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Zuletzt aktualisiert: 18.05.2011 um 09:21 UhrKommentare

Kinder lesen Handkes Wünsche auf

Zum heutigen Griffner Schülerlesefest: Wie alles begann und wie sein Patron, Schriftsteller Peter Handke, aus der Nähe wie aus der Ferne für Verbesserungen und "gute Aufregung" sorgt.

Peter Handke wünscht den Kindern für das heutige Lesefest "eine gute Aufregung und ein weiterführendes Vergnügen"

Foto © Kleine Zeitung (Archiv)Peter Handke wünscht den Kindern für das heutige Lesefest "eine gute Aufregung und ein weiterführendes Vergnügen"

Was macht man, wenn ein berühmter Schriftsteller in der Schule seiner einstigen Heimatgemeinde vorbeischaut? Man bittet ihn, etwas vorzulesen.

Peter Handke aber wollte nicht lesen - die Schüler sollten an seiner statt aus seinen Werken vortragen. Das taten sie - und so entstand vor einigen Jahren in einem kleinen Klassenzimmer der Wunsch, unter dem Schlossberg das Lesen zu einem Fest werden zu lassen.

Gemeinsame Suche

Gemeinsam suchten Kinder, Lehrer und Handke nach einem Motto für das Fest, erinnert sich Hauptschuldirektorin Lieselotte Pleschiutschnig. "Wir haben lange gesucht - aber er war mit gar keinem Vorschlag richtig zufrieden." Also schickte der Schriftsteller seinen Vorschlag. Und dass "Muss ich lesen? Soll ich lesen? Darf ich lesen?" damals wie heute passt, bestätigt Pleschiutschnig gerne: "Manchmal müssen unsere Schüler etwas lesen und wollen nicht, ein anderes Mal würden sie gerne etwas lesen, das sie gerade nicht lesen dürfen und manchmal fällt ihnen die Auswahl schwer: Soll ich lesen oder etwas anderes tun?"

Handkes Wunschautoren

Was sie lesen sollen, will Handke den zehn Lesern, die heute antreten, auch gar nicht vorschreiben - einen Wunsch für Griffens Lesefeste hat er über seinen langjährigen Freund Valentin Hauser aber ausrichten lassen - den nach mehr anspruchsvollen Werken namhafter Autoren. "Beispielhaft nannte Peter Handke die Namen Christine Lavant, Ingeborg Bachmann, Michael Guttenbrunner und Gert Jonke", so Literaturwissenschaftler Fabjan Hafner, Sprecher der Griffner-Lesefest-Jury über die heuer 35 Titel-fassende Vorschlagsliste der Jury. Die Liste sei lediglich als Anregung gemeint - "ein gemeinsames Bemühen um ein möglichst hohes Niveau".

Literatur aus Kärnten

Eine Vorgabe wurde seitens der Organisatoren heuer aber gemacht: "Die Schüler müssen Literatur aus Kärnten - Prosa oder Lyrik - vorlesen", so Pleschiutschnig. Die Schüler von Isolde Fellner-Wröhlich, Organisatorin und Deutschlehrerin an der Hauptschule Griffen, haben die vorgeschlagenen Texte indes "sehr unterschiedlich aufgenommen". "Viel hängt auch von der Motivation der Lehrer ab, die Begeisterung für die Texte zu wecken", so Fellner-Wröhlich über die geleistete Vorarbeit im Unterricht. Und nicht zuletzt hänge es auch von der Fähigkeit der Schüler ab, die Texte zu lieben.

Wovon es jedes Jahr aufs Neue abhängt, ob Handke zum Lesefest kommt, kann niemand sicher beantworten. In einem Brief an Fellner vom 15. April wünscht er heuer "aus der Ferne, wo die Apfelbäume blühen, Ihnen und den Kindern eine gute Aufregung und ein weiterführendes Vergnügen".

MICHAELA PRAPROTNIG

Wort für Wort

Das Lesefest. Das fünfte Griffner Schülerlesefest findet heute von 9.30 bis 12 Uhr im Kultursaal in Griffen statt

Die Teilnehmer. Drei Schüler aus dem Bezirk Völkermarkt, drei aus dem Bezirk Wolfsberg, ein Schüler aus dem Bezirk Klagenfurt-Land und drei Schüler aus dem Bezirk Klagenfurt-Stadt

Die Liste. Die Vorschlagsliste der Juroren umfasst Texte von Ingeborg Bachmann, Thomas Bernhard, Alois Brandstetter, Edith Darnhofer-Demar, Helga Duffek-Kopper, Egyd Gstättner, Michael Guttenbrunner, Peter Handke, Alois Hotschnig, Gustav Janu, Gert Jonke, Christine Lavant, Florjan Lipu, Janko Messner, Robert Musil und Peter Turrini.

Die Jury. Uschi Loigge, Fabjan Hafner, Helmut Zechner und Horst Ebner

Das Ziel. "Wir möchten, dass ganz Kärnten liest", sagt die Griffner Hauptschuldirektorin Lieselotte Pleschiutschnig

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