Ein bleireiches Leben in luftiger Höhe
Friedrich Grollitsch (75) hantierte als letzter Schrotkugel-Hersteller von Arnoldstein mit flüssigem Blei in 80 Meter Höhe. Der Gedanke an die perfekte Kugel macht ihn noch heute glücklich.

Foto © Kanatschnig200 Tonnen Blei ließ Grollitsch pro Jahr 80 Meter in die Tiefe fallen, um dort - von Wasser sanft aufgefangen - als Schrotkugel anzukommen
Flüssiges Blei, giftig dampfendes Metallarsen, ein schwarzer Schacht, der 80 Meter in die tiefe ging. "Eine gefährliche Arbeit", sagt Friedrich Grollitsch. Bis 1976 hatte er als Arbeiter der Bleiberger Bergwerksunion jeden Tag die 120 Stufen in den Schrotturm auf sich genommen und 480 Grad heißes Blei tröpfchenweise 80 Meter in die Tiefe fallen lassen - um dort als Schrotkugeln anzukommen.
"Wir haben die besten Kugeln gehabt", sagt Grollitsch. Und gute Kugeln müssen rund sein. "Metallarsen war dafür wichtig", sagt Grollitsch. Dieser äußerst giftige Zusatz hat die Kugeln dann so richtig rund werden lassen. Grollitsch war der Gießer: Seine Aufgabe war das Erhitzen von Blei, die Beigabe des giftigen Metallarsens und schlussendlich das Gießen des flüssigen Metalls in eine Art Sieb. Tropfen für Tropfen fiel das Blei 80 Meter im freien Fall in die Tiefe, kühlte auf seinem rasanten Weg nach unten aus, wurde hart und tauchte am Fuße des Schrotturms in Wasser ein. "Dann wurden die Kugel noch gesiebt, getrocknet, poliert und verpackt", sagt Grollitsch.
Zwischen 0,5 (der sogenannte Vogeldunst) und 4 Millimeter waren die Schrotkugeln, die im freien Fall entstanden. Größere Kugeln wurden händisch hergestellt. Insgesamt verließen den Schrotturm pro Jahr 200 Tonnen Kugeln für Schrot- und Luftdruckgewehre.
1976 war dann Schluss. Eine technische Neuerung hat der Schrotkugelproduktion den Gar ausgemacht. "Andere fingen an ihre Kugeln zu verkupfern und versilbern, damit der Lauf beim Schießen nicht schwarz werden konnte", sagte Grollitsch. Aus Kostengründen sei dann die Produktion eingestellt worden. Der 75-jährige Grollitsch versteht das heute noch nicht, denn trotz Silber- und Kupferummantelung wurde der Gewehrlauf schwarz - wie bei den Kugeln aus Arnoldstein auch.
Knapp überlebt
Nach seiner "Pensionierung" als letzter Schrotkugel-Gießer arbeitete er bei der BBU weiter. 1978 verlor er bei der Explosion eines Bleischlacken-Topfes ein Auge, überlebte nur um einen Hauch. "Die meisten Arbeiter wurden gar keine 60 Jahre alt", sagt Grollitsch, der 1988 in Pension ging. Er ist mittlerweile 75 Jahre. Den Schrotkugeln ist er aber bis heute treu geblieben. Als Jäger auf der Göriacher Alm. Er schießt zwar schon lange nicht mehr mit seinen eigenen Schrotkugeln, aber die Erinnerung bleibt - an die perfekten Kugeln von damals.











