Arno Manner: "Neutralität ist eine heilige Kuh"
Arno Manner, gebürtiger Griffner, war einer der höchsten Militärs Österreichs. Jetzt kämpft er um den Erhalt der slowenischen Sprache und hält Distanz zum Abwehrkämpferbund, wo er 50 Jahre Mitglied war.

Foto © KLZ/Susanne HasslerArno Manner
Herr Manner, wie muss ich Sie als Ruheständler richtig ansprechen? Herr Generalleutnant, Herr Militärkommandant? Muss ich gar salutieren?
MANNER: (lacht). Hören'S auf! Sagen'S Herr Manner zu mir. Und wenn Sie schon salutieren, dann bitte mit der rechten Hand.
Wie wurde eigentlich ein Kärntner Militärkommandant in der Steiermark?
MANNER: Die Steirer sind großzügig, antworte ich darauf immer. Aber natürlich war das auch eine politische Entscheidung, eine Mehrheit in der Landesregierung (ÖVP und FPÖ) sprach sich für mich aus. Die letzte Entscheidung traf Werner Fasselabend.
Als Sie 1957 als Freiwilliger zum Heer kamen, musste man noch ernsthaft mit einem Krieg in Europa rechnen. Was bringt einen jungen Menschen dazu, in dieser Phase Soldat zu werden?
MANNER: Mein Vater war Offizier in beiden Kriegen und er war Abwehrkämpfer. Das prägte natürlich, denn der Abwehrkampf ist für mich stets Vorbild für das erfolgreiche Zusammenwirken von Militär, Diplomatie und Staatspolitik. Und natürlich war ich fasziniert vom Auftrag des Bundesheers - "Schützen und helfen". Außerdem: Denken Sie an die Chancen für uns verhinderte Mittelschüler. Ich war der Erste, der über den zweiten Bildungsweg die Generalstabslaufbahn einschlug, die Matura habe ich ja erst nach dem Wehrdienst an der Militärakademie nachgeholt.
Wie sehen Sie Österreichs militärische Rolle heute?
MANNER: Die Neutralität ist de facto eine heilige Kuh, die keine Milch gibt. 1955 haben wir uns durch das Heraushalten aus den beiden Machtblöcken die Freiheit sichern können, bei UN-Einsätzen hat uns die Neutralität Prestige gebracht, von dem wir noch heute zehren. Unsere Soldaten zeigten im Einsatz immer auch Mitgefühl mit der zivilen Bevölkerung. Heute ist der Verteidigungs- und Neutralitätsgedanke in der Friedenszone Europa in den Hintergrund geraten. Was bleibt ist die Katastrophenhilfe, Sicherungseinsätze gegen illegale Einwanderung und Terror-Bedrohungen.
Ist eine allgemeine Wehrpflicht im Angesicht dieser Entwicklung noch sinnvoll?
MANNER: Ja. Die Mischung aus Berufsoldaten und Milizsoldaten hat sich bestens bewährt.
Und ein reines Berufsheer mit ein paar Reservisten wäre doch auch eine Variante?
MANNER: Ohne den Grundwehrdienst würde die Schnupperzeit beim Heer fehlen. Und bei dem Arbeitskräftemangel, der für die kommenden drei Jahrzehnte angekündigt ist, würden die Freiwilligenmeldungen noch weiter zurückgehen - woher kämen die Soldaten? Die Leute hätten ja Jobchancen in der Wirtschaft. Und nur kurz zu den Reservisten: Welcher Betrieb würde drei Wochen Waffenübung im Jahr akzeptieren, damit der einzelne Reservist gut ausgebildet bleibt? Da sagt der Chef: Willst Soldat spielen oder arbeiten? Zudem würde ein Berufsheer einen Budgetanteil von einem Prozent benötigen, derzeit sind es 0,6 Prozent. Diese Aspekte vermisse ich im Darabos Vorschlag.
Seit Sie im Ruhestand und wieder in Kärnten sind, treten sie massiv für die Volksgruppe ein. Woher kommt dieses Engagement?
