Sie tauschte die Bergwelt gegen das Inselreich
Der Völkermarkterin Friederike Happé hatte es ein blauäugiger Engländer angetan: 1950 zog sie mit Mann und zwei Söhnen in die Grafschaft Essex und lebt noch heute dort.
Seit über sechs Jahrzehnten ist Friederike Happé nun schon Inseleuropäerin. Die Tochter der bekannten Völkermarkter Schneidermeisterfamilie Allemann folgte ihrem Herzensmann in dessen Heimat England. "Es war Liebe auf den ersten Blick", erinnert sich "Fritzi", wie die agile Seniorin von ihren Freunden liebevoll genannt wird, an die Begegnung mit Kenneth Happé.
"Seine schönen blauen Augen fielen mir sofort auf", schwelgt die 84-Jährige in Erinnerungen. Als sie knapp 19-jährig im Gasthaus Kohlross (heute Altes Brauhaus) den englischen Besatzungssoldaten Essen servierte, funkte es. Österreich wurde nach dem Zweiten Weltkrieg von den alliierten Siegermächten besetzt, in Kärnten waren die Engländer stationiert. Welch ein Glück für Friederike Happé. "Im April 1947 gaben wir uns vor der ,Church of England' das Eheversprechen", erinnert sich Happé an das würdevolle Zeremoniell in einer Holzbaracke, die auf dem Areal des heutigen Gymnasiums stand.
Im Februar 1948 erblickte ihr Sohn Peter, im September 1949 ihr Sohn Eric, das Licht der Welt. "Und zwar im Militärkrankenhaus in Lendorf bei Klagenfurt, beide als britische Staatsbürger", sagt die jung gebliebene "Fritzi", die mit ihrer Familie 1950 nach Laindon, in die Grafschaft Essex auswanderte.
Englisch lernen
Die Zeit bis zur Auswanderung nach England nutzte die Völkermarkterin, um bei einer Privatlehrerin Englisch zu lernen. Von ihrer Schwiegermutter wurde die Kärntnerin sehr liebevoll unter den Inseleuropäern - wie sich die Engländer gerne in Abgrenzung zu den Kontinentaleuropäern bezeichnen - aufgenommen. "Nur ,Fritzi' durfte keiner mehr zu mir sagen, weil das ein Schimpfwort für deutsche Soldaten war", sagt die Wahl-Britin, deren Gatte leider im Jahre 1952 tödlich verunglückte.
Stolz ist Happé, die die Auswanderung nie bereut hat, auf ihre beiden Söhne, die beim Militär Karriere machten. Als ihr Jüngster zum Major befördert wurde, wurde er sogar zum Dinner in den Buckingham Palast geladen und Königin Elizabeth II. persönlich vorgestellt. "Ich war dabei und kam der Queen ganz nahe", schwärmt die reiselustige Lady mit dem Hinweis: " Mittlerweile lebt Eric in Neuseeland. Zu meinem 80. Geburtstag flog ich für fünf Wochen zu ihm."
Heimaturlaub
Das alljährliche Klassentreffen nutzt die Globetrotterin, die 21 Jahre in der Parfumfabrik Jadely beschäftigt war, für einen ausgedehnten Heimaturlaub. "Ich wohne immer bei meiner Verwandten Gilde Morolz-Pogatschnigg, die mich mit Kärntner Schmankerln verwöhnt. Vor allem ihre Kasnudeln schmecken mir außerordentlich gut", erzählt die Auswandererin, die mittlerweile siebenfache Groß- und dreifache Urgroßmutter ist.
In lebendiger Erinnerung geblieben ist der rüstigen Dame das Bild vom Mittwochsmarkt in Völkermarkt. Das war vor fast sieben Jahrzehnten. "Die Bäuerinnen hatten ihre Kopftücher nach hinten gebunden. Einige riefen: "Kupite, kupite, jajce! (Kaufen Sie, kaufen Sie, Eier)", sagt Happé.
Features
FAKTEN
Laindon. 25.000 Einwohner hat der Ort, der in der englischen Grafschaft Essex liegt.
Nahe zu London. Laindon ist eine neue Industriestadt vor den Toren Londons (ungefähr 35 Minuten entfernt). Zur Themse-Mündung sind es zwei Minuten.
Ausgewandert. 1950 wanderte Friederike Happé dorthin aus.












