Vermächtnis wurde zum Volksbrauch
Diesen Sonntag wird mit dem Striezelwerfen in Stein im Jauntal einer der ältesten Volksbräuche in Kärnten gepflogen. Hunderte wollen ein "Glücksbrot".
Wenn diesen Sonntag wieder zwischen 1500 und 2000 Besucher aus ganz Kärnten nach Stein im Jauntal aufbrechen, ist ihr Ziel einer der ältesten Volksbräuche des Landes, das Striezelwerfen. Dieser im Mittelalter wurzelnde Brauch geht auf die Armenstiftung der seligen Hildegard von Stein zurück, die als Gemahlin des bayrischen Pfalzgrafen Albuin im Jauntal wohltätig gewirkt hat. So soll sie ein Hospiz unter der Kirche Stein gestiftet haben, das Bettlern und Bedürftigen Obhut gewesen war.
Stein und Brixen
Bereits vor dem Jahr 975 wird das Gut Stein urkundlich erwähnt. Hildegard von Stein soll um 985 gestorben sein und hat ihre Besitzungen ihrem Sohn Albuin, der von circa 975 bis 1006 zum Bischof von Brixen wurde, übergeben. Und die Verbindung zum Südtiroler Bischofssitz im Eisacktal, 45 Kilometer südlich des Brennerpasses, wird noch heute gepflogen.
St. Kanzians Pfarrer Friedrich Isop hat für nächstes Jahr den neuen Bischof der Diözese Bozen-Brixen, Ivo Muser, zum Striezelwerfen eingeladen. "Natürlich wird auch unser Bischof Alois Schwarz dabei sein", sagt Isop.
Aus dem 13. Jahrhundert
Die Abhaltung des Armenmahles der Stifterin geht auf Bestimmungen zurück, die bis ins späte 13. Jahrhundert zurückreichen und um 1420 niedergeschrieben wurden. Die älteste Handschrift dazu stammt von 1580. Viele hunderte Menschen, arme und reiche, kamen zu diesem Fest, das am Vorabend des Agathentages begann. Nachdem die Menge an Getreide nicht mehr ausreichte, alle Pilger zu beteilen, wurde 1849 die Idee des Striezelwerfens geboren.
Im Mai 1851 beklagt sich ein Gewährsmann in Gallizien darüber folgend: "Die Almosenstiftung wird leider nicht nach dem Willen der Stifterin gehandhabt, denn anstatt die Armen in die Hand zu beteilen, werden am Agatha-Tage von einem Gang Brotstrüzeln herabgeworfen, um die sich die versammelten Menschen raufen, um dieselben als Arzneimittel für das kranke Vieh zu gebrauchen."
3000 bis 3500 "Striezalan"
Bis 1916 wurde das Striezelwerfen aus dem Stiftungskapital bestritten. 1923 fiel das Vermögen gänzlich der Inflation zum Opfer und seither stiften die Pfarrangehörigen selbst die Striezel. Etwa 3000 bis 3500 sind es, die jedes Jahr gebacken, gesegnet und am Agathentag von der Brüstung des im Herbst 2010 renovierten Hospizes in die Menge geworfen werden.
Isop: "Es gibt noch einige Bauern, die selbst die Striezalan backen und am Abend vor dem Striezelwerfen vorbeibringen." Sie gelten als Heil und Segen bringend - auch für die Pfarre, die mit dem Erlös der verkauften Brote die anfallenden Renovierungskosten bestreitet. Übrigens: Ein Beitrag über das Striezelwerfen wird morgen um 16.05 Uhr bei Treffpunkt Kärnten ausgestrahlt.
Features
FAKTEN
Messe. Der Gottesdienst am Sonntag, dem 5. Februar, beginnt um 10 Uhr.
Striezelwerfen. Danach - gegen 11 Uhr - wird das Striezelwerfen zelebriert. Wer stressfrei zu einem Striezel kommen möchte, kann auch eines kaufen.
Umrahmung. Es singen "Die Striezalan", der Bienenzuchtverein Stein hat einen Info- und Verkaufsstand.










