Osteuropa als Kraftquelle für Wirtschaftsentwicklung
CEE-Wirtschaftsforum in Velden - IV-Direktor Löwy: "Potenzial in Osteuropa durch Finanzkrise kaum gefährdet"
Nach Ansicht von Wirtschafts- und Finanzexperten,
die derzeit am CEE-Wirtschaftsforum in Velden am Wörthersee
teilnehmen, wird die aktuelle US-Finanzkrise die Wirtschaft in
Osteuropa zwar nicht unberührt lassen, die negativen Auswirkungen
werden sich aber in Grenzen halten. Kärntens Landeshauptmann Jörg
Haider sprach beim Auftakt des Forums am Mittwoch Vormittag "von
Irritationen auf den Finanzmärkten, ausgelöst durch amerikanische
Investmenthäuser, deren Manager die eigenen Systeme nicht mehr
verstehen". Bei den Wirtschaftsbeziehungen zwischen Österreich und
den CEE-Ländern gehe es aber nicht um virtuelle Produkte, sondern um reale Investitionen.
Kraftquelle. Der süd- und osteuropäische Markt sei eine Kraftquelle für die
Entwicklung der Wirtschaft in Europa, sagte Haider. Auch Michael
Löwy, Direktor für internationale Beziehungen in der österreichischen
Industriellenvereinigung, sieht das Potenzial in Osteuropa durch die
Finanzkrise wenig gefährdet: "Sie wird nicht spurlos an uns
vorbeigehen, aber zu keinen Einbrüchen führen", schätzt Löwy in Lage
ein. Allein aus Österreich flossen bisher 44 Mrd. Euro an
Investitionen in die Region. "Das ist eine Erfolgsstory für unsere
Industrie, damit werden auch heimische Arbeitsplätze gesichert".
Gesamtexport steigern. Für Walter Koren, Leiter der Außenwirtschaft in der
Wirtschaftskammer Österreich, ist Österreich der Motor Nummer eins
zwischen Bratislava und Wladiwostok. Der Anteil von derzeit 20
Prozent am Gesamtexport könne auf 25 Prozent gesteigert werden. "Am
Schnittpunkt dreier verschiedener Kulturen begegnen wir den Menschen
auf gleicher Augenhöhe", so Koren.
Gewinne vor Ort. Der geschäftsführende Gesellschafter des Malik Managementzentrums
St.Gallen, Martin Hagleitner, erwartet, dass auf Grund der
Finanzkrise die Konjunkturprognosen revidiert werden. "Es wird eine
Abkühlung geben, aber ausgehend von einem hohen Niveau. Heimische
Unternehmen, die sich bereits zur Sowjetzeit im Osten etabliert
haben, machen einen Großteil ihrer Gewinne vor Ort. Nicht verwöhnt
von der österreichischen Verwaltung, sind die Unternehmen mit den
dortigen Hindernissen vertraut".
Wachstum von 0,5 bis 1 Prozent. Was Österreich auf den Märkten in Zentral- und Osteuropa helfe,
sei der enorme Nachholbedarf, der die Konjunkturzyklen überlagere.
Einem Wachstum von 0,5 bis 1 Prozent im Westen stünden 5 bis 8
Prozent im Osten gegenüber. "Das wird so weitergehen, die
Exportzuwachsraten sind überdurchschnittlich", so Hagleitner. Wie der
weißrussische Botschafter Alexander Sychov meint auch der St.
Gallener Wirtschaftsexperte, dass für funktionierende
Wirtschaftsbeziehungen nicht unbedingt die EU-Integration notwendig
ist. Assoziationsabkommen seien ausreichend. "Die EU ist sehr mit
sich selbst beschäftigt. Abzuwarten, bis die EU ihre Hausaufgaben
gemacht hat, wäre fatal". Zielführender sei, durch die
Marktbearbeitung Fakten zu schaffen. "Wir brauchen einen gewissen
Pragmatismus und müssen die Nähe zu den Regionen mit den Augen und
durch Taten wahrnehmen".
Investitionsfluss.Für Michael Löwy stellt sich die Frage anders: "Ob Ukraine oder
Türkei beitreten sollen oder nicht: Die Beitrittswerber müssen die
EU-Kriterien erfüllen. Außerdem steht die künftige österreichische
Regierung vor der Herausforderung, wie mit dem steigenden
Investitionsfluss von russischen Investoren in Österreich umzugehen
ist".
400 Teilnehmer. Neben den südosteuropäischen Ländern und Russland sind beim
dritten Wirtschaftsforum dieser Art heuer erstmals Weißrussland und
die Ukraine mit dabei. 400 Teilnehmer und 40 Wirtschafts- und
Finanzexperten setzen sich bis Freitag mit Perspektiven, Potenzialen
und Projekten in Zentral-, Südost- und Osteuropa auseinander. Das
CEE-Wirtschaftsforum in Velden wird am Freitag mit einer Keynote von
Außenministerin Ursula Plassnik beendet.









