Bunkerkönig und Alpenrebell
Andreas Scherer leuchtet die Vernunft den Weg im Kampf um den Erhalt seines Bunkermuseums: gegen den "Feind" in Wien. Eine Spurensuche auf dem Wurzenpass.

Foto © KanatschnigMääh: Brillenschafe grasen auf dem Wurzenpass friedlich zwischen Panzern
Die Bunkeranlage auf dem Wurzenpass stammt aus dem Kalten Krieg. Andreas Scherer steht auf seinem "Bunker Hill", einem über 11.000 Quadratmeter großen Gelände, gestikuliert und erklärt seine Welt: Er ist der Direktor dieses Museums, Herr über 500 Meter Bunkergänge, Panzer, Maschinenkanonen und Geschütztürme. "Ich lass mich nicht papierln", sagt er.
Der Kalte Krieg ist scheinbar noch nicht vorbei: Denn das Verteidigungsministerium und Scherer liefern sich ein Scharmützel, das nicht nur im Parlament diskutiert wird, sondern bald auch die heimischen Gerichte beschäftigen wird. Das Ministerium will das Kriegsmaterial zurück, das er nicht mehr besitzen darf, weil Leihverträge abgelaufen seien, und sowieso nicht besitzen darf, weil es das Gesetz verbiete. Obendrein hat man ihm die Verlässlichkeit entzogen, Kriegsmaterial zu besitzen. Es ist ein Kalter Krieg um Paragrafen. Scherer, ganz dem Lichte der Aufklärung verschrieben, fordert Vernunft und Gerechtigkeit ein.
Der letzte Kommandant
Scherer war Oberst im Bundesheer, Abteilungsleiter der Öffentlichkeitsarbeit im Verteidigungsministerium, letzter Kommandant der Kompanie Wurzen, und hat sich im Mai 2011 unbezahlt karenzieren lassen: "Mein Brotverdienst ist jetzt das Museum." Auf dem Wurzenpass hat er sich eingerichtet, umgeben von untauglichem Kriegsmaterial, dass zur "Schlacht" gegen den "Feind" in Wien in Verteidigung gebracht wird: "Ich will keinen Krieg." Eigentlich wollen alle Verantwortlichen, dass das Bunkermuseum erhalten bleibt. "Aber nicht mit mir", glaubt Scherer zu wissen. Fünf Personen, so Scherer, würden ihn vernichten wollen. Auch seine Loyalität zu General Edmund Entacher (der in Konflikt mit Verteidigungsminister Norbert Darabos geriet) sei mit ein Grund, so Scherer. Anfang Juli werden Ministerium und Scherer vor Gericht ausstreiten, ob das Kriegsmaterial der Republik als Eigentümer zurückgeliefert werden muss. "Dann wäre ich ruiniert", sagt Scherer.
Sein Vorteil: Das Grundstück hat er 2009 um 10.000 Euro der Republik abgekauft. 150.000 bis 200.000 Euro hat Scherer von seinen Ersparnissen schon in das Museum gesteckt: "Jetzt macht man einen Vernichtungsfeldzug gegen mich." Obwohl er nur in Frieden sein Museum betreiben will. Scherer macht dabei das Faktotum: Er führt eine Reisegruppe aus Slowenien am Gelände herum, schreitet danach zur Speisung mit Gulasch. Dann erklärt er Interessierten den Kalten Krieg: "Beim Militär macht man viele Sachen, die man nicht braucht", sagt der Oberst und fährt mit seinen Händen über eine Karte von Österreich. "Bunker waren zur Verzögerung da", sagt Scherer. Und der Wurzenpass war eine wichtige Verteidigungsanlage im Alpenbogen.
Der verlässliche Oberst
Nebenbei erklärt er jedem, der ihn darauf anspricht, warum er sein Museum nicht kampflos aufgibt. Er versteht nicht, wie man ihm die Verlässlichkeit entziehen kann: "Ich war verlässlich genug, Abteilungsleiter im Verteidigungsministerium zu sein. War verlässlich genug, 250 Leute hier auf dem Wurzenpass in Ernstfall in den Tod zu führen, war verlässlich genug, Geheimpapiere zu lesen." Scherer wollte schon als Gymnasiast zum Heer, das ist sein Leben. Trotz all des Streits sagt er: "Ich glaube an das Heer." Motivation geben ihm die Besucher. Dann dreht er sich um, reibt sich die Hände und wendet sich seinem "Bunker Hill" zu. Wie jene amerikanischen Soldaten, die während des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges zwar verloren, aber Durchhaltevermögen zeigten. Wie der Oberst auf seinem "Scherer Hill."










