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Zuletzt aktualisiert: 22.01.2011 um 20:30 UhrKommentare

Ein Berg mit historischem Weitblick

Von der Bronze- bis zur Völkerwanderungszeit: Der Hemmaberg bei Globasnitz, auf dem heuer das Pilgerhaus überdacht wird, lässt tief in die Vergangenheit blicken.

Links: Der Hemmaberg und die Hemmakirche. Rechts: Der Eisenring einer Beinprothese.

Foto © KanatschnigLinks: Der Hemmaberg und die Hemmakirche. Rechts: Der Eisenring einer Beinprothese.

Am Anfang war diesmal wohl das Wasser: Die Rosaliengrotte auf dem Hemmaberg, aus der angeblich noch immer heilsames Wasser sprudelt, war für Menschen wohl schon in der Mittelbronzezeit zwischen 1500 und 1200 vor Christus Grund genug, um dort zu siedeln. "Die Schutzfunktion ist auch ein Grund", sagt Chefarchäologe Franz Glaser vom Kärntner Landesmuseum, der auf dem Hemmaberg, in Globasnitz und bei der Kirche in Jaunstein unsere Vergangenheit freilegt.

Heuer kann Glaser auf dem Hemmberg einen lang gehegten Wunsch verwirklichen: Das Pilgerhaus erhält ab April oder Mai ein Schutzdach. "Dort ist eine Bodenheizung so gut erhalten wie sonst nirgends", sagt Glaser. Das Dach, das im Rahmen des EU-Projektes "Geopark" errichtet wird, dient zum Schutz. Glaser ist froh darüber, dass Grundstückseigentümer Josef Schein so viel Verständnis zeigt. Außerdem wird man als eine Art Entree Schautafeln aufstellen, die den Besucher in die Zeit einführen werden. Von der schon erwähnten Mittelbronzezeit an kamen später Kelten, Römer, deren kulturelle Errungenschaften sich durchsetzten, Ostgoten, "Franken" und Slawen in diese Gegend.

Frank und frei

Der "Franke", der 2009 und 2010 gemeinsam mit 21 anderen Skeletten bei der Hemmakirche freigelegt wurde, kann noch nicht eindeutig als solcher bezeichnet werden: "Eine anthropologische Untersuchung steht noch aus", sagt Glaser. Da man aber ein Kurzsax, ein Kampfmesser, als Grabbeigabe fand, ist davon auszugehen, dass es nach 536 sein muss: "536 haben die Ostgoten das Gebiet an die Franken übergeben", sagt Glaser. Der "Franke" hatte aber nicht nur ein Kampfmesser, sondern auch eine Beinprothese. "Er dürfte nach der Verletzung noch zwei Jahre gelebt haben", sagt Glaser. Etwas über 30 Jahre alt wurde er. Auf dem Hemmaberg sind aber noch andere Gräber freigelegt worden: Die restlichen von den Archäologen des Landesmuseums freigelegten Gräber datieren zwischen 400 und 600 nach Christus. "All diese Personen müssen Privilegierte gewesen sein", sagt Glaser. Das "Fußvolk" wurde nämlich beim Hemmaberg-Parkplatz begraben. Bisher hat man dort 120 Gräber freilegen können.

Zwei Religionen

Das gemeinsame Auftreten von Katholiken und der arianischen Kirche darf nicht verwundern. Es war ein Nebeneinander. Der Hemmaberg darf als wirkliche Besonderheit gelten: Nicht nur die lange Besiedlung, die verschiedenen Völker, auch die vielen Kirchen sind ein Zeugnis dafür, dass dieser Berg für die Menschen etwas Besonderes war. War er zuerst eine Siedlung, die in keltisch-römischer Zeit zum Heiligtum wurde, war er ab 400 nach Christus wieder besiedelt. "Die Doppelkirchen wurden nach 500 gebaut. Um 400 hatte der Hemmaberg dörflichen Charakter, war christianisiert und daneben bestand der Kult des Juenats", sagt Glaser. Juenat findet man als Inschrift auf einem Weihealtar. Und dieser Name gibt der Umgebung auch seinen heutigen Namen: Jauntal! Und so verwundert es gar nicht, wenn die Menschen noch immer zur Rosaliengrotte pilgern, um das heilsame Wasser zu trinken. Traditionen bleiben eben Traditionen.

ANDREAS KANATSCHNIG

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Foto © Kanatschnig

Archäologe Franz Glaser mit dem Kurzsax des "Franken"Foto © Kanatschnig

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