Völkermarkt kommt aus dem Würgegriff
Die Bezirksstadt feiert Sonntag die Verkehrsfreigabe der Umfahrung und Eröffnung des Lilienbergtunnels. Für Völkermarkt bricht ein neues Zeitalter an - mit weniger Lärm und Abgasen.

Foto © BudaiSolche Bilder gehören in Zukunft der Vergangenheit an.
Der Countdown läuft! Sonntag um 10 Uhr geht ein lang gehegter Wunsch der Völkermarkter in Erfüllung: Die Umfahrung der Bezirksstadt wird nach 30 Jahren Hin und Her und über 20 Variantenprüfungen für den Verkehr freigegeben.
Die Stadt, die schon die längste Zeit am Durchzugsverkehr zu ersticken drohte - bis zu 10.000 Fahrzeuge am Tag, davon über 500 Schwerfahrzeuge - soll mit der neuen Umfahrung eine spürbare Entlastung erfahren. Durchfahrende Schwerfahrzeuge wird es künftig nicht mehr auf dem Hauptplatz geben, die Lkw werden auf die Umfahrung geleitet.
Wie der erste Tag nach der Eröffnung der Umfahrung mit dem Lilienbergtunnel in der Innenstadt aussehen wird, darüber gehen die Meinungen der Stadtbewohner aber doch etwas auseinander: Es gibt einige Stimmen (siehe Umfrage), die Befürchtungen äußern, dass mit dem Rückgang des Verkehrs die Stadt aussterben werde.
Lachender Aufkleber
Die meisten freuen sich jedoch darauf, jetzt - ohne von Lärm und Abgasen belästigt zu werden - die Frühlingssonne in den Schanigärten genießen zu können. Der Wirtschaftsverein Zukunft Völkermarkt nennt den heutigen Tag einen "Festtag". Man hat sogar einen eigenen Aufkleber mit Völkermarkt-Smiley und dem Slogan "Hurra, der Tunnel ist da!" (siehe rechts oben) fabriziert und verteilt. "Endlich wird der Stadtkern wieder als lebendiges Zentrum und Treffpunkt, aber auch als Handelszentrum wahrgenommen", sagt Obmann Günther Hanschitz. Er betreibt auch das Café Novello am Hauptplatz und will die Verkehrsberuhigung dazu nutzen, den Gastgarten zu erweitern.
Ilse Kellerer von Palmers hat keine Angst, dass die Stadt aussterben könnte, "wir haben sehr viele Stammkunden und die werden den Einkaufsbummel jetzt mit Freude genießen. Endlich können wir die Türen wieder offen lassen." Auch Modehändler Arno Hable glaubt, dass die Kundenfrequenz in der Stadt mit der Umfahrung nicht einbrechen wird, sieht aber im Parkplatzangebot mit 38 Stellplätzen Handlungsbedarf, "denn viele nehmen das Parkhaus nicht an". Cafétier Manfred Mlinar bemängelt, dass sich die Stadtgemeinde auf diesen Tag nicht vorbereitet habe. Man hätte in der Stadt schon vorher für eine entsprechende Infrastruktur sorgen sollen.
Eröffnung. Sonntag, um 10 Uhr, mit Festgottesdienst (Pater Wolfgang Gracher) und Festansprachen von Landeshauptmann Gerhard Dörfler und Bürgermeister Valentin Blaschitz beim Südportal des Lilienbergtunnels.
Features
UMFAHRUNG VÖLKERMARKT
Länge. Insgesamt 2,8 Kilometer von der Draubrücke bis zum Autobahnanschluss Völkermarkt West; der Lilienbergtunnel selbst ist 1134 Meter lang
Erdbewegung. 270.000 Kubikmeter Abtrag und Schüttungen, Tunnelaushub 100.000 Kubikmeter
Beton. 26.000 Kubikmeter Spritzbeton, weitere 58.000 Tonnen Beton für Tunnelröhre, Unterflurtrasse, Stützmauern
Kosten. 46 Millionen Euro, davon 22 Millionen für den Tunnel











