Daniela Gabriel: "Das Treffen eröffnet neue Perspektiven"
Als Managerin des Harley-Davidson-Konzerns war Daniela Gabriel für Europa, den Mittleren Osten und Afrika zuständig. Heute führt sie zwei Betriebe am Faaker See und erlebt die Bike Week als Hotelchefin.

Foto © KLZ/Hassler
Die 15. European Bike Week, also das Harley-Treffen, scharrt bereits in den Startlöchern. Freuen Sie sich darauf?
DANIELA GABRIEL: Natürlich, ganz klar. Es ist schön zu sehen, wie sich das Treffen seit der ersten Veranstaltung entwickelt hat.
Heute sind sie Hotelierin, aber die ersten Jahre haben sie die Veranstaltung ja aus der Organisatorenperspektive miterlebt.
GABRIEL: Stimmt. Ich bin nach Abschluss der Tourismusschule in Warmbad-Villach nach Los Angeles gegangen und habe bei Hilton im Marketing und Verkauf gearbeitet. Der Zufall wollte es, dass ich 1998 über einen Headhunter zum Konzern Harley Davidson gestoßen bin. Für die damalige Geburtstagsfeier am Faaker See suchte man jemanden für die Organisation.
Als einzige Frau in der Position sicherlich kein einfacher Job?
GABRIEL: Ich liebe Herausforderungen und scheue als neugieriger und risikobereiter Mensch den Sprung ins kalte Wasser nicht. Also habe ich zuerst den Motorradführerschein gemacht und mich dann herangearbeitet.
Wie sehen Sie die Entwicklung der European Bike Week?
GABRIEL: Dass sich die einmalige Geburtstagsfeier zum drittgrößten Treffen der Welt und zum größten Europas gemausert hat, ist wunderbar. Das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen: Daytona, Sturgis, Faak am See! Es eröffnet Kärnten Perspektiven, eine Gästeschicht, die international und finanziell gut situiert ist. Als Hotelierin freue ich mich natürlich über die Verlängerung der Saison.
Sehen sie mehr Potenzial in dieser Veranstaltung, als derzeit ausgeschöpft wird?
GABRIEL: Die Verantwortlichen sollten sich schon bewusst machen, dass Harley Davidson ein Weltkonzern ist, der sich den Faaker See ausgesucht hat. Nahezu jedem Biker - egal ob aus Neuseeland, Australien, England oder Südafrika - ist Kärnten und Faak zumindest ein Begriff. Das ist ja nicht selbstverständlich. Jetzt läuft der Vertrag noch bis 2018 und andere, größere Städte schlafen nicht. Zudem könnte man das Gästepotenzial abseits des Treffens besser bedienen. Denn: Was findet ein Biker, der etwa im Frühjahr samt Familie nach Kärnten kommt, das seinem Interesse entspricht? Da fehlen ganzheitliche Konzepte, wie man diese Gästeschicht bindet.
Sie haben ja Ihren Betrieb als erstes Bike-Hotel Kärntens definiert. Was tun Sie?
GABRIEL: Zu mir kommen keine Gäste, sondern Freunde. Mit ist dieses ursprüngliche Motto von Kärnten ganz angenehm und ich pflege den persönlichen Kontakt. Bei schlechtem Wetter schrauben wir gemeinsam an den Maschinen, putzen sie oder kochen zusammen. Aus Erfahrung weiß ich, dass man anonyme Designerhotels an allen Ecken der Welt findet. Die ganz spezielle Gastfreundschaft und dieses romantische Image ist aber einmalig und im Kommen.
Welches Image hat man denn von Kärnten?
GABRIEL: Ich bekomme immer wieder zu hören, wie schön, sauber, lieblich und gemütlich es ist. Ein wenig altmodisch vielleicht, aber nicht negativ gemeint. Auch die außerordentliche Qualität der Seen und das Trinkwasser aus der Leitung werden genannt. Menschen im Mittleren Osten kennen das so nicht, da wären zielgerichtete Marketingmaßnahmen sicher erfolgreich. Zum aktuellen Image ob der politischen Situation bekomme ich da und dort ein paar zynische Seitenhiebe, mehr nicht.
Sie haben einmal gesagt, dass man als Frau in Kärnten nur in Nischen arbeiten könne und sich selbst etwas Eigenes aufbauen muss. Gilt das noch?
GABRIEL: Ich meinte damit, dass es hier wenige Frauen in Spitzenpositionen gibt und man sich in seinem eigenen Umfeld selbstbestimmter entwickeln kann. Ich kenne viele erfolgreiche Exilkärntner, auch Frauen. Da frage ich mich schon, ob sie in ihrer Heimat unterfordert sind oder den Freiraum für ihre Entwicklung hier nicht vorfinden.
Auch Sie sind ja nicht durchgehend hier am Faaker See?
GABRIEL: Während des Sommers bin ich im Betrieb. Aber ich arbeite noch für zwei Firmen in der internationalen Strategieplanung, da fahre ich immer wieder weg. Außerdem liebe ich das Reisen. Andere Luft schnuppern, den Kopf und das Gehirn lüften, das erweitert den Horizont.
Gibt es diesen eigentlich auch für die Bike Week?
GABRIEL: Steigt die Besucherzahl wie bisher, benötigt man unbedingt einen "Plan B" für das Verkehrskonzept rund um den See.
Features
Ganz persönlich
Werdegang. Daniela Gabriel (43), Hotelierin, Strategieplanerin für Firmen in Wien, spricht sechs Sprachen, ledig, wohnt in Finkenstein. Kärntner Tourismusschule, danach Marketing und Verkauf für Hilton Hotels in Los Angeles. Mit 28 Jahren jüngste und einzige Frau im Europamanagement von Harley Davidson.
Eigenschaften. Neugierig, Mut zum Risiko. O-Ton: "Familie gibt mir enormen Rückhalt."
European Bike Week
15 Jahre. Die European Bike Week ist das größte Motorrad-Festival in Europa und findet offiziell vom 4. bis 9. September statt. Heuer brummen die V-Twins zum 15. Mal rund um den Faaker See.
100.000. Rund 100.000 Zuseher und 75.000 Motorräder nehmen in dieser Woche am Spektakel teil. Sehenswerter Höhepunkt ist die Parade am Samstag, 8. September, rund um den Faaker und Ossiacher See.
Dorf. Direkt in Faak am See gibt es das "Harley Village", eine 40.000 Quadratmeter große Zone mit Verkaufsständen, Speisen, Getränken, Live-Musik.