MANNER: Die schon sehr klein gewordene Volksgruppe siedelt seit über 1000 Jahren in Kärnten, sie ist für mich ein unverzichtbarer und schützenswerter Teil unserer Kärntner Identität. Die Förderung der Slowenischen Kultur und Sprache muss uns allen ein Anliegen sein, zweisprachige Ortstafeln sind ein Akt der Wertschätzung und geschichtlichen Dokumentation.
Wie haben Sie die slowenische Sprache in Ihrer Jugend wahrgenommen?
MANNER: Mein Kärntner Großvater war von 1903 bis 1922 als Oberforstrat in Bosnien tätig. Meine Mutter wuchs dort mit Deutsch und Serbokroatisch zweisprachig auf. Als ich dann mit meinem Zwillingsbruder Udo in Griffen zur Schule ging, war sie sehr dahinter, dass wir Slowenisch lernen. Auch mein Vater, der Abwehrkämpfer, bestand darauf. In der Maturaschule erleichterte mir mein Schulslowenisch den Zugang zur russischen Sprache enorm. Außerdem war Slowenisch damals allgegenwärtig. Am Mittwochsmarkt in Griffen sprachen alle Slowenisch oder Windisch. Als ich dann 40 Jahre später aus der Steiermark wieder heimkehrte, dachte ich, nicht richtig zu hören: Noch immer wurde über die Ortstafeln gestritten.
Das hat Sie verwundert?
MANNER: 1920 lautete der Aufruf des damaligen Heimatdienstes: "Friede, Versöhnung, Verständigung." Herrn Schretter (Obmann des Abwehrkämpferbundes, Anm.) hat dieses Vermächtnis vom Tisch gefegt und betrachtet noch heute die Ortstafellösung als Landesverrat. Ich wollte die urängstlichen Unterstellungen des Abwehrkämpferbundes nicht mitmachen und trat nach 50-jähriger Mitgliedschaft aus. Seit 2005 unterstütze ich den Heimatdienst (KHD) bei seinen Aktivitäten.
Was macht der KHD Ihrer Meinung nach richtig?
MANNER: der KHD war lange das Feindbild der Slowenen, aber in den letzten Jahren hat ein Umdenkprozess stattgefunden. Man engagiert sich in der Konsensgruppe, war Eisbrecher für die Ortstafellösung. Auf diesen Lösungsvorschlägen bauten seit 2005 alle politischen Aktivitäten auf, auch jene von Herrn Landeshauptmann Dörfler.
Ortstafeln sind ja nett, aber was kommt dann?
MANNER: Sie haben Recht, wir haben noch viele Aversionen abzubauen. Kirche, Kultur, Sport, Wirtschaft, das alles gehört zum Miteinander. Ein Lichtblick ist vor allem die Bewegung "Unser Land", die den Chorgesang und die Musik gemeinsam mit der Volksgruppe pflegen will. Aber meine Hoffnungen setze ich in die Jugend. Die geht offen auf einander zu. Und in der Politik ist ein Schlussstrich nicht möglich, da gibt es immer neue Entwicklungen und Bedürfnisse.
Eine Frage muss ich noch zu Ihrem Nachnamen stellen . . .
MANNER: Ob ich mit dem Schnitten-Manner verwandt bin? Nein, bin ich nicht. Er entstammt dem adeligen Manner-Zweig in Böhmen, meine Vorfahren waren immer Beamte. Aber als ich Militärkommandant wurde, schrieben die Zeitungen tagtäglich Sprüche wie "Den Manner mag man eben". Da rief mich der Herr Manner, der Chef der Schnitten-Fabrik, der mittlerweile über 80 ist, an und bedankte sich für die unentgeltliche Werbung. Ich antwortete: Danke, aber noch lieber wär, Sie hätten mir in der Jugend ein paar Schnitten geschickt!
Features
Zur Person
Arno Manner wurde am 26. Oktober 1939 geboren. Er hat einen Zwillingsbruder - Udo -, eine Schwester verstarb bereits. Gemeinsam mit Ehefrau Elfriede zog er zwei Kinder groß.
Von 1992 bis zum Juli 2000 war er Militärkommandant der Steiermark, dann übergab er sein Amt an Heinrich Winkelmayer.
Er lebt seit zwölf Jahren wieder in Völkermarkt.










