Herzogstuhl-Ausstellung im Reinhard-Eberhart-Museum in Villach
Umfangreiche Schau über das bedeutende Kärntner Monument. Vier Tonnen schwere Marmor-Nachbildung eigens angefertigt

Foto © kkReinhard Eberhart auf dem Herzogstuhl
"Der Herzogstuhl - von damals bis heute" nennt sich die bisher umfangreichste Ausstellung über das neben dem Fürstenstein bedeutendste historische Rechtsdenkmal Kärntens, die vom 21. Juni bis zum 26. Oktober im Reinhard-Eberhart-Museum (rem) in Villach zu sehen ist. Die unter Mitarbeit namhafter Historiker erarbeitete Schau widmet sich sowohl der geschichtlichen Aufgabe als auch der aktuellen Bedeutung des steinernen Monuments, auf welchem bis zum Jahre 1651 Teile der Zeremonien bei der Herzogseinsetzung - Huldigung, Rechtsprechung und Lehensvergabe - ausgeübt wurden.
Die Geschichte des Herzogstuhls von seiner erstmaligen Erwähnung bis in die Gegenwart wird den Besuchern auf insgesamt 25 Schautafeln erläutert, die auf den Außenwänden des in einem ehemaligen katholischen Pfarrhof beheimateten Museums angebracht sind. Geschildert werden der Ablauf der herzöglichen Zeremonie aus der Sicht von Historikern aus früheren Zeiten und der Gegenwart, das lange Ringen um eine Glaseinhausung des auf dem Zollfeld bei Maria Saal stehenden Monumentes sowie die gegenwärtige Situation im Hinblick auf den bevorstehenden Ausbau der am Denkmal vorbeiführenden Schnellstraße zu einer Autobahn.
Der Aktionist Reinhard Eberhart hatte vor wenigen Wochen einen Brief an den slowenischen Regierungschef Janez Jansa gerichtet, mit der Aufforderung, den Herzogstuhl in Slowenien aufzustellen und solcherart vor der drohenden Zerstörung durch den in Kärnten daneben fließenden Durchzugsverkehr zu retten. Weiters machte er darauf aufmerksam, dass das Monument unmittelbar neben der kommenden Autobahn zur Bedeutungslosigkeit degradiert werden würde.
Bedeutendstes Kraftfeld. Eberharts Brief rüttelte die Landespolitiker auf und in Verhandlungen mit der Asfinag konnte jetzt eine Verlegung der Autobahntrasse erreicht werden. Zum Thema Aufstellungsplatz des Herzogstuhls läuft im Rahmen der Ausstellung ein Monitor mit Erläuterungen von Landeshauptmann Jörg Haider und anderen Regierungsmitgliedern sowie zuständigen Beamten, Historikern und Wissenschaftlern. Jener Platz, auf dem das Monument inmitten des einst von Kelten und Römern besiedelten Zollfeldes steht, soll laut Untersuchungen eines der bedeutendsten Kraftfelder Kärntens sein, das angeblich schon keltischen Druiden für ihre Zeremonien gedient hat.
Computer-Animation von HTL-Schülern. Auch Schüler der HTL-Ferlach brachten sich in die Ausstellung ein: Sie präsentieren über einen Monitor eine Computer-Animation, welche den Aufbau des "Herzogsitzes" und des auf dem Monument gegenüberliegenden "Pfalzgrafensitzes" zeigen. Weiters ist via Lautsprecher eine fiktive Herzog-Rede zu vernehmen. Das Kärntner Landesmuseum stellte Abgüsse von den Originalschriften am Herzogstuhl zur Verfügung.
Herzog Hermann von Spanheim. Urkundlich taucht der Herzogstuhl erstmals bei der Einsetzung von Herzog Hermann von Spanheim im Jahre 1161 auf, als die Feierlichkeiten auch noch zusätzlich am "Fürstenstein" stattfanden. Von 1414 bis 1651 wurde die Zeremonie dann nur noch am Herzogstuhl durchgeführt. Das Monument verfiel in den folgenden Jahrhunderten immer mehr und wurde erst 1834 wiederhergestellt. Vor der Volksabstimmung am 10. Oktober 1920 versammelten sich rund um das Rechtsdenkmal 30.000 Kärntnerinnen und Kärntner, um in einer eindrucksvollen Kundgebung die Einheit des Landes zu beschwören.
Features
Fakten
Die Herzogstuhl-Ausstellung im Reinhard-Eberhart-Museum in Villach-St. Ruprecht ist Montag bis Donnerstag von 8.00 bis 13.30 Uhr geöffnet.
Führungen an Wochenenden werden telefonisch unter +43 (0)4242 42420 oder 0664 3011100 vereinbart.













