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    Zuletzt aktualisiert: 06.10.2012 um 20:12 UhrKommentare

    Bilder aus der Fülle der Existenz

    Harald Scheicher schrieb eine ungeschminkte Monografie über Leben und Werk seines Großvaters Werner Berg.

    Foto © kk

    Obwohl von geradezu plakativer Eindeutigkeit bleiben seine Bilder unergründlich und geheimnisvoll", schreibt Harald Scheicher in seiner beeindruckenden Monografie, die aber doch so manches Geheimnis rund um Werner Berg zu lüften vermag. Der Autor studierte gerade Medizin, als sein Großvater 1981 starb. "Zwei Tage vor seinem Tod" habe der 77-Jährige mit ihm über seine Absicht gesprochen, "aus dem Leben zu scheiden", schreibt Scheicher und fügt kommentarlos hinzu: "Am 7. September wurde Berg in seinem Atelier auf dem Rutarhof tot aufgefunden. Er wurde seinem Wunsch gemäß anonym bestattet. Erst später konnte die Familie in Erfahrung bringen, dass dies auf dem anonymen Gräberfeld des Salzburger Kommunalfriedhofes erfolgt war."

    Hartes Bauernleben

    Allein dieses Ende lässt die Verwerfungen und Brüche im Leben jenes Malers erahnen, der wie kein Zweiter die Vorstellungen vom ländlichen Südkärnten prägte: mit Bildern von archaischer Kraft, die unmittelbar korrespondierten mit einem frei gewählten Bauernleben, das Berg ab 1931 "hart, ernst und voll jugendlicher Unbedingtheit, jedoch ohne pseudoromantische Illusionen" nahe dem Klopeiner See zu führen versuchte. Hier fand der Bürgersohn aus dem deutschen Elberfeld seine Bestimmung als Künstler. Hier erlitt er auch persönliche Katastrophen, die Scheicher - Nachlassverwalter und Besitzer umfangreicher Briefwechsel - sensibel, aber letztlich ungeschminkt darlegt.

    Die meisten von ihnen resultierten aus dem schwierigen Naturell des promovierten Staatswissenschafters, unter dem nicht nur seine Frau "Mauki" und die fünf Kinder zu leiden hatten, sondern auch seine engsten Freunde. Viele wurden praktisch über Nacht zu Feinden, unter ihnen Emil Nolde, Herbert Boeckl oder Michael Guttenbrunner.

    "Es gibt konkrete Hinweise, dass Werner Bergs Gedanken für eine begrenzte Zeit von wahnhaften Verfolgungsvorstellungen geprägt sein konnten", schreibt der Autor, der heute Arzt in Völkermarkt ist. Oft habe Berg seine Anschuldigungen mit den Worten zurückgenommen: "Jetzt muss ich verrückt gewesen sein."

    Verrückt im wahrsten Sinn war auch seine Liebe zu Christine Lavant, über die noch nie so offen zu lesen war. 1950 hatte Berg die um elf Jahre jüngere Dichterin bei einer Künstlertagung in St. Veit an der Glan kennengelernt. Es folgte eine "schicksalhafte Liebesbeziehung", die laut Scheicher "geeignet war, Werner Bergs Familien- und Rutarhofleben zu zerstören". In dieser Zeit porträtierte der Maler seine Geliebte in sieben Ölbildern, fünf Holzschnitten und drei großformatigen Zeichnungen. Während ihn Lavant zum Verlassen seiner Familie aufforderte, träumte der "bäuerliche Patriarch" von einer offenen Liebesgemeinschaft, wie sie laut Scheicher im Bildmotiv der "Schlafenden Hühner" Ausdruck fand: "Ein prächtiger Hahn schläft friedlich zwischen zwei dunklen Hennen auf den kahlen Ästen eines winterlichen Holunderbaumes" (siehe Bild).

    Suizidversuch

    Nach "mehreren Trennungen und Wiedervereinigungen, die die seelische Belastbarkeit der beiden Liebenden und nicht zuletzt Mauki Bergs bis an die Grenzen des Irrseins beanspruchten", unternahm Berg im Jänner 1955 mit einer Überdosis Schlaftabletten einen Selbstmordversuch. Nach fünftägiger Bewusstlosigkeit fand der Künstler wieder mühevoll zurück ins Leben. Mit Lavant, die vier Jahre vor ihm starb und ihren Liebesverlust in zahllosen Gedichten verarbeitete, blieb er zeitlebens verbunden.

    Das Bild vom depressiven Künstler, der zwei Weltkriege miterlebte, wird von Scheicher aber auch relativiert: "Man würde Werner Berg verkennen, wenn man sich ihn als weltfremden Eigenbrötler vorstellte. Er war von wacher Intelligenz, humorvoll, vielfältig informiert und belesen und konnte im Gespräch von Geist sprühend sein jeweiliges Gegenüber meist sofort überzeugend für sich gewinnen."

    Eingehend gewürdigt wird aber auch Bergs kreativer Geist, der mit Edvard Munch "das bildhafte Aufspüren der den Dingen innewohnenden Tiefendimension" teilte, bereits 1932 "einzelne Intentionen der späteren Pop-Art Andy Warhols vorwegnahm" und junge Kollegen wie Arnulf Rainer, Maria Lassnig oder Paul Flora auf den Rutarhof pilgern ließ.

    Ortstafelsturm

    Während ein Warhol seine trivialen Motive der glitzernden Warenwelt entnahm, fand sie Berg in den Gasthäusern, Kirchen und Märkten rund um Bleiburg, wo dem eifrigen Wiesenmarkt-Besucher eine eigene Galerie gewidmet wurde. Der Gemeinderatsbeschluss wäre vermutlich nicht einstimmig erfolgt, hätte man damals schon gewusst, dass Berg 1973 gegen den Ortstafelsturm demonstrieren würde. 1975 unterstützte er sogar einen Wahlaufruf für die Slowenische Einheitsliste und erhielt dafür anonyme Schmähbriefe. 1936 war er noch der Auslandsorganisation der NSDAP beigetreten, erhielt aber nach dem Krieg eine "ausgesprochen antifaschistische Gesinnung" bescheinigt.

    "Meine Arbeit kommt von keinem Programm her, sondern muss aus der Fülle der Existenz getan werden", sagte Berg einmal über seine Kunst. Scheicher belegt dies nicht nur durch spannende biografische Details, sondern auch durch eine Fülle von Gemälden, Zeichnungen und Holzschnitten, die zum Teil noch nie zu gezeigt wurden. Allein schon deshalb ist der 420-seitige Bildband ein unverzichtbares Standardwerk für jeden Freund des schwierigen und gleichermaßen faszinierenden Künstlers.

    ERWIN HIRTENFELDER

    Zur Person

    Werner Berg, geb. 1904 in Elberfeld, gest. 1981 in St. Veit/Jauntal.

    Nach Promotion zum "Doctor rerum politicum" Studium der Malerei in Wien und München.

    Ließ sich 1931 auf dem Rutarhof nieder, einem rund 23 Hektar großen Anwesen in Südkärnten, das ihm und seiner Familie nur spärliche Einkünfte bescherte.

    1937 Beschlagnahmung von Bildern im Rahmen der Aktion "Entartete Kunst", 1942 bis 1945 Sanitätssoldat und Kriegsmaler, 1955 Psychischer Zusammenbruch und einjähriger Krankenhausaufenthalt.

    Das Buch "Werner Berg - Wirklichkeit im Bildhaften" von Harald Scheicher ist Hirmer-Verlag erschienen, 420 Seiten, Preis: 49,90 Euro.

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