Mafia-Mord: Opfer ist identifiziert
Ein Fingerabdruck brachte vier Jahre nach dem Verbrechen im Völkermarkter Stadtwald Klarheit: Eine 49-jährige Italienerin wurde durch vier Schüsse hingerichtet. Von Peter Kimeswenger und Hans Breitegger.

Foto © Gert EggenbergerIm Völkermarkter Stadtwald wurde das Verbrechen verübt
Sie war 49 Jahre alt, lebte in einer Kleinstadt in Oberitalien und starb in der Nacht zum 5. Oktober 2008 in Kärnten. Anna T. heißt jene Frau, deren nur mit Kniestrümpfen bekleidete Leiche am Nachmittag des 5. Oktobers von einem Mountainbiker wenige Meter neben einer Asphaltstraße im Völkermarkter Stadtwald gefunden wurde.
Die Frau war mit vier Pistolenschüssen aus nächster Nähe hingerichtet worden. Der oder die Mörder übergossen ihr Gesicht mit Benzin und zündeten die Leiche an. Starker Regen ließ die Flammen ersticken. Das Gesicht war zur Hälfte verbrannt.
"Der Auffindungsort ist nicht der Tatort", waren sich schon nach wenigen Tagen Kriminalisten des Völkermarkter Bezirkspolizeikommandos und Ermittler der Gruppe "Gewalt" im Landeskriminalamt sicher. Über zwei Jahre dauerte es, bis am Leichenfundort zurückgebliebene Autoteile einem Fahrzeug zugeordnet werden konnten. Es handelt sich um einen VW-Polo älteren Baujahres aus spanischer Produktion, der in Italien als gestohlen meldet war.
Mehrmals traten Kärntner Mordermittler in Italien, Deutschland und Österreich in TV-Sendungen, bei denen es um ungeklärte Kriminalfälle, auf. Die Rückmeldung: kein einziger Hinweis. Der Durchbruch zur Identitätsklärung gelang jetzt einem besonders hartnäckigen Mitarbeiter der Arbeitsgruppe "Frauenmorde", angesiedelt im Bundeskriminalamt in Wien. In Kooperation mit dem
Polizeiattaché an der österreichischen Botschaft stieß man auf Anna T. und auf Olha T., eine gebürtige Ukrainerin, die im Raum Venedig gelegt hatte. Die Leiche der damals 23-Jährigen wurde am 9. Jänner 2005 am Kreuz Pyhrnautobahn/Südautobahn in Pirka bei Graz im Bereich einer Brücke im Gestrüpp neben dem Pannenstreifen gefunden. Auch ihr Gesicht war fast zur Unkenntlichkeit verbrannt.
Jagd nach dem Mörder
Ob die beiden Morde zusammenhängen, ist unklar. Eine Spur führt in die Ukraine. Das Völkermarkter Mordopfer soll mit einem Berufskriminellen aus dem osteuropäischen Land befreundet gewesen sein. Im Bundeskriminalamt wartet man noch auf die Auswertung von DNA-Spuren. Die Jagd nach den Tätern hat aber längst begonnen. Derzeit wird das Umfeld der Opfer ganz genau ausgeleuchtet. Auch der Umstand, dass Anna T. vier Jahre lang in ihrer Heimat offensichtlich niemandem abgegangen ist.











