Nötscher laufen Sturm gegen Kanaldesaster
Extrem erhöhte Kanalgebühren stinken den Nötscher Bürgern. Auf scharfe Protestaktion folgt verzweifelte Suche nach Ausweg.

Foto © Fanture verärgerte Nötscher Bürger protestieren scharf gegen die Erhöhung der Kanalgebühren
Seit der Nötscher Gemeinderat die Erhöhung der Kanalgebühren um 62 Prozent, von 3,83 Euro auf 6,20 Euro beschlossen hat, geht es in der Gailtaler Gemeinde rund. Mittwochabend lud Bürgermeister Johann Müller (SPÖ) zur Informationsveranstaltung. Begleitmusik dazu war eine Demonstration von rund 120 erbosten Nötschern. Auf Transparenten stand geschrieben: "Antikanalerhöhung", "Warum sollen wir drei Mal so hohe Kanalgebühren zahlen, wie andere Gemeinden?" und "Hohe Kanalgebühren stinken." "Die Erhöhung ist unsozial, Mindestrentner können sich das nicht mehr leisten", wetterte Demonstrant Ludwig Fatzi erzürnt.
Unterschriften
Mehr als 400 Personen füllten den Veranstaltungssaal der Gemeinde. Die geladenen Landesvertreter glänzten durch Abwesenheit. Bürgermeister Müller versuchte, den Wind aus den Segeln zu nehmen: "Die Gebühren müssen mithilfe des Landes und der Bevölkerung gesenkt werden." Dazu liegt eine Unterschriftenliste im Gemeindeamt auf, nächste Woche wird der Gemeindevorstand tagen und eine Plattform unter Beteiligung der Bevölkerung installiert.
Wie kam es zu dieser exorbitanten Erhöhung? Die ABUG (Abwassergenossenschaft Unteres Gailtal) forderte die Rückzahlung des Darlehens an das Land in der Höhe von 1,127 Millionen Euro. "Villach und Klagenfurt haben früher ihre Anlagen errichtet und müssen nichts bezahlen. Nötsch bekam nach 2008 die Förderdarlehen und wird verpflichtet, mit voller Härte zurückzuzahlen", so Bürgermeister Müller. Ferner werden Gerichtskosten auf die Bürger abgewälzt.
Eine Erhöhung hat weitreichende Konsequenzen. "Die massive Steigerung würde das Gebührenhaushaltssystem kollabieren lassen. Die Bevölkerung wird Trinkwasser sparen und mehr Nutzwasser verwenden. Weniger Einnahmen für den Kanal hätten weitere Erhöhungen der Gebühren zur Folge", beschrieb der Kanalplaner Welf Zimmermann den Teufelskreis.
Das Kanalsystem von Nötsch ist höher dimensioniert und die Nachbargemeinde Feistritz/Gail besitzt gar keines. "Der Anschluss von Feistritz würde viele Probleme lösen", ist Zimmermann überzeugt. Sie müsste schnell reagieren, da die Förderung 2015 abläuft. Zur Lösung des Problems schlug Gastwirt Carlo Jost vor, die Ansiedelung von Firmen und den Zuzug zu forcieren.











