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Zuletzt aktualisiert: 04.05.2012 um 05:10 UhrKommentare

Ärger im Zentrum der Evangelischen Kirche

Die Kirche erhöht ihre Beiträge in Fresach um bis zu 100 Prozent. Der Zusammenhang mit der "teuren" Landesausstellung wird bestritten.

"Glaubwürdig bleiben" war das Motto der Landesausstellung im vergangenen Jahr in Fresach

Foto © Traussnig"Glaubwürdig bleiben" war das Motto der Landesausstellung im vergangenen Jahr in Fresach

Das habe ich mir nicht mehr gefallen lassen und bin aus der Kirche ausgetreten", sagt Ernst Egger (47). Der Energieberater ist einer von 1940 evangelischen Christen in der Pfarrgemeinde Fresach, denen hohe Vorschreibungen für den Kirchenbeitrag ins Haus geflattert sind. "Ich hätte um 45 Prozent mehr bezahlen sollen, bei einer Nachbarin hat die Erhöhung sogar 100 Prozent ausgemacht", sagt Egger.

Viele Fresacher vermuten nun, dass sie mit ihren höheren Beiträgen die Budgetlücken schließen sollen, die durch die Landesausstellung in ihrer Gemeinde entstanden sind. Egger: "Die Landesausstellung war sicher ein großer Erfolg für die evangelische Kirche. Es ist aber nicht einzusehen, dass die Gläubigen so zur Kasse gebeten werden." Mit dieser Meinung steht Egger nicht alleine. Die jungen evangelischen Christen Fresach haben per Facebook zu einer Protestveranstaltung in die Kirche geladen. Sie haben das Thema der Landesausstellung "Glauwürdig bleiben" zum Motto gemacht und aufgezeigt, dass die Beitragsexplosion kein Zeichen für Glaubwürdigkeit sei. Superintendent Manfred Sauer ist über die Kirchensteuer-Erhöhung informiert, betont aber, dass sie in keinem Zusammenhang mit der Landesausstellung steht: "In den letzten Jahren war man beim Beitrags-Inkasso in dieser Gemeinde offensichtlich sehr nachlässig. Jetzt muss die finanzielle Lücke geschlossen werden." Der Mitarbeiter, der in Fresach für den Kirchenbeitrag zuständig war, wurde heuer von einer Frau abgelöst, die sich gezwungen sah, kräftige Erhöhungen vorzunehmen.

"Was den Kirchensteuerertrag pro Kopf betrifft, war Kärnten innerhalb der Bundesländer immer an letzter Stelle. Um unsere Ausgaben finanzieren zu können, waren wir auf Geld aus anderen Bundesländern angewiesen. Deshalb war es notwendig, die Beiträge unserer Mitglieder an das Bundesniveau anzugleichen", sagt Sauer. Das habe in Kärnten zu einer Austrittswelle geführt. "Allein im Vorjahr haben 740 Christen die evangelische Kirche verlassen", sagt Sauer.

ROBERT BENEDIKT

Kirchenbeitrag

Pfarren zuständig. Im Gegensatz zur katholischen Kirche (zentrale Einhebung) sind bei den Protestanten die Pfarren zuständig. Grundsätzlich gilt, dass ein evangelischer Christ 1,5 Prozent seines Jahreseinkommens minus 44 Euro zu bezahlen hat.

Zuschläge möglich. Die Pfarrgemeinden dürfen zur Deckung ihrer örtlichen Bedürfnisse Zuschläge einheben. Das Presbyterium ist berechtigt, bei außergewöhnlichen Belastungen den Kirchenbeitrag herabzusetzen. Dazu zählen etwa Mehraufwand durch Krankheit oder Studienkosten für Kinder.

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