Pflege: Politik unterschätzt Tragweite
Pflegekosten und An-zahl der Pflegebedürftigen werden sich bis 2040 verdoppeln, die Betreuer halbieren. Mobile Pflegedienste suchen nach Auswegen.

Foto © APAIm Bezirk Völkermarkt werden derzeit rund 380 Menschen im Rahmen der mobilen Pflege zu Hause betreut
Ein verlässliches Betreuungs- und Pflegeangebot für alte und hochbetagte Menschen gehört angesichts der demografischen Entwicklung zu den großen Herausforderungen unserer Zeit. So werden sich laut Prognosen bis 2030 die Pflegekosten, und bis 2040 die Zahl der Pflegebedürftigen verdoppeln; im Gegensatz dazu wird sich bis 2050 aber die Zahl potenzieller Betreuungspersonen halbieren.
Dieses brisante Thema war auch Inhalt der Regionalkonferenzen der Arge Mobile Pflege- und Betreuungsdienste. Dieser - derzeit unter Vorsitz des Kärntner Caritasverbandes - gehören landesweit zwölf Anbieter an. Im Bezirk Völkermarkt sind dies AVS, Hilfswerk und Rotes Kreuz.
Erich Fenninger, Bundesgeschäftsführer der Volkshilfe, gab in seinem Impulsreferat zum Thema "Qualität durch Kooperation" einen Rückblick auf die Entwicklung der mobilen sozialen Dienste in den vergangenen 20 Jahren und merkte kritisch an, dass trotz positiver Schritte in den vergangenen Jahren "die Herausforderungen der demografischen Entwicklung von den politisch Verantwortlichen in ihrer Tragweite immer noch nicht erkannt werden". Ein bedarfsgerechter Ausbau des extramuralen Pflegebereiches würde nach Berechnungen der Volkshilfe bedeuten, dass bis 2020 rund eine Milliarde Euro zusätzlich zur Verfügung gestellt werden müsse.
Entlohnung schlecht
Die Teilnehmer machten auf den Umstand aufmerksam, dass der Pflegeberuf zwar angesehen, die Entlohnung aber nach wie vor schlecht sei. Bei den von Sieglinde Trannacher eingerichteten Workshops haben die Organisationen das Schaffen einer gemeinsamen Basis und eines gegenseitigen Vertrauens in den Vordergrund gestellt, die Kooperation und Entwicklung gemeinsamer Standards unter Anbietern soll forciert werden. Alle wollen an einem Strang ziehen, "aber trotzdem eigenständig bleiben". Fazit: Die verantwortlichen Entscheidungsträger könnten das Thema Pflege nicht mehr stiefmütterlich behandeln. Auf Entlohnung und Image müsse künftig mehr Bedacht genommen werden.
Features
Anbieter: Mobile Pflege im Bezirk
AVS (Arbeitsvereinigung der Sozialhilfe Kärnten) im Sozial- und Gesundheitszentrum Völkermarkt, Ritzingstraße 31, 9100 Völkermarkt; Einsatzleitung: DGKS Barbara Frager, Telefon: 0 66 4/83 27 459; derzeit rund 160 Klienten. www.avs-sozial.at
Hilfswerk Kärnten im Haus der Generationen, Klosterstraße 2, 9100 Völkermarkt; Einsatzleitung: DGKS Mateja Tschom-Sifrar, Telefon: 0 67 6/899 05 201; derzeit rund 130 Klienten. www.hilfswerk.at
Rotes Kreuz. Bezirksstelle Völkermarkt, Bleistraße 3, 9100 Völkermarkt; DGKS Michaela Hasek, Telefon: 0 66 4/82 33 666; derzeit 85 Klienten. www.roteskreuz.at











