Griffner fuhr Familien an den Abgrund
Die Mitarbeiter bangen um ausständige Löhne und ihre Jobs, Familien zittern ums Fertighaus. Ob eine Auffanglösung gelingt, ist offen. Gläubiger drohen mit Strafanzeigen. Von Adolf Winkler, Eva Gabriel und Christiane Canori.

Foto © Kleine Zeitung/Helmuth WeichselbraunNeuschnee über der Finanzruine
Auf dem Griffner-Gelände übertüncht der Neuschnee schemenhaft die Finanzruine neben der Südautobahn. Der Chef habe "keine Zeit", sei "nicht zu sprechen", lässt er ausrichten. Thomas Lenzinger, der höchsten Erklärungsbedarf hat gegenüber rund 150 Mitarbeitern mit ausständigem Lohn und rund 100 Fertighauskunden ohne Haus, ist vor der Öffentlichkeit abgetaucht. "Wir bitten ein paar Tage um Geduld", vertröstet an seiner Stelle Werner Beninger von der Wiener Agentur Milestone auf die Bemühungen des 30-Prozent-Eigentümers Günter Kerbler für eine Auffanglösung diese Woche.
"Wir wollen 2013 an die Börse gehen", hatte Lenzinger Ende 2011 in einem Interview mit dem "Kurier" noch Luftschlösser gebaut. Nun schweigt er und hinterlässt mit der 25-Millionen-Pleite von Griffner Haus einen finanziellen Trümmerhaufen. Und Familien, die um ihr Erspartes, ihr Haus, ihre Existenz bangen.
15.000 bis 30.000 Euro Anzahlung waren die Regel, rund zehn Prozent des Preises für ein Griffner Haus. "Es sind aber auch Kunden betroffen, die bis zu 100.000 Euro gezahlt haben", so Arno Ruckhofer vom Alpenländischen Kreditorenverband. "Im schlimmsten Fall, wenn die Firma den Bach hinunter geht, sehen sie vermutlich höchstens fünf bis zehn Prozent ihres Geldes", sind er und Heribert Lederwasch von Creditreform erschüttert. Auch für Barbara Wiesler vom Kreditschutzverband ist "alles offen".
Für die rund 150 Mitarbeiter und weitere 80 Saisonarbeiter sieht es schwarz aus: Löhne sind ausständig, beim Arbeitsmarktservice wurden sie Am Montag im Frühwarnsystem angemeldet. Einen Betriebsrat hatten sie nie.
Poker um Übernahme
Worauf können Häuselbauer und Mitarbeiter noch hoffen? "Es ist in jedem Fall geplant, das Unternehmen fortzuführen", beteuert Firmenanwalt Herbert Felsberger. Ob Masseverwalter Gerhard Brandl das schafft, konnte er Montag nicht sagen: "Drei Stunden lang habe ich Lenzinger befragt."
Günter Kerbler, ein großer Hecht am Wiener Immobilienmarkt, hatte nach dem Einstieg bei Griffner im Herbst 2012 den Sanierer Christian Bauer ins Management entsandt. Der sah bald, dass die Überschuldung nicht vier Millionen, sondern über 22 Millionen Euro betrug. Noch vor Weihnachten musste Finanzvorstand Markus Schreyögg gehen. Auch Lenzingers Tage bei Griffner sind gezählt. Kerblers Übernahmeplan macht nur Sinn, wenn er die Verträge mit den Fertighauskunden zu 100 Prozent übernimmt. Wer würde sonst in Zukunft je ein Griffner Haus kaufen wollen? Vor Weihnachten wurde das letzte Haus bestellt. "Man hat aber keine Anzahlungen für Bestellungen mehr genommen, seit sich die Bilanzkatastrophe abzeichnete", so Beninger.
Laut Lederwasch wollen "mehrere Gläubiger Strafanzeige erstatten". "Noch liegt keine vor", sagt am Montag Staatsanwalt Helmut Jamnig vom Landesgericht Klagenfurt. Für die Kreditschützer liegt Missmanagement vor. Während die Leute auf Lohn warteten, sanierte man die Büros. Über 100 Angestellte stehen nur rund 50 Arbeitern gegenüber. Privatkonkurse von Familien, von Gewerken werden folgen.
Landeshaftung verbrannt
Dabei begann die Griffner-Story vielversprechend: Adolf Jandl erfand das Bausystem. 1998 stieg Lenzinger als Finanzinvestor mit seinem "Go Equity"-Fonds ein. 2005 schied Jandl, nun umbenannt in Ari Griffner, aus. Lenzinger übernahm Mehrheit und Management, doch bei der Expansion (Irland, Deutschland, Italien), blieb man stecken, man setzte auf mehrstöckige Holzhäuser und wollte hoch hinaus an die Börse. Sogar von einer "Volksaktie" träumte Lenzinger im April 2011 öffentlich.
Jetzt ist Griffner pleite. Dabei hat die Hypo Alpe Adria 2010 vier Millionen Euro nachgelassen. Auch das Land hatte damals 520.000 Euro Haftung übernommen. Die Sanierungshilfe ist verbrannt.











