Literarisches Fastentuch
Zarte Kalligraphie auf Riesen-Papierrollen: Die gebürtige Kärntnerin Angelika Kaufmann zeigt 100 Quadratmeter große Arbeit in Darmstadt.
Papierrollen und ein literarischer Text sind die üblichen Zutaten für ein Buch. Angelika Kaufmanns Hände formen daraus jedoch Kunstwerke. Eines davon ist derzeit in der Stadtkirche Darmstadt zu sehen. "Schuld" daran ist Elfriede Gerstl, die vor einiger Zeit in der kulturell engagierten evangelischen Kirche gelesen und den Kontakt zwischen den Deutschen und der gebürtigen Kärntnerin vermittelt hat.
"Sehr nahe gegangen". So wurde Kaufmann neben anderen Österreichern, wie dem Kärntner Autor Gert Jonke, eingeladen, sich an der Veranstaltungsreihe "Europäische Nachbarn - Passion Österreich" zu beteiligen. Nach einer Besichtigung der Kirche wählte die Künstlerin als Grundlage für ihre Arbeit Friederike Mayröckers "Requiem für Ernst Jandl" aus. "Das ist ein Text, der mir selber sehr nahe gegangen ist, weil ich Ernst Jandl, mit dem auch mein verstorbener Mann befreundet war, gut kannte", erläutert die Wahlwienerin. Darüber hinaus verbindet die 1935 in St. Ruprecht bei Villach geborene Kaufmann seit Jahrzehnten eine intensive Freundschaft mit der Autorin. Diese hat auch in gemeinsamen Kinderbüchern wie "Sinclair Sofokles der Baby Saurier" oder "Pegas das Pferd" Niederschlag gefunden.
Für Darmstadt hat Kaufmann Mayröckers Text in Ziffern transkribiert und auf neun Japan-Papierrollen geschrieben, die je einen Meter breit und zwölf Meter lang sind. So ist eine rund 100 Quadratmeter große Papierarbeit entstanden. Wie ein Fastentuch verhängt sie den Chorbogen und verändert sich je nach Lichteinfall. Teilweise verschmilzt die Kalligraphie fast völlig mit dem Papier und wird unsichtbar. "Dieser Effekt hat mich selbst überrascht", gesteht Kaufmann, die gerade eine Ausstellung in der Wiener Galerie "Splitter Art" vorbereitet. In Kärnten sind einige ihrer Arbeiten ab Juli bei der Großausstellung "Emanzipation und Konfrontation" zu sehen.












