Das Licht der Kirchlein auf den Wellen
"Ante pante populore, Kocla vrate cvilijore": Heute Abend findet das traditionelle Kirchleintragen in Bad Eisenkappel statt. Der Brauch erinnert an die Abwendung eines großen Hochwassers.

Foto © HaderlapDie Kinder sind immer mit Freude dabei, wenn die Kirchlein den Fluten übergeben werden
Wir, die Vellacher Kinder trafen uns in den Dreißigerjahren am Vorabend zu Maria Lichtmess immer vor unserem Elternhaus, bevor wir betend oder lautstark "Ante Pante populore" schreiend in Richtung Hagenegger Brücke loszogen, um dort auf die Kirchleinträger, die aus dem Ort kamen, zu warten", erzählt Willibald Germadnik (79) aus Vellach bei Bad Eisenkappel seinen Urenkeln Ilja (6) und Nikolai Pronegg (9) aus seinen Kindheitserinnerungen.
Stellenwert. Damals waren die selbst gebauten Kirchlein in Vergleich zu den heutigen sehr einfach hergestellt und manche davon wurden mit einem Haarschopf auf der Kirchturmsspitze versehen. Die mit Kerzenrestbeständen vom Weihnachtsbaum beleuchteten Lichtkörper wurden in grobes, meist rötliches Papier eingekleidet und mit Mehlpapp verklebt. Der hohe Stellenwert des Brauches hat sich bis heute nicht verändert. Vor drei Jahren waren auch schon Ilja und Nikolai zum ersten Mal dabei.
Nasse Füße. Während Ilja im Arm seiner Mutter sich von seinem leuchtenden Kirchlein nicht trennen wollte, legte Nikolai sein Kirchlein in den Vellachfluss. Nikolai: "Dabei bin ich im vereisten, steilen Gelände ausgerutscht und kam Gott sei Dank mit Hilfe des Großvaters nur mit nassen Füßen davon." Der jährlich zelebrierte Ante- Pante-Lichterbrauch im Vellachtal hatte ursprünglich die jahreszyklische Winterwende zum Inhalt, die Abkehr vom heimeligen häuslichen Dasein nach draußen, wo die längeren und wärmeren Tage bereits den Frühling erahnen ließen. Anfänglich brachte man Feueropfer dar, um damit die Wintergeister, Krankheiten und alles Unheil mit dem Fluss des Wassers zu verabschieden. In Bad Eisenkappel erinnert das Kirchleintragen aber vor allem auch an die vielen Überschwemmungen, die durch Jahrhunderte dem Markt viel Leid zugefügt haben.
Hoffnungen in das Licht. Einst wie heute stehen aber auch die Wünsche und Hoffnungen in das verabschiedete Licht, welches den Fluten übergeben wird, im Mittelpunkt. Laut Willibald Germadnik "gab es aber auch Zeiten, in denen der Vellachfluss zugefroren war. Da haben wir die Kirchlein symbolisch auf das Eis gestellt, wovon die meisten am nächsten Tag von einigen Buben dann wieder eingeholt worden sind." Ilja und Nikolai freuen sich schon auf heute Abend, wenn sie sich um 18 Uhr bei der Volksschule in Bad Eisenkappel einfinden werden, um mit dem Zug hunderter Menschen gemeinsam den lateinisch-slowenischen Spruch "Ante pante populore, Kocla vrate cvilijore" in den Gassen von Bad Eisenkappel lautstark erschallen zu lassen.
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Willi Germadnik (79) mit seinen Urenkeln Ilja (6) und Nikolai (9) inmitten ihrer Ante-Pante-KirchleinFoto © Haderlap
Willi Germadnik (79) mit seinen Urenkeln Ilja (6) und Nikolai (9) inmitten ihrer Ante-Pante-KirchleinGrafik © Haderlap
Brauchtum
Ante pante: Der halb lateinische, halb slowenische Vers hat sich aus dem Evangelium von Maria Lichtmess entwickelt. Der erste Teil des Verses stammt vom lateinischen Evangeliumstext, die zweite Verszeile entstand Mitte des 19. Jahrhunderts aus einem Scherz
Kirchleintragen: Heute um 18 Uhr in Bad Eisenkappel










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