Infineon: Neuer Kapitän in rauem Wind
Konzernchef Reinhard Ploss soll Infineon auch durch Konjunkturtal mit deutlich positiven Ergebnissen durchsteuern. Von Adolf Winkler.

Foto © KLZ/TraussnigReinhard Ploss (56), seit 1. Oktober Infineon-Konzernchef in München
Mit 1. Oktober hat Reinhard Ploss den bisherigen Vorstandsvorsitzenden Peter Bauer an der Spitze des Infineon-Konzerns in München abgelöst. Bauer, der aus gesundheitlichen Gründen zurücklegte, musste nach starken Ergebnissen schon seit Sommer der heraufziehenden Konjunkturtrübung gegensteuern: "Wo wir sparen können, sparen wir jetzt." Weil nach der Industrie und Energiebranche auch die Autobauer bei den Investitionen auf die Bremse treten, musste der bayerische Halbleiterkonzern Umsatzeinbußen von zehn Prozent und Renditerückgänge auf fünf bis sieben Prozent Marge für das letzte Quartal des Jahres verkünden. Nun liegt es am neuen Kapitän Ploss, Infineon durch die Delle möglichst ertragreich durchzusteuern. Im Gesamtjahr hatte man sich 3,88 Milliarden Euro Umsatz und ein operatives Ergebnis von über 500 Millionen Euro vorgenommen.
"Ploss steigt nach den besten Jahren der Unternehmensgeschichte jetzt in einer Zeit ein, in der es in eine andere Richtung geht", beschreibt Infineon-Austria-Vorstand Monika Kircher den in den Chipbranche immer wiederkehrenden Zyklus. "Infineon muss jetzt den Investoren Sicherheit geben, dass wir auch bei rauem Wind mit deutlich positiven Ergebnissen durchtauchen", schildert sie die Herausforderung für den neuen Konzernchef und die global 26.000 Mitarbeiter.
Ploss' Aufstieg an die Konzernspitze bedeutet für Infineon in Villach "Kontinuität und vertrauensvolle Führungskultur", so Kircher. Der Techniker Ploss war an Kirchers Seite bis 2007 Vorstandschef von Infineon Austria, ehe er in den Konzernvorstand nach München ging. Er ist seither auch Aufsichtsratschef von Infineon Austria.
Blick auf USA und China
Das Villacher Werk und seine globale Kompetenz hat Ploss maßgeblich mit entwickelt, zuletzt mit mehreren hundert Millionen Euro Investitionen, die heuer im Frühjahr in einer neuen Produktionslinie für die 300-Millimeter-Wafer gipfelten. Konnte Ploss damals der Kleinen Zeitung noch mitteilen, dass das Villacher Werk "bis an die Oberkante ausgelastet" sei, so ist man nun auch in Villach wachsam auf Sparkurs und blickt nach China und auf die Wahlen in den USA, wo mit den politischen Weichenstellungen auch über Investitionstempo der Wirtschaftsgroßmächte im Bereich Alternativenergie entschieden wird, in dem sich Infineon große Potenziale erhofft.












