"Wir dürfen uns nicht beklagen"
In Eisenkappel erinnert ab Freitag eine Ausstellung an die jüdische Kaufmannsfamilie Scharfberg, die im Jahr 1938 vertrieben wurde. Dreizehn Nachkommen reisen dazu aus den USA und aus Israel an.
Bis zum Jahr 1938 waren Joseph und Marianne Scharfberg angesehene Bürger von Eisenkappel. Im polnischen Gallizien geboren, betrieben sie zu Füßen der Karawanken ein florierendes Textilwarengeschäft. Zuvor hatten sie im Bethaus in der Klagenfurter Platzgasse geheiratet. 1933 kam im Landeskrankenhaus ihr Sohn Kurt zur Welt. Die kleine Welt der jüdischen Kaufmannsfamilie schien bis zu den Tagen des "Anschlusses" einigermaßen in Ordnung.
Ersten Opfer des NS-Regimes. Nach der deutschen Machtübernahme am 12. März 1938 wurden die Scharfbergs die ersten Eisenkappler Opfer des NS-Regimes. Ihr Geschäft wurde arisiert, sie selber mussten über den Hafen Triest nach Haifa flüchten, wo sie ab Jänner 1939 lebten. Zuvor soll Marianne Scharfberg, die während der Flucht eine Totgeburt erlitt, zur slowenischen Mitbürgerin Helena Kuchar gesagt haben: "Ja, Frau Kuchar, alle werden dran kommen. Zuerst wir Juden, dann ihr Slowenen."
"Wir gehörten hierher ..." Ab Freitag erinnert eine Ausstellung im Forum Zarja in Eisenkappel an die einstigen jüdischen Mitbürger. Titel der Schau: "Wir gehörten hierher ..." Für das Historikerteam Lisa Rettl und Werner Koroschitz ist diese Ausstellung mehr als nur ein Beitrag zum heurigen Gedenkjahr, sondern der Versuch, eine Lücke in der Erinnerungskultur zu schließen. Koroschitz: "Am örtlichen Friedhof finden sich Abwehrkämpfer-, Partisanen-, Verschleppten-, Soldaten- und Ustaschadenkmäler, am Hauptplatz erinnert eine Gedenktafel an die Kärntner Volksabstimmung von 1920 und an der Kirche soll ein Kreuz mit den darunter stehenden Jahreszahlen 1939-1945 der Opfer des Zweiten Weltkrieges gedenken".
Nachkommen. Wenn nun also auch an die einstigen jüdischen Mitbürger erinnert wird, werden einige ihrer Nachkommen dabei sein: Dreizehn Mitglieder der Familie Scharfsberg aus den USA und Israel haben ihr Kommen zugesagt.
In ökonomischer Hinsicht ist es ihren Vorfahren gelungen, mit einem Lebensmittel- und später einem Bekleidungsgeschäft in Haifa Fuß zu fassen. Marianne Scharfberg 64-jährig in einem Brief, dreißig Jahre nach ihrer Flucht: "Mein Mann und ich arbeiten noch sehr fleißig. Wir haben ein gleiches Geschäft wie in Österreich und dürfen uns nicht beklagen. Wir wünschen uns nur, dass Friede auf der Welt sei."












