"Der Kirchenbeitrag ist kein Grund zu gehen"
2008 traten im Bezirk mehr Mitglieder aus der Kirche aus als 2007. Weil die Menschen derzeit weniger Geld haben und sparen, muss manchmal auch der Kirchenbeitrag "dran glauben".

Foto © APAKonstante Zahlen auch 2008: Im Bezirk Völkermarkt wendet sich nur ein sehr kleiner Teil der Gläubigen von der Kirche ab
Als "in etwa gleichbleibend" bezeichnet Gottfried Rutter, Leiter der Kirchenbeitragsstelle Völkermarkt, die Zahl der Kirchenaustritte im Bezirk 2008 im Vergleich zu den Jahren davor.
"Ganz ordentliche Zahl." 128 Menschen kehrten der Kirche 2008 den Rücken - 13 Menschen kehrten wieder zurück. Und neun Menschen haben ihr Vorhaben, aus der Kirche auszutreten, widerrufen. Diese neue Möglichkeit bedeutet, dass man zwar von der Bezirkshauptmannschaft einen Bescheid hat, dass man ohne Bekenntnis ist, nach Kirchengesetz bleibt man aber römisch-katholisch. Rund 24.000 Kirchenbeitragszahler gibt es im Bezirk. Das sei bei 38.000 Katholiken im Bezirk Völkermarkt laut Rutter "eine ganz ordentliche Zahl."
Bindung am Land stärker. Die Gründe für die gleichbleibende Zahl der Kirchenaustritte ortet Rutter im persönlichen Kontakt: "Die Bindung zur Kirche ist am Land viel stärker als in den Städten." Rutter nennt als "Parade-Beispiel" Bleiburg: "Der Kontakt zwischen dem Pfarrer und den Menschen wird intensiv gepflegt. Dort gibt es auch weniger Austritte." Und 2007 gab es im Dekanat Bleiburg sogar mehr Eintritte als Austritte. Rutter fasst das so zusammen: "Wo es intensive Kontakte gibt, ist die Welt noch in Ordnung." Und noch seien die Pfarren relativ gut mit Priestern besetzt.
Junge Menschen treten aus. Rund 100 Leute pro Jahr verliert die Kirche im Bezirk Völkermarkt im Schnitt, laut Rutter gemessen an der Einwohnerzahl zwar "relativ wenig, wobei man sagen muss, dass jeder zu viel ist - man verliert ein Familienmitglied." Warum die Menschen gehen? "Hier gibt es zwei Gruppen: Das sind zum einen junge Menschen bis 25, die noch gar keinen Kirchenbeitrag zahlen, und zum anderen jene Gruppe von Menschen, die durch irgend ein Ereignis, wie Überschuldung oder Scheidung austreten, weil sie schauen müssen, wo sie einsparen können", sagt Rutter. Und wenn das Zeitungsabo einmal abbestellt ist und das Auswärts-Essen gestrichen, bleibt oft nur der Kirchenbeitrag.
Immer eine Lösung. Rutter betont aber: "Wegen des Kirchenbeitrages muss niemand aus der Kirche austreten, wir finden für jeden eine Lösung." Und dass die Beitragsstelle in Völkermarkt hier sehr viel mithilft, zeigt eine weitere Zahl: 13.500 persönliche Kontakte (Vorsprachen, Telefonate und Schriftverkehr) verzeichnete man dort 2008.
7000 Menschen klopften an. 7000 Menschen davon klopften an die Tür der Beitragsstelle. Rutter: "Die Leute kommen zwar wegen des Kirchenbeitrages herein, aber das dann folgende Gespräch dreht sich zu 90 Prozent nicht um Geld. Die Menschen wollen sich mitteilen, von ihren Alltagssorgen erzählen."
Die Menschen bleiben treu. Und wenn das möglich ist, bleiben die Menschen auch meist der Kirche treu. Rutter: "Wenn wir mehr Priester hätten, könnten wir sicher einige Ausgetretene zurück gewinnen."











