Tragödie am Tretboot
Prozess am Ufer des Afritzer Sees. 21-Jähriger soll schuld sein, dass sein bester Freund vor einem Jahr ertrunken ist.

Foto © KalserHier fand die Tragödie statt
Saisonbeginn am Afritzer See: Die ersten Badegäste tauchen zaghaft ins Wasser. Die Tretboote werden gesäubert. Mit einem dieser Boote ist Raffael Puschmann vor einem Jahr auf den Afritzer See hinaus gefahren. Jetzt steht sein Vater Gerhard Puschmann am Ufer und weint. In der Hand hält er Kerzen - für Raffael. Der 21-Jährige rutschte von der Tretboot-Rutsche ins Wasser und ertrank.
Vorgeschichte. Doch da gibt es noch eine Vorgeschichte - und um diese zu klären, ist am Freitag ein Team von Juristen und Gutachtern vor Ort. Sie sollen herausfinden, ob Dario M. (21) Mitschuld am Tod von Raffael hat. "Dario und Raffael waren enge Freunde, sie gingen gemeinsam zur Schule - und später wurden sie Arbeitskollegen und waren in der gleichen Firma beschäftigt", erzählt Vater Gerhard Puschmann.
Afritzer See. Am 16. Juli 2006 waren die beiden Kärntner Dario und Raffael am Afritzer See. Raffael ist nicht mehr. Und Dario wurde von Staatsanwältin Gabriele Lutschounig wegen fahrlässiger Tötung unter besonders gefährlichen Verhältnissen angeklagt. Warum? Dario M. soll mit seinem Freund Raffael am Boot gerangelt haben, obwohl er wusste, dass Raffael kurz zuvor reichlich gegessen hatte, heißt es in der Anklage. Doch bisher ist kein Zeuge aufgetaucht, der ein Rangeln, und sei es nur ein spaßiges Rangeln, bezeugen kann.
Rettungsschwimmer. Fest steht lediglich: Raffel und Dario sind abwechselnd von der Rutsche in den See. Irgendwann konnte sich Raffael nicht mehr über Wasser halten. Sein Kollege versuchte ihn zum Boot zu ziehen. Aber das Opfer soll in Panik so wild um sich geschlagen, dass Dario M. fast mit ihm gemeinsam unterging. Er habe seinen Freund los lassen müssen, sagte der Angeklagte kurz nach dem Unglück zur Kleinen Zeitung. Er sei zwar Rettungsschwimmer, doch hätte er nicht los gelassen, wäre er selbst ertrunken. Ob er dafür strafrechtlich verurteilt werden kann?
Lokalaugenschein. Den Lokalaugenschein am sonnigen Seeufer hält der Angeklagte jedenfalls kaum aus: Zwei Mal muss seine Einvernahme unterbrochen werden, er ist nervlich am Ende, Psychologen sind da, um den Angeklagten zu beruhigen. Nach vier Stunden wird der Prozess vertagt: weitere Zeugen sollen gehört werden.
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Gerhard Puschmann trauert um RaffaelFoto © Kalser
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Der verunglückte RaffaelFoto © Kalser
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Richter Pöllinger und Staatsanwältin Lutschounig (beide Mitte) führten den Prozess vor OrtFoto © Kalser












