Kärntens Burgen sichern Touristenstrom
Rund 200 Burgen und Ruinen prägen Kärnten und ziehen hunderttausende Besucher an. Eigentümer investieren in Substanz und Sicherheit.

Foto © NunnerBurg Landskron
Der Felssturz auf der Burg Hochosterwitz erschütterte vor drei Wochen ganz Kärnten. Fünf Verletzte waren zu beklagen, zwei Schwerverletzte sind auf dem Weg der Besserung. Das Unglück passierte, obwohl Burgherr Kari Khevenhüller seit drei Jahren im Schnitt 100.000 Euro jährlich in Sicherheit und Infrastruktur investiert. Die Zahl der Besucher stieg von 84.000 auf 120.000. Die Kapazität von Kärntens schönster Burg liegt bei 200.000 Gästen. Khevenhüller ist, wie alle Burgherren Kärntens, durch den "Zahn der Zeit" und exponierte Lagen gefordert.
Oft über 1000 Jahre lang ist die Bausubstanz der Burgen Wind und Wetter ausgesetzt. Die Burgfelsen, auf denen die Festungen thronen, bröckeln - das ist ein natürlicher Vorgang. "Früher hat man den Burgfelsen aus strategischen Gründen baumfrei gehalten, jetzt macht man das zur Erhaltung", sagt Gerhard Hold, Verwalter der Burg Landskron.
Felsen werden überprüft
Wurzeln sprengen Fels und Mauerwerk, ein Umstand der alle Burgherren zwingt, jene Felsen zu überprüfen, auf denen ihre Burgen stehen. 200.000 Menschen besuchen auf Landskron jährlich Vogelwarte, Affenzoo und Restaurant. 20.000 Euro werden in die Bausubstanz investiert. Ein Hangrutsch im Vorjahr sorgte für Aufsehen, die Ursache war ein falsch verlegtes Abflussrohr für Oberflächenwässer.
Friesach müsste sechs Millionen Euro investieren, um eine Generalsanierung aller mittelalterlichen Bauanlagen zu erreichen, sagt Amtsleiterin Irmgard Lechner. "Das Erhalten der Substanz ist eine permanente Herausforderung. Viele Spaziergänger informieren uns, wo was abrutscht, wo Gestein locker wurde." Betroffen ist auch der Burgfried auf dem Petersberg, der jährlich 20.000 Besucher anzieht.
Teile des Petersberges sind im Besitz des Stadtverschönerungsvereines. "Wir sind viel auf Spenden angewiesen und sanieren derzeit um 360.000 Euro im Bereich des Burgfrieds", sagt Obfrau Martha Winkler. "Die Wege zur Burg werden von der Stadt in Schuss gehalten. Gott sei Dank haben wir keine Felsen die gefährlich werden können."
Steine fallen in Gärten
Gefährlich könnte der Griffener Burgberg für den darunter liegenden Ort werden. Während die Wege gut 20.000 Gäste pro Jahr sicher hinauf zur Burgruine führen, ist die Südwest-Flanke des Felsens ein Risiko. "Die Bewohner haben gelernt, mit dem Berg zu leben. Kleine Steine fallen immer wieder in die Vorgärten. Unmittelbare Gefahr besteht nicht", erklärt Amtsleiter Mario Snobe. 1999 hat Griffen die Burg gekauft, seither werden pro Jahr 20.000 Euro in die Substanz von Burg und Burgfels investiert. 2013 steht eine Felssicherung an.
Davon ist die Burg Sommeregg bei Seeboden wegen ihrer geografischen Lage befreit. 100.000 Besucher "erobern" jedes Jahr die Burg, Steinschlaggefahr besteht nicht. "Dafür müssen wir ständig das Natursteinmauerwerk richten, um die Burg zu erhalten", sagt Eigentümer Frank Riegler. Das ist in Finkenstein nicht anders, wo Burgherr Gerhard Satran jährlich 150.000 Besucher begrüßen darf, 30.000 kommen allein zu den Konzerten. "25.000 bis 60.000 Euro pro Jahr geben wir aus, um Burg und Umfeld zu erhalten." Felsreinigungen mit Superbergsteigern sind da ebenso enthalten wie statische Überprüfungen des Mauerwerks. "Wenn trotzdem ein Felssturz passieren sollte, dann ist das höhere Gewalt", sagt Satran.
Über 600.000 Besucher
Die größten Kärntner Burgen kommen zusammen auf rund 620.000 Gäste im Jahr, die touristische Nutzung ist dicht wie nie zuvor. Dazu kommen die Besucher von anderen erwanderbaren Anlagen wie den Kraiger Schlössern. "In Sachen Denkmalreichtum kann es Kärnten mit größeren Bundesländern aufnehmen. Allein Hochosterwitz gilt ja schon als Synonym für Kärnten, die Burg hat ein Alleinstellungsmerkmal. Diese Burg und alle anderen nachhaltig am Leben zu erhalten und belebt zu halten, ist ein großer Auftrag", sagt Landeskonservator Axel Hubmann.
Claudia Fräss-Ehrfeld, Sprecherin des österreichische Burgenvereins, macht auf ein anderes Problem aufmerksam. "Wenn Bewohner von Burgen in die Bausubstanz investieren, ist das steuerlich nicht absetzbar. Das fällt unter die Begriffe private Liebhaberei und 'schöner wohnen'. Hier müsste die öffentliche Hand mehr tun, denn die Burgen geben dem Land ja Qualität." Die Baukunst der Burgen und Schlösser geben Kärnten ein unverwechselbares Erscheinungsbild. Auch wenn es ab und zu bröckelt . . .
Features
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Axel Hubmann, Landeskonservator Foto © KLZ/Corina Kuhs
Burgen in Kärnten
Hochosterwitz: www.burg-hochosterwitz.com, erste Erwähnung im Jahr 860
Griffen: www.griffen.gv.at, 1148
Finkenstein: www.burgarena.at, erste Erwähnung: 1142
Friesach: www.friesach.at, 927
Sommeregg: www.folter.at, 1237
Landskron: www.burg-landskron.at, erbaut um 1351










