Die Geschichte und das Ende einer Landschule
Die Volksschule Leppen/Lepena hat am Freitag nach 128 Jahren für immer ihre Türen geschlossen. Gegründet wurde sie 1883 als "Notschule".
Was sollen wir sagen? Es ist, wie es ist", sagt Gerd Lamprecht, der letzte Elternvertreter der Expositurschule Leppen bei Bad Eisenkappel, die nach 128 Jahren bewegter Geschichte mit dem abgelaufenen Schuljahr für immer ihre Pforten schließt. Schuld daran sind die seit 40 Jahren sinkenden Schülerzahlen, die der 1883 eingerichteten Notschule, ab 1945 selbstständige Volksschule und ab 2001 Expositurschule der Volksschule Bad Eisenkappel, den Lebensatem nahmen.
Den ersten amtlichen Hinweis auf die Schule in Leppen findet man in der "Pädagogischen Stimme" von 1883, wo die "Eröffnung der Notschule" genehmigt wurde und "der Unterricht in der Zeit von 1. April bis Ende Oktober erteilt werden darf". Der spätere Lehrer Rudolf Vouk hat die Anfänge der Schule in der Schulchronik wiedergegeben: "Am damaligen Unterricht nahmen zehn Schüler teil. Aushilfslehrer Johann Appe (...) soll dabei sehr oft zu tief ins Glas geschaut haben - sehr zum Ergötzen der Kinder entfiel an solchen Tagen der Unterricht."
Lesekundige Hirten
Als die Schule schloss, halfen sich die Bauern, indem sie Hirten und Knechte anstellten, die des Lesens und Schreibens mächtig waren und im Winter ihr Wissen an die Hausleute weitergaben. Dabei dienten slowenische Büchergaben des Hermagorasvereines als Hauslektüre.
1924 wurde die Ermächtigung erteilt, in Leppen wieder eine "Notschule" einzurichten, die am Mlanikhof untergebracht war. Der damals an zwei Tagen pro Woche unterrichtende Wanderlehrer Wolfgang Romauch erinnert sich in einem Brief an seinen Freund Vouk: "Mit einem übergroßen Katalog und Wochenbuch bewaffnet betrat ich meine erste Schulstube. Zwei lange Tische mit einfachen lehnlosen Bänken und zwei Bauernbetten waren das Mobiliar." Da das Schulzimmer von den Hausbewohnern mitbenutzt wurde, hat man die Schule vier Jahre später in die Auprichkeusche verlegt. In einem 16 Quadratmeter großen Klassenraum wurden über 50 Kinder unterrichtet.
Schulbau in Selbsthilfe
Der "Keber-Bauer" Johann Kurnik baute gemeinsam mit den Nachbarn Anfang der 1930er-Jahre ein neues Schulgebäude aus Holz. Laut Schulchronik sind 1933 darin 51 Schülern unterrichtet worden. Nach dem Anschluss an Nazideutschland 1938 wurde die Germanisierung der Schule auch in Leppen systematisch vorangetrieben und die slowenischen Lehrbücher verschwanden.
Zwei Jahre später mussten auch die vertrauten Lehrer, Jakob Zeichen und Wolfgang Romauch, an die Kriegsfront. Im Schuljahr 1941/42 gab es keinen Unterricht. Im Oktober 1943 kam für die neue Lehrerin Johanna Wunder der letzte Schultag in Leppen, als sich in unmittelbarer Nähe der Schule Partisanen mit einer SS-Polizeieinheit heftige Gefechte lieferten.
Der Neubeginn
Am 3. November 1945 fand der Unterricht wieder in der alten "Keberschule" statt. Laut einem Bericht des damaligen Schularztes machten die schulhygienischen Zustände einen Neubau notwendig. Bereits am 2. Oktober 1955 war der "große Tag" gekommen. Sogar Landeshauptmann Ferdinand Wedenig beehrte die Einweihungsfeier der nun zweiklassigen Landschule. Als die Volksschuloberstufe 1965/66 in Leppen geschlossen wurde, sprang sogar die lokale Feuerwehr beim Schülertransport nach Eisenkappel ein, bis die Omnibuslinie ihren Dienst aufnehmen konnte.
Das bittere Ende
Schlussendlich reduzierte die sukzessive Abwanderung ab den 1970er-Jahren die Schülerzahl auf nunmehr sieben Schüler. Lehrerin Christine Hobel an ihrem letzten Schultag in Leppen am 8. Juli 2011: "Ich weine nicht, weil es vorbei ist, sondern lächle, weil es so schön war . . ."











