Globaler Grenzgänger mit Kunstsinn
Der Sozial- und Kulturanthropologe Christopher Wastian (24) aus Bad Eisenkappel spürt seit 2006 Grenzorten auf der ganzen Welt nach.
Man kennt die mexikanischen und amerikanischen Städte wie Ciudad Juarez (als gefährlichste Stadt der Welt), Tijuana, Mexicali, San Diego oder El Paso nur aus Filmen und seit geraumer Zeit auch aus den Medien. Fast täglich wird über Flüchtlingsströme an der Grenze zu den USA berichtet, von den damit verbundenen Schicksalen oder von den vielen Menschen, die im Krieg zwischen den Drogenbanden ums Leben kommen.
Einer, der über diesen Teil der Welt viel zu berichten weiß, ist der 24-jährige Christopher Wastian aus Bad Eisenkappel. "Wenn man vor Ort lebt, stellt sich die Situation allerdings anders dar. Man bekommt kaum etwas von dem kolportierten Schrecken mit, im Gegenteil, ich habe dort viele Freunde gefunden, die mich immer wieder in diese Region - mittlerweile sehe ich sie als eine meiner Heimaten an - zurück führen", sagt Wastian.
Seit 2006 bewegt sich der Kultur- und Sozialanthropologe auf politischen Grenzgängen "mit den weltweit größten ökonomischen Unterschieden, ausgenommen der Grenze zwischen Nord- und Südkorea" und forscht vor Ort nach der Sprache und Identität der Bevölkerung, vor allem im künstlerischen Bereich. "Die Kunst war und ist immer ein Seismograf der Gesellschaft, denn sie thematisiert oft das nicht Ausgesprochene", so Wastian.
Das Resultat seiner Studie über Kunst und Grenzidentitäten mündete in einer Diplomarbeit, die prompt 2010 mit dem Würdigungspreis des österreichischen Ministeriums für Wirtschaft und Forschung ausgezeichnet wurde. Mit dem Preisgeld finanzierte sich der reichlich mit Fernweh ausgestattete Eisenkappler sogleich seine nächste wissenschaftliche Arbeit über Grenzsituationen zwischen Mexiko und den USA sowie der Grenze zwischen Marokko und Spanien. Noch vor dem Lybien-Krieg waren die spanischen Exklaven Ceuta und Melilla auf afrikanischem Boden Hauptansteuerungsziele des gesamten afrikanischen Flüchtlingsstroms nach Europa.
Trennende Zäune
Zwei- bis dreifache meterhohe Zäune und Mauern trennen die aus ihrer Heimat vertriebenen Menschen von der "gelobten" Europäischen Union. Laut Wastian gestaltet sich das Leben der Menschen in diesen Zwischengrenzbereichen als "die wahre Opposition zu den alltäglichen Angstmeldungen aus den Medien. In beiden Fällen hat sich im Niemandsgebiet eine dritte Kultur und Sprache entwickelt, die angesiedelt ist zwischen der einerseits afrikanischen und spanischen Kultur in Afrika oder der angelsächsischen und mexikanischen Kultur auf dem nordamerikanischen Kontinent." Die Dissertation darüber wird an der Universität Bremen abgelegt.
Was darauf folgt, weiß der bereits auf internationaler Ebene mit Vorträgen engagierte Wastian allerdings noch nicht: "Ich bin ein sehr spontaner Mensch. Die Kunst an den Grenzen, als Schnittstelle zwischen Kulturen, fasziniert mich und es gibt noch so viele Grenzorte, die ich noch nicht aufgesucht habe."











