Dokumente über eine verschwundene Welt
Das Bildungshaus Sodalitas in Tainach bietet anhand einer Fotodokumentation Einblicke in die verschwundene Welt der Gottscheer Deutschen.

Foto © KKGottscheer Landsmannschaft bei ihrer Kulturwoche im Schloss Krastowitz; unten: Ansichtskarte von Nesseltal/Koprivnik von Josef Dornig junior, 1928
Auf Spurensuche in eine verschwundene Welt kann man sich bis 11. November im Bildungshaus Sodalitas in Tainach begeben. Dort läuft eine Dokumentation von Matja Matko mit dem fotografischen Erbe fünf Gottscheer Fotografen aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts: Josef Dornig senior und Junior, Rudolf Verderber, Franc Rabuse und Karel Henigmann haben darin das Gottschee ihrer Zeit eingefangen - in Personenporträts, gesellschaftlichen Ereignissen und Ortsansichten.
680 Jahre Geschichte
Es war um das Jahr 1330, als die Ortenburger Grafen aus Spittal über einen Zeitraum von zwei Jahrzehnten etwa 500 bis 600 deutsche Bauern aus Kärnten und Osttirol als Uransiedler in die Gegend südlich von Laibach schickten, um dort die spätere Gottschee urbar zu machen. Das Gebiet war ein Urwald mit Bären und vielen anderen Raubtieren.
Das Siedlungsgebiet umfasste 860 Quadratkilometer, 177 Ortschaften und war eine deutsche Sprachinsel. Deren Bewohner bewahrten sechs Jahrhunderte lang ihren altertümlichen deutschen Dialekt. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hatte die Bevölkerung der Gottschee mit 28.000 ihren Höhepunkt erreicht. Die Armut trieb viele Gottscheer zur Auswanderung vor allem in die USA.
Mit der Gründung des SHS-Staates nahm der Druck auf die deutsche Volksgruppe der Gottscheer - vergleichbar mit der Situation der Kärntner Slowenen, nur unter umgekehrten Vorzeichen - zu. Deutschsprachige Beamte und Lehrer wurden entlassen, Namen slawisiert und 1100 Kinder waren ohne Unterricht in deutscher Muttersprache. Die Regierung in Laibach verwies auf die Lage der Kärntner Slowenen und erklärte sich für nicht zuständig. So halbierte sich die Volksgruppe der Gottscheer bis 1940.
Die Heimat verloren
Nach dem Balkan-Feldzug der Truppen des Deutschen Reiches im April 1941 kapitulierte die Armee Jugoslawiens. Den Staat teilten sich Deutschland, Italien und Ungarn auf. Das Gottscheer Land wurde von der italienischen Armee besetzt und Teil der neu gebildeten Provincia di Lubiana. 11.800 Menschen wurden ab November 1941 aufgrund des Abkommens zwischen Adolf Hitler und Benito Mussolini ins Großdeutsche Reich umgesiedelt, davon 11.174 ins "Ranner Dreieck" (Gurkfeld/Krko, Rann/Breice, Lichtenwald/Sevnica) sowie Ratschach/Radee in der Untersteiermark. Zuvor hatten die Nazis von dort 36.100 Slowenen deportiert, deren Höfe die nunmehr volksdeutschen Gottscheer aber nicht übernehmen wollten.
1945 mussten nahezu alle Gottscheer fliehen oder wurden aufgrund der AVNOJ-Beschlüsse vertrieben. Viele starben in Internierungslagern. Von den 177 Ortschaften wurden 112 nicht wieder aufgebaut.
Features
FAKTEN
1247. Der Patriarch von Aquilea belehnt die Grafen von Ortenburg mit Reifnitz (Ribnica) samt Zugehörungen, auch das Urwaldgebiet der späteren Gottschee.
1418. Mit Erlöschen der Ortenburger gelangt die Gottschee an die Cillier Grafen
1456. Der letzte Cillier Ulrich II. wird ermordet, Habsburger erben Gottschee.
1507. Graf Jörg von Thurn verwaltet die Gottschee, ein Bauernaufstand gegen ihn breitet sich über Krain auf Kärnten und die Steiermark aus.
1522-1584. Mehrere Türkeneinfälle.
1524. Hans Ungnad Freiherr von Sonneck wird Inhaber der Pfandherrschaft.
1547. Die Gottschee geht an die kroatischen Grafen von Blagay.
1619. Freiherr von Khysel übernimmt die Herrschaft, die 1623 Grafschaft wird.
1641. Graf Auersperg kauft Gottschee.
1791. Kaiser Leopold II. erhebt die Gottschee zum Herzogtum, Karl Josef Anton von Auersperg wird ihr erster Herzog.
AUSSTELLUNG ZUR GOTTSCHEE
Gemeinschaft. Gottscheer Landsmannschaften gibt es in Klagenfurt, Graz, Wien, weitere in Deutschland, Slowenien, USA, Kanada und Australien
Info. www.gottschee.at
Ausstellung. "5 fotografov koevarjev", Dokumentation von Matja Matko im Bildungshaus Sodalitas, Tainach
Dauer. Bis 11. November











