Doppelmord: 36-Jähriger wird eingewiesen
Am 30. April erschoss ein Ex-Polizist mit einem Karabiner Vater und Onkel und wollte noch weitere Menschen töten. Gestern fand am Landesgericht Klagenfurt der Geschworenenprozess statt.

Foto © KLZ/ Helmuth Weichselbraun
Im Schwurgerichtssaal des Klagenfurter Landesgerichtes ist diesmal nur schwer ein freier Platz zu finden. Als der Angeklagte begleitet von zwei Beamten der Justizanstalt Klagenfurt in Handschellen hereingeführt wird, ist es plötzlich ganz still. Der 36-jährige Kärntner nimmt auf der Anklagebank Platz. Fernseh-Kameras sind auf ihn gerichtet, minutenlang ist das Klicken von Fotoapparaten das dominierende Geräusch.
Dem Ex-Polizisten wird vorgeworfen, am 30. April dieses Jahres in seinem Elternhaus in Finkenstein seinen Vater (60) und seinen Onkel (53) aus nächster Nähe erschossen zu haben. Mit einem russischen Militärkarabiner, der schon im Zweiten Weltkrieg zum Einsatz gekommen ist. Die Waffe sagt er, habe er im Internet ersteigert. Staatsanwältin Gabriele Lutschounig schildert, wie sich die Tat abgespielt hat. Der 36-Jährige sei an diesem Tag in die Küche des Elternhauses gekommen, wo sich sein Onkel und sein Vater aufgehalten hätten. Nach einem kurzen Streit, bei dem es unter anderem um Geld ging, sei er nach oben gegangen und habe die Waffe geholt.
Je zwei Schüsse hat der Angeklagte auf die Opfer abgegeben. Seinen Vater hat er mit einem Kopfschuss getötet. Und weil er geglaubt hat, der Onkel hätte noch "Mutti" gesagt, hat er zusätzlich mit voller Wucht mit dem Schaft der Waffe auf dessen Kopf eingeschlagen. Die beiden Männer hatten keine Chance. "Mein Vater hat mich beschimpft und wollte mich der Obdachlosigkeit preisgeben. Er war ein Tyrann", sagt der Angeklagte zu Richter Gerhard Pöllinger. Und auch der Onkel, bei dem er einige Zeit gewohnt habe, habe ihn abgelehnt. "Der Mann war zum Tatzeitpunkt nicht zurechnungsfähig. Es war ihm nicht möglich, das Unrecht seiner Tathandlung zu erkennen", sagt Psychiater Max Neumann. Paranoide Schizophrenie lautet seine Diagnose.
Glück im Unglück hatten an diesem 30. April die Gäste eines Lokales. Dorthin nämlich ist der 36-Jährige gefahren, nachdem er Vater und Onkel erschossen hatte. "Das sind alles Leute, die mich immer wieder gedemütigt haben", sagt der 36-Jährige. Mit dem Gewehr in der Hand stürmte er in das Lokal und wollte schießen - es funktionierte aber scheinbar nicht. In seiner Wut schlug er zwei der vier im Lokal anwesenden Personen nieder. Sie wurden schwer verletzt. "Das Gewehr war voll funktionsfähig", sagt Richter Pöllinger. "Warum ist es dann nicht gegangen?", antwortet der Angeklagte. Von Reue keine Spur. Er habe versucht es wieder funktionsfähig zu machen, es sei ihm aber nicht gelungen. Und weiter: "Das Gewehr hat auch ein Bajonett. Das zeigt, dass ich nicht auf der Höhe war, denn sonst hätte ich es ausgeklappt."
Zwei Tage vor der Tat hat der Angeklagte seine Hausärztin aufgesucht. "Er hat sich auffällig verhalten und ist mir gefährlich erschienen", sagt sie. Sie ist so besorgt gewesen, dass sie sowohl die Polizei als auch den Krisendienst informiert hat. Einen Tag vor dem Doppelmord sei der Krisendienst beim Elternhaus des 36-Jährigen gewesen, von einer Frau aber forsch aufgefordert worden, zu gehen. Am darauf folgenden Tag sind in eben diesem Haus die tödlichen Schüsse gefallen. "Niemand kann einen Mord rechtfertigen. Es müssen aber alle Umstände beleuchtet werden. Der Vater hat die Krankheitssymptome als Faulheit ausgelegt", sagt Strafverteidiger Michael Pontasch. Die Geschworenen waren sich einig: Der Angeklagte wird in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher eingewiesen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.
Was war passiert?
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