Der Schmerz fährt immer mit
Schneller als erhofft ist Rainer Schönfelder wieder fit: Beim Klassiker in Adel- boden ist der Kärntner wieder am Start.

Foto © GEPARainer Schönfelder hat sich von seinem Sturz wieder erholt
Spitzensport bedeutet oft Schmerz. Und Schmerzen hat Rainer Schönfelder in den vergangenen eineinhalb Jahren zur Genüge gehabt. Auf die Frage, wann er denn überhaupt das letzte Mal schmerzfrei seinem Sport nachgegangen ist, überlegt der Kärntner lange. "Das muss wohl so eineinhalb Jahre her sein", sagt er dann, um gleich hinzuzufügen: "Aber das ist ja eigentlich nicht das große Problem. Denn an einen Schmerz gewöhnt man sich."
100 Prozent. Das große Problem sei viel mehr die Folge eines Schmerzes: "Wenn es auf der einen Seite anfängt, weh zu tun, dann folgt die andere Seite kurz darauf. Das ist ein wenig anstrengend. Denn mein Körper ist die Basis - und da fühlt man sich dann ein wenig wie ein Taxi-Fahrer, dessen Kiste einfach nicht mehr fahren will. Es ist kein gutes Gefühl, nicht mit 100 Prozent am Start zu stehen, aber ich kann damit leben", sagt Schönfelder. Die Schmerzen nach seinem kapitalen Sturz bei seinem Heimrennen in Bad Kleinkirchheim, sein erster Weltcup-Einsatz auf Kärntner Schnee, waren besonders groß.
Unsanfte Bekanntschaft. Der linke Oberarmkopf war angebrochen, ein Band in Mitleidenschaft gezogen, dazu sorgten Prellungen im Thorax-, Rippen und Beckenbereich für ständige Erinnerung an die unsanfte Bekanntschaft mit der pickelharten Piste. "Ich bin draufgekommen, dass der Schmerz aber sehr damit zusammenhängt, wie ich in der Nacht liege", sagt der 30-Jährige mit einem gequälten Lächeln. Und trotzdem: Sein Weihnachtswunsch, besonders schnell wieder auf Schi stehen zu können, ging in Erfüllung. Schon am 24. Dezember wagte er sich in seiner Heimat auf der Petzen wieder auf Schnee. "Das war aber gar nicht lustig, ich habe es schnell abgebrochen - und habe dann nach und nach Hilfsmittel verwendet: Ein Gurt um die Schulter, ein Gurt um die Rippen, ein Tape um den Oberarm. Bis es halt gegangen ist."
Zum Kochen gebracht. Es ging - und zwar immer besser. So gut, dass sich Schönfelder nach einem Abschluss-Training gestern in Kühtai in Tirol endgültig zu einem Start in Adelboden entschloss. Dort, wo er 2004 einen Sieg im Slalom feierte und die 15.000 im beeindruckenden Zielstadion dann mit der ersten Strophe von "Heidi" zum Kochen brachte. "Ich habe in der Schweiz viele Fans, die mögen das", freut sich Schönfelder auf den ersten Jänner-Klassiker, "der beste Zeitpunkt, um einzusteigen." Zuvor hat er das seltene Vergnügen einer "arbeitsfreien" Adventszeit genossen, "da habe ich die Energie aufgesogen wie ein Schwamm, der fünf Jahre keine Flüssigkeit gesehen hat." Genug Energie, um in Adelboden vielleicht wider erwarten doch über sich hinauszuwachsen - und gegebenenfalls wieder zum Mikrofon zu greifen.











