"Ich zähle die Tage bis zum Velden-Urlaub"
Sänger Franco Andolfo gehört zu Velden wie das Schloss und der Wörthersee: Im Interview spricht er über seine Karriere, die Entwicklung des Veldener Tourismus und sein Musical.
Z um wievielten Mal verbringen Sie Ihren Urlaub hier?
FRANCO ANDOLFO: Es ist das 43. Mal, ich bin seit sieben Wochen hier in Velden und fühle mich rundum wohl. Kommenden Mittwoch gebe ich noch ein Konzert im Casineum, dann geht es leider wieder zurück nach Wien.
Velden ist wahrscheinlich die bekannteste Tourismusgemeinde Österreichs. Was verbindet Sie persönlich mit dem Ort?
ANDOLFO: Ich kann gar nicht aufzählen, welche Erlebnisse ich hier in all den Jahrzehnten hatte. Ich komme aus der italienischen Stadt Este, lebe in Wien als wäre ich dort geboren und fühle mich in Velden so wohl als wäre ich hier getauft. Außerdem habe ich Veldens Ehrenring bekommen und einige hohe Landesauszeichnungen.
Wie viel ihrer Zeit gehört der Musik?
ANDOLFO: Ich bin in Pension, aber die Musik ist mein Leben. Nach einer langen Krankheit kann ich zum Glück wieder Klavierspielen. In Wien muss ich ins Studio, um Demos für mein Musical aufzunehmen. Ich werde singen, so lange ich kann und Menschen Freude daran haben. Im Alter bekommt man das eine oder andere Wehwehchen, aber meine Stimme hat kein bisschen gelitten.
Velden ist mit ihrer Karriere eng verknüpft. Wie begann alles?
ANDOLFO: Mein Vater bestand darauf, dass ich den Mechanikerberuf erlernen sollte. Mein Herz gehörte immer schon der Musik. Ich machte dann mein Hobby zum Beruf. Ich habe ab 1967 23 Jahre in der Bar des Schlosshotels gesungen und 13 Jahre lang war Francos Bar im Casino meine Welt. Ich habe viele Freunde und Bekannte hier. Ich glaube, ich kenne alle Einheimischen.
Wo ist ihr Veldener Domizil?
ANDOLFO: Ich wohne seit Jahren bei Julischka Politzky, sie stellt mir eine Wohnung zur Verfügung. Wir sind befreundet, haben am selben Tag Geburtstag und feiern diesen auch gemeinsam. Bei Julischka im Le Café gibt es das beste Frühstück, ein Höhepunkt meines Urlaubstages.
Und wann frühstückt Franco Andolfo?
ANDOLFO: Selten vor 11.30 Uhr. Julischkas Frühstück bietet alles, auch wenn man gar nicht alles essen kann.
Wo sammelten Sie erste Bühnenerfahrung?
ANDOLFO: Die Kurgemeinde Abano Therme liegt in der Nähe meines Heimatortes, dort bin ich mit meiner ersten Band aufgetreten. 1953 begann meine Profikarriere, 1955 hatte ich in Graz mein erstes Engagement. Ich habe 17 Mal am Wiener Opernball gesungen, bereits 12 Mal am Grazer Opernball. Mein erster Hit war "Bimba, Bimba", der Durchbruch gelang mit "Io so soltanto", dann folgte "Ciao, amici, ciao".
Wie hat sich Velden in all den Jahrzehnten verwandelt?
ANDOLFO: Als ich in der Schlossbar oder in Franco's Bar gesungen habe, war Velden eleganter. Viele hatten ihr Motorboot am See, Ende August war noch viel los, exklusives Publikum belebte die Vor- und Nachsaison. Heute bietet Velden viel an Cafés, Restaurants, Shopping. Es ist viel in Qualität investiert worden, aber der Unterhaltungsfaktor hat gelitten. Die Prominenz feiert im privaten Bereich. Der Ort selbst ist immer noch wunderbar, für mich die Riviera des Nordens.
Sie haben etliche international erfolgreiche Melodien und Lieder komponiert und gesungen. Beherrschen sie auch Kärntnerlieder?
ANDOLFO: Ich kann nur ein paar Worte im Dialekt sprechen, aber ich verstehe ihn gut. Beim Kärntnerlied höre ich nur die Melodie. Insgesamt habe ich 220 Lieder komponiert, 80 Prozent der Musik vom Schloss am Wörthersee geschrieben und für viele Filme.
Was fasziniert Kärntner so an der italienischen Musik?
ANDOLFO: Man spürt es, wenn die Musik authentisch ist. In die Musik Italiens packt man Erinnerungen. Heutige Schlager sind wie der Wetterbericht: Der Tag ist schön, die Sonne lacht, es geht mir gut, keine Botschaft, leider.
Am Donnerstag ist ihr Urlaub zu Ende. Wie sieht Ihr Alltag aus?
ANDOLFO: Ich fahre schwer aus Velden weg. In Wien trete ich auch in der Edenbar auf. Und die Arbeit am Musical geht weiter. Und dann ich zähle die Tage, bis ich wieder nach Velden komme . . .
INTERVIEW: ELENA MOSER











