Getragen vom Geist Europas
Die "Teilzeit-Ruheständlerin" Barbara Coudenhove-Kalergi (75) bei der Sommertagung in Tainach.

Foto © APACoudenhov-Kalergi: " Für uns Nichtkärntner ist die Ortsrafelfrage schwer verständlich"
Sehr wache Augen blicken einem aus Barbara Coudenhove-Kalergis Gesicht entgegen, einem Gesicht, das Mediennutzern sehr vertraut ist. Die einst als "Rote Gräfin" bezeichnete Journalistin war im Bildungshaus Tainach als Impulsreferentin zu "Sprachgrenzen - Grenzen der Sprache" zu Gast.
Muttersprache. "Sprache ist für die persönliche und politische Identität wichtig, etwas, das man niemandem wegnehmen kann", sagte Coudenhove. Nur in der Muttersprache sei es möglich, zu sagen, "wie es einem ums Herz ist". Und setzte kritische Seitenhiebe auf die Situation der Kärntner Slowenen. Allerdings hätte sich die Referentin "für die Diskussion auch Kärntner Slowenen gewünscht". Ihre Zuhörer sind die Teilnehmer an der Sommertagung des Katholischen Akademikerverbandes, darunter einige Gäste aus Osteuropa, aber kaum "Hiesige".
Falsche Fremdenpolitik. "Für uns Nichtkärntner in Österreich ist die Ortstafelfrage schwer verständlich", bekannte Coudenhove. Die Österreicher scheinen den Umstand, "kein Einwanderungsland zu sein, wie eine Staatsdoktrin" zu hegen. Was aber an der Realität vorbeigeht. Durch die aktuelle Fremdenpolitik könnten auch Hochbegabte und dringend benötigte Techniker nicht herein, "die wählen dann England oder die USA, wo auch die Frauen eine Arbeitserlaubnis erhalten".
Wurzel-Behandlung. "Österreich hat als Vielvölkerstaat eine lange Tradition", verwies die Referentin auch auf ihre eigenen tschechischen Wurzeln. Jener großen Zuwanderungswelle der Jahrhundertwende zum 20. verdanke das heutige Wien eine Bevölkerung, in der jeder dritte tschechische Wurzeln habe. Immerhin stammen die Familien von drei von sieben Bundespräsidenten (Jonas, Waldheim, Klestil) aus dem benachbarten Osten.
Hoffnung.Der Vortrag von Coudenhove-Kalergi war gespickt von einer Art Schnellsiedekurs in politischer Bildung, der ihre Zuhörer über Begriffe wie Assimilation und Autonomie aufklärte. Hoffnung brächten "die Jungen, die nach der Geschichte fragen und entspannt ein normal menschliches Verhältnis zur sich aus Mehr- und Minderheiten bildenden Gesellschaft aufbringen". "Dabei sind die Kärntner die schönsten Österreicher", fügte Coudenhove-Kalergi im persönlichen Gespräch schmunzelnd hinzu, die traurigen Kärntner Lieder gingen ihr fast zu sehr ans Herz.
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Tipp:
Fabjan Hafner "Worte wägen, nicht Wörter zählen". Sprache als Kunstform. Heute, 9 Uhr, Bildungshaus Tainach.











