Trafikanten: "Politik liefert uns ans Messer"
Heimische Trafikanten fürchten um ihre Existenz. Deshalb demonstrieren sie Sonntag in Lavamünd gegen Billigimport aus Slowenien. Ein Lokalaugenschein in der Trafik zeigt, im September kamen 1600 Kunden weniger.

Foto © KoscherAuch die Annabichler Trafikantin Karin Maiwald klagt: "Sogar die Stammkunden bleiben weg"
Na bumm, da ist ein Betrieb im Laden. Ein Kommen und Gehen, es wuselt nur so. Und da soll es den Trafikanten schlecht gehen? Erstaunt stellt die nicht rauchende Besucherin diese Frage. "Heute ist doch Mittwoch. Und Doppeljackpot noch dazu", erklärt die Trafikantin erstaunt über soviel Unbedarftheit. Tatsächlich.
Demonstration
Umsatzeinbußen. Die zwei Malergesellen im weißen Overall füllen beim Automaten die Lottoscheine aus. Der ältere Herr an der Budel macht es mit dem Stift. Und nimmt gleich Stellung zum Thema. "Dem Raucher ist es wurscht, wo er die Zigaretten kauft. Hauptsache, sie sind billiger". Genau das ist es Pudels Kern. Seit zwei Monaten hat Trafikantin Karin Malle am Kreuzbergl in Klagenfurt dreißig Prozent Umsatzeinbußen zu verzeichnen. Mitte Juli wurde die 25-Stück-Begrenzung für den Import aus Slowenien aufgehoben, seit August fürchten viele Trafikanten um ihre Existenz.
Joker. "Vier Tipps und drei Joker", bestellt der Sportsmann im rot-schwarzen Trainingsanzug. "Einen Dreier-Qicktipp und eine Schachtel Kim", sagt die Dame im Kostüm. Aha, es werden doch Zigaretten gekauft. "Ja schon, aber nur eine oder zwei Schachteln. Niemand kauft mehr eine Stange", sagt Karin Malle. "Die Stammkunden bleiben weg oder kaufen nur mehr selten und wenig ein". Der nächste Kunde gibt ihr Recht. "Eine Schachtel Pall Mall", möchte er. Warum er nur so wenig kauft? "Ich bin beim Aufhören", sagt er. Karin Malle lacht. "Das sagen sie alle. Schon seit zwei Monaten". Ob er denn wisse, wie viel die Stange Pall Mall in Slowenien koste? "Na klar, 20 Euro und hier kostet sie 32 Euro", kommt es wie aus der Pistole geschossen. Karin Malle nickt wissend.
Laufkundschaft. Früher habe sie viel mehr Laufkundschaft gehabt, Bankangestellte mit Arbeitsplatz in Klagenfurt und Wohnort in Bleiburg hätten zwischendurch eine Stange gekauft. Das sei jetzt vorbei. "Die Raucher bilden Fahrgemeinschaften, fahren einmal im Monat nach Slowenien und decken sich ein". Zugeben tut das allerdings keiner. Die Befragten haben "keine Zeit" oder kaufen angeblich prinzipiell in Österreich. "Ja, sie füllen ausländische Zigaretten in inländische Schachteln", mutmaßt Malle.
Features
Umsatzrückgänge
Umsatzrückgänge sind laut Wirtschaftskammer in allen Bundesländern zu verzeichnen, am meisten in Kärnten und der Steiermark, wo die 25-Stück-Regelung Mitte Juli 2007 gefallen ist.
Foto

Das Ehepaar Malle vor ihrer TrafikFoto © Koscher
Minus
Kärnten hat ein Durchschnittsminus von 33,37 Prozent, die Spitze liegt bei 65 Prozent. Nur Trafiken dürfen Tabakwaren zum regulären Preis verkaufen. Der Name kommt vom italienischen "traffico" für Handel.











