Neues Team greift Jugend unter die Arme
Julia Tschabuschnig ist neu bei "Streetwork Villach". Dort hofft man auf Finanzierung von viertem Streetworker und Notschlafstelle.
Fast 90 Prozent aller Jugendlichen, die in Villach in Probleme schlittern, stammen aus zerrütteten Familienverhältnissen. Tragisch, denn die Leidtragenden sind immer die Kinder. Zerrüttet hat aber nichts mit sozialer Herkunft zu tun, zerrüttet sind Familien quer durch die Bevölkerung: von der Arzttochter bis hin zum Tischlersohn.
"Streetwork Villach" ist die richtige Anlaufstelle, wenn die Stimmen der Jugendlichen zu Hause nicht gehört werden. Mit Julia Tschabuschnig ist jetzt eine Neue - neben Leiter Roland Ressmann und Martin Tautscher - auf Villachs Straßen unterwegs. Tschabuschnig ist 26 Jahre alt, hat an der Fachhochschule Feldkirchen "Soziale Arbeit" studiert und ersetzt Jennifer Vallant.
In Villach wird sie gemeinsam mit ihren Kollegen viel zu tun haben: Opfer von häuslicher Gewalt, sexueller Missbrauch, kein Essen, Schulden, Drogenabhängigkeit - die Liste der Probleme, unter denen Villachs Jugendliche leiden, ist groß. Daher hoffen die Streetworker sehr, dass eine vierte Stelle finanziert wird. Vonseiten der Stadt Villach unterstützt man dieses Vorhaben.
"Hilfe zur Selbsthilfe ist einer unserer Bausteine", sagt Ressmann. Ein vierter Streetworker wäre daher wünschenswert. Der Trägerverein "Kraftwerk" wird vom Land Kärnten und der Stadt Villach finanziert. Neben der mobilen Arbeit gibt es auch fixe Öffnungszeiten: montags von 10 bis 12.30 Uhr, donnerstags von 17 bis 20 Uhr. Natürlich sind die Streetworker auch zu anderen Zeiten erreichbar, ein Anruf genügt (Telefonnummern in der Infobox).
4404 Kontakte im Jahr 2011 beweisen, dass Streetwork in Villach benötigt wird. Anonym, kostenlos, ohne Formalitäten: Dafür steht Streetwork. "Die Jugendlichen brauchen auch keinen Namen sagen. Vertrauen ist bei uns ganz wichtig", sagt Ressmann.
Obdachlosigkeit
Die Streetworker versuchen dort zu helfen, wo das soziale Netzwerk versagt. Momentan ist Obdachlosigkeit ein Problem. Jugendliche, die schon einmal eine Wohnung gehabt haben, sich diese nicht mehr leisten können, die von zu Hause abhauen, die von Freund zu Freund ziehen - das ist jene Form von Obdachlosigkeit, die auch in Villach auftritt. "Das sind Jugendliche, die irgendwie aus dem Netz gefallen sind", sagt Ressmann. Eine Notschlafstelle wie in Klagenfurt ist dringend notwendig. "Wir kämpfen schon lange darum", sagt Ressmann. Und es kommen Jugendliche ins Büro, die Hunger haben. "Bei uns können sie sich etwas kochen", sagen die drei Streetworker. Und sie halten auch Traditionen aufrecht, die bei Jugendlichen zu Hause nicht mehr aufrecht gehalten werden: Weihnachten oder Ostern. "Das feiern wir auch bei uns." Viele Jugendliche kommen, um sich heimelig zu fühlen. Das sei dann Erfolg, sagt Ressmann, wenn man jenen Jugendlichen aus zerrütteten Verhältnissen Sicherheit, Rückhalt und Vertrauen schenken kann. Dann hat das Team seine Arbeit gut getan - für die Jugendlichen.











