"Ja" zu Projekt in Lawinenzone
Trotz Gefahrenzone darf laut Bezirkshauptmannschaft Bioheizwerk in Bad Bleiberg gebaut werden. Es wird das 3501. Gebäude im Bezirk sein, das in von Lawinen und Wildbächen bedrohtem Gebiet steht.

Foto © KLZ/Willi ZoreLawinengefahr: Vom Dobratschmassiv abgehende Lawinen sind für Bad Bleiberg immer wieder eine Gefahr. In diesem Wäldchen, am Fuße des Dobratsch, wird das Bioheizwerk wohl gebaut werden
"Wir haben sowieso alle keine Freud' damit!", sagt eine Bad Bleibergerin und zeigt in den Wald am Fuße des Dobratsch. Dort in der Roten Gefahrenzone, oberhalb des Fußballplatzes, wird das Biomasseheizwerk errichtet werden. Ein positiver baurechtlicher Bescheid von der Gemeinde, jetzt auch der gewerberechtliche Bescheid von der Bezirkshauptmannschaft (BH) liegen vor. Jetzt muss die Bioenergie Bad Bleiberg GmbH noch die Verhandlung vor dem Unabhängigen Verwaltungssenat (UVS) in Klagenfurt abwarten.
"Das wird das erste Heizwerk in einer Roten Lawinenzone", sagt Erwin Eckhart von der Bürgerinitiative gegen die Errichtung des Heizwerkes. Eckhart versteht nicht, wie Gemeinde und Bioenergie so eine Genehmigung bekommen haben - zumal die Anlage in der roten Zone liegt. Mit gutem Grund: Der nahe Dobratsch bäumt sich bedrohlich über dem Ort auf, immer wieder gibt es Lawinenwarnungen. Und Ostern 1975 ist vielen Bleibergern noch schrecklich in Erinnerung, als eine mächtige Lawine von den Berghängen ins Tal raste. Unwetter der Jahre 1965 und 1966 in Kärnten und Osttirol waren auch der Grund, einen Gefahrenzonenplan für Österreich zu erstellen.
Rote Zonen
Seitdem bedeuten Rote Zonen, dass eine Gefährdung durch Wildbäche und Lawinen so groß ist, dass eine ständige Besiedlung nicht oder nur mit unverhältnismäßig hohem Aufwand möglich ist. Der Chef der Wildbach- und Lawinenverbauung Kärnten, Josef Brunner, darf zum Projekt in Bleiberg keine Stellungnahme abgeben. Bezirkshauptmann Bernd Otto Riepan legt die Entscheidungsgrundlage jedoch offen: "Vonseiten der Wildbach- und Lawinenverbauung hat man ausgeführt, dass bei bestimmter Bauweise und Modifizierungen des Projekts keine Gefährdung durch Staub- und Fließlawinen gegeben ist." Wann Baustart ist, konnte Bürgermeister Gunnar Illing nicht sagen. Vonseiten der Bioenergie Bad Bleiberg war niemand erreichbar. "Jetzt muss man die Entscheidung des UVS abwarten, dann besteht die Möglichkeit einer Beschwerde vor dem Verwaltungsgerichtshof", sagt Bezirkshauptmann Riepan.
Erhöhte Gefahr
Nach erfolgreichem Instanzenweg steht einem Bauwerk in der Roten Gefahrenzone nichts mehr im Weg. Doch es wird nicht das erste Gebäude in Villach sein: "3500 Gebäude stehen im Bezirk derzeit in gefährdeten Gelben und Roten Zonen", sagt Brunner. Mit erhöhter Gefahr muss man vor allem in Bleiberg aufgrund von Lawinen rechnen. Gefahrenzonen sind auch noch die Bereiche entlang von Feistritz- und Rosenbach sowie der Stockenboier Wildbäche. Alle Gefahrenzonen zusammen sind in Villach und Villach-Land 15,6 Quadratkilometer groß - mit bald 3501 Häusern drauf!
Features
Katastrophenschutz
Gefahrenzonenplan. Kärnten und Osttirol waren in den Jahren 1965 und 1966 von schweren Hochwässern betroffen. Diese Vorfälle nahm man zum Anlass, Gefahrenzonenpläne zu entwickeln. Heute liegen diese Pläne bei Landesregierung, Bezirksverwaltungsbehörde, Gemeinde und in der Gebietsbauleitung der Wildbach- und Lawinenverbauung in Villach, Meister Friedrich-Straße 2, auf.
Zonen. Als Rote Gefahrenzone werden Gebiete bezeichnet, in denen die Gefährdung durch Wildbäche und Lawinen so groß ist, dass ständige Besiedlung nicht oder nur mit hohem Aufwand möglich ist. In der Gelben Zone ist die ständige Benutzung beeinträchtigt.
Gefährdet. 15,6 Quadratkilometer beträgt die Fläche der roten und gelben Zonen in Villach und Villach-Land. Das sind 1,3 Prozent von 1155 Quadratkilometern.
Bad Bleiberg. Die Gemeinde war immer gefährdet. Ostern 1975 ging eine schwere Lawine ab, immer wieder - wie Dezember 2008 - gab es Lawinenwarnungen.












