"Eine Leiche zu spielen ist nicht leicht"
Seit Freitag läuft "Der Kinoleinwandgeher" mit Josef Winkler im Volkskino in Klagenfurt. Auch viele Völkermarkter Akteure sind darin zu sehen.

Foto © Focus FilmFilmausschnitt_ Elfriede Kraus (rechts) als Winklers Großmutter vor dem Sarg von "Tante Tresl" (Gabriele Wuhack)
Ich habe mir immer gedacht, eine Leiche zu spielen ist leicht", sagt Gabriele Wuhack. Im Vorjahr wurde die Angestellte eines Besseren belehrt. Und zwar in der vom Klagenfurter Focusfilm gedrehten Produktion "Der Kinoleinwandgeher", in der der Schriftsteller Josef Winkler seine Biografie in Episoden porträtiert.
Neben dem Georg-Büchner-Preisträger und seiner Familie wirken mehrheitlich Laiendarsteller mit. So auch die 48-jährige Völkermarkterin, die die eben verstorbene "Tante Tresl" mimte. "Es war ein sehr makaberes Gefühl", so Wuhack, die sich während der Dreharbeiten intensiv darauf konzentrierten musste, weder mit den Augen zu blinzeln, noch zu atmen.
Schwitzend im Sarg
"Als ich endlich aus dem Sarg steigen durfte, war ich schweißgebadet. Und das im Jänner", lässt Wuhack die Hitze des Scheinwerferlichts erahnen. Nachdem sich die Völkermarkterin bei Josef Winkler vorgestellt hatte, quittierte der Autor das Engagement der Darstellerin mit den Worten: "A so a schene Leich."
Während Wuhacks Auftritt wortlos blieb, hatte ihre Mutter die agile Großmutter zu verkörpern. "Ich stand gemeinsam mit Winklers Sohn Kasimir an der Bahre und trauerte um die Verstorbene", erinnert sich Elfriede Kraus, die erstmals in ihrer langjährigen Karriere als Komparsin eine Sprechrolle hatte. "Ich betete sogar ein Vaterunser", so die pensionierte BH-Bedienstete, die, wie Tochter Gabriele, bereits das zweite Mal für einen Kinofilm vor der Kamera stand.
Für Schwiegersohn Wolfgang Wuhack war es allerdings eine Premiere. Der 55-jährige Beamte agierte als "Onkel" und musste - während er die total perplexen Kinder fotografierte - rufen: "Passt´s auf, da kommt der Teufel heraus!" Engagiert wurde das Trio von Annemarie Komposch aus Sittersdorf. Die Filmschaffende, die auch ein Casting-Unternehmen betreibt, hatte diesmal auch die Aufnahmeleitung inne. Dem nicht genug: Die 37-Jährige simulierte authentisch eine Nonne, die den jungen Josef Winkler die Winnetou-Bücher überreicht. Ihr Lebenspartner Bernd Pfingstmann (35) schlüpfte gleich in mehrere Rollen und war als Regieassistent bei allen Aufnahmen - sowohl im In- wie auch Ausland - live vor Ort.
Schüler aus Eisenkappel
Zu sehen sind auch Eisenkappler Schüler, die den Ausführungen ihres Lehrers, dargestellt vom Allroundkünstler Peter Grilliz
(38) aus Eberndorf, zu folgen haben. Komposchs Mutter Anna (65) stellt, wie Theresia Mörtl (80), eine betende Landfrau dar. Obwohl alle Komparsen versuchten, sich mit ihren Rollen zu identifizieren, machte keiner der Protagonisten dabei Parallelen zur eigenen Biografie aus.
Auch im ORF
Übrigens: Der Kraus-Clan ist nicht nur im Kino zu sehen, sondern morgen auch auf ORF 2, Beginn 20.15 Uhr. Neben dem erwähnten Trio wirken in der Lilli-Schönauer-Verfilmung auch Tanja Wuhack (16) und Leopold Kraus mit. Letzteren, der just heute seinen 75. Geburtstag feiert, kennen viele als "Sparefroh" der Stadtsparkasse Völkermarkt.
"Der Kinoleinwandgeher" ist ein Episodenfilm nach dem Drehkonzept von Büchner-Preisträger Josef Winkler und Regisseur Michael Pfeifenberger und läuft derzeit im Volkskino in Klagenfurt. Beginnzeiten: bis 15. November 19 Uhr, von 16. bis 20. November 17.15 Uhr, von 23. bis 25. November um 16.50 Uhr.
Features
Fakten
Kärntner Drehorte. Klagenfurt: Volkskino, Alter Platz mit Pestsäule, Stadtpfarrkirche, Grabmal von Julien Green. Villach: Klosterbäckerei. Kamering: Bauernhof, Kirche, Friedhof. Bad Eisenkappel: Dorfschule, Vellach. Andersdorf bei St. Georgen im Lavanttal. Gersdorf bei Maria Saal: Bauernhof nahe des Konvents Tanzenberg
Volkskino. "Der Kinoleinwandgeher" läuft derzeit im Volkskino Klagenfurt. Tel. (0 463) 31 9880










