnFlorian Lipuš legt aus Protest Ehrenbürgerschaft zurück

Gemeinde Sittersdorf hat gegen Aufstellung von zweisprachigen Ortsbezeichnungstafeln in Sielach gestimmt. Autor Florian Lipuš gibt deshalb Ehrenbürgerschaft zurück.

Florjan Lipuš legt aus Protest seine Ehrenbürgerschaft zurück © Sabine Hoffmann
 

"Ich will nicht Ehrenbürger einer Gemeinde sein, die vor der slowenischen Sprache und den Menschen, die sie sprechen, keine Hochachtung hat und es offensichtlich ist, dass Bürgermeister und Landtagsabgeordneter Jakob Strauß keine slowenische Aufschrifte wünscht.“ Mit dieser Stellungnahme meldete sich gestern Dichter und Schriftsteller Florjan Lipuš im Streit um zweisprachige Ortsbezeichnungstafeln in Sielach in der Gemeinde Sittersdorf zu Wort.

Rund zwei Drittel der Ortsbewohner von Sielach haben sich 2013 bei einer Befragung dafür ausgesprochen, zweisprachige Ortsbezeichnungstafeln aufzustellen. Es handelt sich dabei nicht um zweisprachige Ortstafeln, deren Errichtung ja gesetzlich geregelt ist, sondern um Schilder, die einzelne Orte in den Gemeinden benennen. Über deren Aufstellung entscheidet die jeweilige Kommune. In Sittersdorf ist diese Abstimmung negativ ausgegangen. Der Gemeinderat sprach sich im Dezember 2017 mit 14 zu fünf Stimmen gegen die geforderten Ortsbezeichnungstafeln aus.

Franz Kukovica bei der Aufstellung einer zweisprachigen Ortsbezeichnungstafel Foto © KK/Privat

„Meine Familie lebt seit über 30 Jahren in der Gemeinde Sittersdorf/Žitara vas. Die Ehrenbürgerschaft wurde mir vor 20 Jahren verliehen. Wofür eigentlich? Um die geistige Verarmung einer Gemeinde und die Unempfänglichkeit für Kultur zu übertünchen? Ich gebe die Ehrenbürgerschaft zurück“, so Lipuš. Die Entscheidung des Gemeinderates gegen die zweisprachigen Bezeichnungen bezeichnet er als überheblich und ignorant, „in einer Zeit, in der man Aufgeschlossenheit voraussetzen könnte!“

Franz Kukovica, ehemaliger Direktor der Volksschule Sittersdorf, kämpft seit fünf Jahren für die zweisprachigen Tafeln. Im heurigen Jänner kam es zu einer Protestaktion. Die deutschsprachigen Tafeln wurden beklebt, in der Vorwoche ging man noch weiter und stellte das fünfte zweisprachige Schild „in Eigenregie“ auf Privatgrund auf. Darauf ist sowohl die deutsche Bezeichnung Sielach, als auch die slowenische Kennzeichnung Sele zu lesen. „Sprache ist Kulturgut. Diese Tafel soll auf die Notwendigkeit der Gleichberechtigung zweier Sprachen hinweisen, die slowenische und deutsche Sprache in Kärnten“, so Kukovica.

Bürgermeister Strauß war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Kommentare (2)

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erhardvallant
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Florjan Lipuš hat in allen Punkten Recht

Die sogenannte Ortstafellösung 2011 sollte den Gemeinden die Möglichkeit geben, weitere zweisprachige Ortschaften
aufzustellen. Sie war eine der zentralen Argumente für die Zustimmung der Volksgruppe. Eine völlig neue politische Rhetorik sprach von "Zusammenwachsen, Wertschätzung, Bereicherung und Sichtbarmachung der Zweisprachigkeit". Die bittere Realität ist heute, dass bisher nur eine einzige Gemeinde, nämlich St.Jakob im Rosental/ Šentjakob v Rožu davon Gebrauch gemacht hat. Die Gemeindevertretung Sittersdorf hat in beschämender Weise vorgeführt, wie man solche Anträge ins Leere laufen lässt ("Wir wollen keine neue Debatte!"). Es ist mehr als geistige Verarmung im Jahre 2018 in dem sich Kärnten als weltoffenes Land mit Aufbruchstimmung präsentieren möchte. Dass der Bürgermeister dieser Gemeinde zum Landtagsvizepräsidenten aufgestiegen ist. klingt wie ein schlechter Witz.

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wjs13
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ES gibt exakte, mit den Slowenen abgestimmte Richtlinien

für die Aufstellung zweisprachiger Ortstafeln. Daran hat sich auch Hr. Lipus zu halten.
Wenn eine Mehrheit gegen die Aufstellung dieser "freiwilligen" Ortstafeln ist, so ist das zu respektieren.

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