Missbrauch-Skandal um Ordensschwester
Ehemalige Heimkinder beschuldigten die Kosovo-Helferin Schwester Johanna Schwab, Kinder im Antoniusheim in Treffen misshandelt zu haben.

Foto © Eve Maria Griese
Ich, Schwester Johanna, möchte mich bei den Kindern entschuldigen, die ich psychisch und physisch gequält habe. Es tut mir, alten Frau, leid."
Wenige Worte, aber von großer Bedeutung: Hier entschuldigt sich eine Ordensfrau in einem Brief für das Unrecht, das sie Kindern in einer katholischen Erziehungsanstalt vor gut 30 Jahren zugefügt hat. Die Schwester, die damals im Antoniusheim in Treffen Kinder aus schwierigen Familienverhältnissen beaufsichtige, ist keine Unbekannte: Es handelt sich um die durch ihre Kosovohilfe prominent gewordene Schwester Johanna Schwab.
Ein Name, der den Brüdern Franz (36) und Kurt (35)* noch heute schwer über die Lippen kommt - sie sprechen lieber von "besagter Schwester", wenn sie ihre Geschichte erzählen. Es ist eine aufwühlende Geschichte: Die Brüder kamen im Alter von vier und fünf Jahren ins Antoniusheim. Vater und Mutter kämpften zu Hause mit schweren Alkoholproblemen und vernachlässigten ihre Kinder.
Mit zehn Jahren kamen sie in die Obhut von Schwester Johanna. Die gebürtige Tirolerin war die einzige Betreuerin für 30 Jugendliche. Um für Ordnung zu sorgen, griff sie zu verzweifelten Mitteln: "Sie hatte einen abgeschnittenen, ein Meter langen Gartenschlauch. Mit dem wurden wir verprügelt, wenn wir nicht pariert haben", sagt Franz. Nach vielen blauen Flecken hatte er genug vom Gartenschlauch und schnitt ihn heimlich ab.
Sein Bruder Kurt fühlt sich von Schwester Johanna auf psychischer Ebene verletzt: "Sie sorgte dafür, dass ich für behindert erklärt wurde und in die Sonderschule kam. Mit verbalen Drohungen brachte sie mich dazu, ihr blind zu gehorchen."
Vergeblicher Hilferuf
Niemand glaubte den Brüdern. Sie wandten sich an die Heimleitung, die Jugendfürsorge - vergebens: "Keiner konnte sich vorstellen, dass eine Klosterfrau so sein kann." Franz erinnert sich daran, wie er sich mit 13 der Fürsorgerin des Villacher Jugendamts anvertraute. "Sie schimpfte mit mir, dass ich nicht lügen soll." Auch heute scheint es unvorstellbar, dass eine Ordensfrau, die sich in ihrer Pension aufopferungsvoll für Kinder im Kosovo einsetzte, einmal so mit Kindern umgehen konnte.
Überfordert
Franz zeichnet das Bild einer Frau, die in schwierigen Situationen oft den Ausweg in die Gewalt suchte. Das habe die Schwester bei einem Versöhnungsgespräch mit den Brüdern eingestanden: Sie wäre überfordert gewesen (siehe Interview). Sie schrieb den Brüdern zu diesem Anlass auch den eingangs erwähnten Entschuldigungsbrief.
Die Brüder wollen keine finanzielle Entschädigung von der Kirche. "Das kann das Leid nicht ungeschehen machen." Viele Kinder im Heim hätten so wie sie im Leben keine Chance gehabt. An die Öffentlichkeit gehen sie nun, weil es für sie "eine Art Therapie ist. Auch für andere - wir wissen, dass viele unser Schicksal teilen, sich aber nicht getrauen, offen darüber zu sprechen."
Sie spüren selbst noch die Nachwirkungen - Stottern, Autoritätsangst, Kurt hatte bisher noch nie eine Beziehung. Franz: "Wir tragen einen schweren Rucksack durchs Leben."
*Namen von der Redaktion geändert.








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